ANTIQUA Online Magazin

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Sexualität  1


 

Grundsätzliche Begriffe:

Sex  (aus dem lateinischen sexus > Geschlecht) umfasst als Sammelbegriff  Sexualität alle Erscheinungen, Zusammenhänge und Vorgänge des Geschlechtslebens und steht sowohl für biologische, anatomische als auch psycho-biologische und neuronale Begriffe als Präfix und/oder Bezugsbezeichnung zur Verfügung. Umgangssprachlich wird der Begriff Sex im breiten Zusammenhang mit allem Sexuellen gebraucht: inflationär und meist undifferenziert. In der Wissenschaft blieb er auf seine lateinische Bedeutung > Geschlecht reduziert.

Sexologie / Sexuologie – ist ein interdisziplinäres und sowohl theoretisch als auch praktisches Wissenschaftsgebiet, das sich mit der Erforschung der Sexualität im weitesten Sinn und dem Geschlechtsleben in/mit all seinen Zusammenhängen und Aspekten befasst. Die Sexologie begreift zahlreiche Komponenten und Disziplinen: Biologie, Anatomie, Genetik, Urologie, Gynäkologie, Medizin im Allgemeinen, Psychologie, Soziologie, Pädagogok, Philosophie (Ethik und Moral) und die juristische Branche. In der Medizin befasst sich die Sexologie im Besonderen mit der Instruktion von Studenten und klinischem Fachpersonal und ist für die Diagnostik bei sexuellen Störungen, Krankheiten und Derivationen relevant.

(Pioniere: Carl Westphal, Sigmund Freud, Magnus Hirschfeld, Karl Giese, Alfred Kinsey ...)

Sexualpädagogik – ist eine Disziplin der Pädagogik, die im Besonderen für sexuelle Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen zuständig ist. Sie bedient sich dabei der spezifischen wissenschaftlichen Grundlagen aus der Sexologie, der Psychologie und der Biologie. Ihr Zweck ist die aktuelle und adäquate Aufklärung und  Erziehung von Kindern und Jugendlichen, sowie die grundsätzliche Vorbereitung Erwachsener auf das Familienleben, bzw. das Zusammenleben als Paar/Gemeinschaft. Des weiteren spielt sie in der psychotherapeutischen Einzel- und Familienberatung und in der Resozialisierung von sexuell gestörten, internierten Patienten und/oder Gefängnisinsassen eine instruktive Rolle.

Sexualstörungensind im weitesten Sinn Beeinträchtigungen des sexuellen Empfindens, des Sexuallebens, des Sexualverhaltens und der Sexualidentität und lassen sich in

Funktionsstörungen (Potenzstörungen, vorzeitiger Samenerguss, Erektionsunfähigkeit, Frigidität > Anorgasmie, …),

Paraphilien (derivante, abartige und krankhafte Neigung/Beziehung zum Sexualobjekt, Homophobie, Pädophilie, Sodomie > Zoophilie, Bestiophilie …) und

Identitätsstörungen (Homosexualität,  Transsexualität, Intersexualität) einteilen. Letztere werden im Gegensatz zu den Funktionsstörungen und Paraphilien nicht als Krankheit oder Geistesstörung, sondern als erworbene, bzw. angeborene Identitätsprobleme definiert und sind - in bezug auf die Entscheidungsfreiheit der davon Betroffenen - als Menschenrecht anerkannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Libido - (lat. Geschlechtstrieb, sexuelles Verlangen ) Die sexuellen Regungen und Befürfnisse werden in der Biologie (gleichwertig für Mensch und Tier) durch die Annahme eines Geschlechtstriebes ausgedrückt. Die Annahme eines solchen Triebes beruht auf Analogien mit dem Trieb nach Nahrungsaufnahme: dem Hunger. Die Libido ist in den meisten Sprachen im Rahmen der Sexualität ein substitutioneller Begriff für  das bewusste sexuelle Verlangen, den sexuellen Hunger, weil diese Sprachen kein eigenes, vergleichbar präzises Wort  kennen um dieses Spektrum zu bezeichnen oder zu umreissen. Die Biologie hat diesen Begriff als erste benutzt und er wurde dann u.a. von der Psychoanalyse und Tiefenpsychologie übernommen.

 

Die Stärke, bzw. Schwäche der Libido ist rein biologisch kaum beeinflußbar, ein wenig durch wechselnde Klimaverhältnisse oder auch die Ernährung. Allerdings können pharmazeutische Mittel in Bezug auf die inneren und äußeren Geschlechtsmerkmale(organe) mitunter eine verheerende Wirkung haben. Dopingmittel und insbesondere anabole Steroide - wenn sie massiv eingenommen, bzw. injiziert werden, haben auf Dauer eine die Potenz vermindernde Wirkung, steigern je nach Charakatertypus die Agressivität und die sexuelle Passivität. Äusserlich wurden beim Mann drastische Schrumpfungen der Hoden in Verbindung mit Unfruchtbarkeit festgestellt. Bei der Frau eine deutliche Maskulinisierung des Körpers, Schrumpfung der Brüste, vergrößerung der Klitoris und eine zunehmende Körperbehaarung(Bartwuchs, Achselhöhlen, anale und vaginale Region.

In psychischer Hinsicht ist die Libido bedeutend fragiler. Je nach psychischer Stabilität und/oder mentaler Hygiene bedarf es nicht viel um funktionelle oder paraphilische Sexualstörungen hervorzurufen (Impotenz, Frigiditéit, Hyposexualitéit - siehe. Sexualstörungen)


Erscheinungsformen:

 

Bisexualität - ist in psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Kreisen um die Wende 19/20 Jh. - zwar damals noch nicht unumstritten - als eine in jedem Menschen a priori latent vorhandene Eigenschaft angesehen worden, die sich dann infolge durch erzieherische und kulturelle Einflüsse entweder dem fremden oder dem eigenen Geschlecht, bzw. beiden Geschlechtern zugleich sexuell zuwenden könnte.

Heterosexualität - ist die sexuelle fremdgeschlechtliche Orientierung, bzw. Beziehung zum konträren Geschlecht. Diese Sexualorientierung ist weltweit gesellschaftlich am ausgeprägtesten und die von den meisten Kulturen und deren Erziehung geförderte sexuelle Gefühls- und Verhaltensweise, weil sie u.a. die Fortpflanzung der Spezies Mensch gewährleistet. Aufgrund ihres verhältnismäßig mehrheitlichen Auftretens wird sie als normal (normgebend)  angesehen, ohne allerdings den Status des "normativen" geltend machen zu können.

Homosexualität: gilt einerseits aufgrund ihrer von der heterosexuellen Norm abweichenden Orientierung als eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung, andrerseits aber auch als geltendes Menschenreicht. Homosexualität ist die sexuelle Orientierung zum eigenen Geschlecht, ergo die Entscheidung eines Menschen, der - ob Mann oder Frau - sich sexuell zu seinem Geschlecht hingezogen fühlt.

Aufgrund ihres verhältnismäßig minderheitlichen Auftretens wird sie als unnormal (nicht der Norm entsprechend)  angesehen, ohne dabei aber a priori (erst seit Ende des 20. Jh.) als abartig definiert zu werden.

 

Transsexualität - ist eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung bei einem Mensch, der körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht angehörig ist, der sich jedoch geistig/seelisch/emotional als Angehöriger des anderen Geschlechts fühlt und danach strebt , sich auch körperlich diesem Geschlecht so gut wie möglich anzunähern. Neben der rein morphologischen Umwandlung (Mann zu Frau und umgekehrt) ist auch die anatomische Umwandlung  legitim und seit den 80er Jahren Praxis.

 

Androgynie - umgangssprachlich für Menschen, die sich bewusst als nicht- oder zweigeschlechtlich zugeordnet darstellen oder anderen Menschen so erscheinen - durch Intersexualität und u.U. schwach ausgeprägte Geschlechtsmerkmale (DSD), durch feminine Züge beim Mann und maskuline Züge bei der Frau und/aber auch durch Kleidung und Auftreten (Transsexuelle, Crossdresser, Transvestiten). Bei androgynen Menschen kann es sich um echte Tanssexuelle oder Intersexuelle handeln. Androgynes Aussehen ist kein verlässlicher Hinweis oder Beweis, jemanden faktisch homosexuell, transsexuell oder intersexuell einordnen, bzw.  Rückschlüsse auf eine ausgeprägte Bi-Sexualität annehmen zu können.

Transgender - (am.engl. > übergreifende(s) Geschlecht/Sexualität) wird als Sammelbegriff für Trans- und Intersexualität benutz, bezeichnet andrerseits aber auch Transsexuelle als solche, und/oder speziell jene, die vor einer Umwandlung stehen, bzw. sie schon hinter sich haben. Umgangssprachliche Bezeichnungen:  (am.engl.) shemale, sheboy, heshe, ladyboy ... (deutsch) Transen, Transmänner, Transfrauen ... (franz.) transe ...

Invertiert - (umgekehrt, gegenteilig) ist ein veralteter Begriff für Homosexualität und mitunter auch für Transsexualität.

Intersexualität - zeitgemässer Begriff für Hermaphroditismus, Chimären-  Zwittertum usw. Die mangelnde Trennschärfe des Begriffes insbesondere zur Transsexualität wurde in der Medizin beanstandet und führte 2005 zu dem medizinischen Begriff DSD (disorders of sex development) > gestörte Entwicklung des Geschlechts mit der Ausbildung eines komplexen klinischen Spektrums zwischen männlich und weiblich:

Echter Hermaphroditismus: Individuum mit Ovar- und Hodengewebe - mit ausgeprägten oder unbestimmten Geschlechtsorganen beider Geschlechter.
Männlicher Pseudohermaphroditismus: Individuum mit chromosomal männlichem Geschlecht und Hoden, aber unbestimmten oder weiblichen Geschlechtsmerkmalen.
Weiblicher Pseudohermaphroditismus: Individuum mit chromosomal weiblichem Geschlecht und Ovarien, aber unbestimmten oder männlichen Geschlechtsmerkmalen.
Psychischer Hermaphroditismus: Hermaphrodit, der zu seiner physischen Doppelidentität die psychische Unfähigkeit entwickelt, sich bezüglich seiner Identitätswahl für eines von beiden möglichen Geschlechtern zu entscheiden.
Zwitter: veraltete und heute meist pejorativ belastete Bezeichnungen für zweigeschlechtliche Menschen.
Chimären: übliche Bezeichnung in der Medizin und Biologie für einen Organismus, der aus genetisch unterschiedlichen Zellen bzw. Geweben aufgebaut ist und dennoch ein einheitliches Individuum darstellt, ergo vergleichbar der Intersexualität.

 

 

 

 

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