Depression
F.- Menschen klagen, dass sie leiden, ohne sich freilich selbst eine Vorstellung dessen machen zu können, was die Gründe für ihre Trauer, ihre Niedergeschlagenheit, ihre Nutz- und Sinnlosigkeit, ihre Lebensunlust und ihre dauernde Angst „vor nichts“ sind. Sie fühlen sich von Leid und Qualen eingezwängt. Alles was sie tun, was sie aufnehmen und empfinden ist durch Schmerzen und Leiden gezeichnet. Alles, dessen sie sich erinnern tut weh. Sie fühlen sich erbärmlich und minderwertig, nichtig und abscheulich, sündig. Alles um sie ist mächtig, groß, erdrückend und unheimlich und sie selbst allem gegenüber hilflos. Einige tragen ihr Leiden zur Schau, andere nehmen es in stummer Ergebenheit hin. Sorgen und Bedrohungen werden maßlos übersteigert empfunden und der Tod wird oft als letzte Erlösung aus dieser unsäglichen Qual erwartet.Menschen klagen, sie könnten nicht mehr fühlen, sie seien wie erstarrt, als wären sie inmitten einer Menschenmenge nicht anwesend und fühlten sich doch durch sie bedroht. Das was sie als „grau und farblos“ bezeichnen kann zu ihrer echten Wahrnehmung werden, wenn die Sinne durch die Psyche getrübt werden.Die Menschen schluchzen wie beim Weinen, aber die Augen bleiben trocken. Ihr Denken verlangsamt und die Assoziierungen gleiten nicht mehr ineinander. Und trotzdem bleibt ihre Motorik in Funktion wenn auch bisweilen extrem verlangsamt. Tägliche Routine wird unter Stöhnen geleistet mit zwischendurch mehreren Pausen, wie bei einer totalen Erschöpfung.Das Glück- und Zufriedensein, die Freude und der Erfolg, die ganze Palette an üblicher sogenannter Lebensqualität geht an diesen Leuten wirkungslos vorbei, da sie ausnahmslos alles als nicht für sie bestimmt empfinden. Die Depression ist nicht bloß eine zeitweilige emotionale Einstellung oder Gemütslage, sie ist eine sehr ernst zu nehmende Krankheit, die spätestens ab dem nächsten Jahrzehnt laut Weltgesundheitsorganisation neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die weltweit zweithäufigste Krankheit sein dürfte.Sie ist – grob umrissen – ein krankhafter Zustand, in dem es im Laufe seiner Verschlechterung zu nachdrücklichen Gefühlen der Minderwertigkeit und der Hoffnungslosigkeit kommt und alle anderen geistigen Funktionen des Menschen kontinuierlich abflachen, mit der Konsequenz, dass die körperliche Aktivität drastisch abnimmt und der Kranke in einem gewissen Sinne nicht mehr „gesellschaftsfähig“ ist. Eine Hausfrau kann beispielsweise einen Löffel in die Hand nehmen, den sie an einen anderen Platz legen will. Sie kann sich aber nicht entscheiden wohin und es mag bis zu einer halben Stunde dauern, ehe sie sich – wenn überhaupt – entschließen kann, ihn dorthin oder dahin zu legen. Neben der Entschlussunfähigkeit verlangsamen auch die Denkprozesse und die Aufmerksamkeit bleibt bis zu Stunden auf einen Punkt fixiert, beispielsweise auf einen harmlosen Brotkrumen, der sich in der gequälten Vorstellungswelt eines depressiven Menschen in einem unüberwindbaren Felsbrocken verwandelt.Dagegen bleiben Orientierung und Auffassung quasi unbeeinflusst erhalten. Zielirrtümer und beispielsweise Lesefehler werden nur sehr selten festgestellt oder beklagt. Bei der so genannten manischen Depression gesellen sich zu den geschilderten Symtomen noch die Wahnideen oder Halluzinationen, welche die ohnehin schon arg gebeutelte Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit der Kranken noch zusätzlich belasten. Die direkte Erweiterung der manischen Depression ist die Psychose, die sich – grob umrissen – in einer auffallenden Tendenz zeigt, kurzfristig euphorisch erregt zu sein um dann in tiefste Niedergeschlagenheit hinab zu sinken. Diese Form der Depression ist für den Kranken nicht mehr kontrollierbar und wird als zirkuläres Irresein oder auch noch Zyklothymie bezeichnet > zyklisches Anschwellen von Gefühlsausbrüchen mit anschließend ebenso vehementem Abklingen ins Gegenteil. Menschen mit einer Prädisposition zur Hysterien sind in solchen Fällen für sich selbst mitunter eine große Gefahr, da in hysterischen Anfällen ihre depressiven Verhaltensweisen zu unkontrollierbarer Agression und Affekthandlungen wie Selbstverstümmelung oder Suizid führen können. Ursachen und Auslöser Die Kausalkette der Auslöser oder Ursachen beginnt im Wesen des Menschen, in seiner Psyche, wo die seelischen Prädispositionen durch Impulse, Eindrücke, durch physische oder psychische Traumata sozusagen per Stichwort abgerufen werden. Es werden endogene und exogene Depressionen diagnostiziert, ich neige jedoch zu der Ansicht, dass den exogenen Depressionen schon innere, seelische Auslöser, Bestimmer oder Wegbereiter vorausgingen. Meiner Meinung nach sind die tatsächlich ursächlichen Auslöser jenseits des Organismus zu suchen, und zwar dort wo unser so genanntes kollektives Gedächtnis „abgespeichert“ ist, unser Unbewusstes, was wir weder ordnen noch kontrollieren können und wo sich geistig-kausale Verbindungen zur Vergangenheit befinden, unser Anker zur Frühzeit, der tief in uns verwurzelt ist und in unkontrollierbaren Schüben in unser Denken und Fühlen hineinwirkt. Die am häufigsten feststellbare (Mit)Ursache für eine Depression ist das individuelle innere Ungleichgewicht, die seelische Unausgewogenheit, ergo das ideale Beet für ein keimendes Samenkorn. Dem bewussteren Menschen erscheint der Anflug einer Depression irgendwann vielleicht als leichtes Unwohlsein, als sei er „von Gleis abgekommen“, habe die Spur verlassen und gehe „neben sich selbst“. Dieses Unwohlsein interpretiert der Betroffene meist als lästig, aber nichtig, nicht besonders erwähnenswert und tut es ab mit etwa den Worten: "Ich bin heut mal wieder schlecht drauf – ich habe keinen guten Tag“ oder so ähnlich.
Wenn sich das "Unwohlsein" aber weiter manifestiert und sich erste physische Reaktionen bemerkbar machen, handelt der Betroffene meist schon „im Rahmen der Depression“. Er sucht keine Hilfe auf, er redet mit niemand darüber, aus Angst. Aus Angst verspottet oder belächelt zu werden, aus Scham, als müsse er etwas Unverzeihliches eingestehen. Besonders bei betont männlichen Männern ist es die Angst, eine Schwäche zeigen und eingestehen zu müssen. Dasselbe gilt auch für sowohl sehr emanzipierte, aber auch für sehr mütterliche Frauen, die eine große Verantwortung tragen und es sich nicht leisten „wollen“, diese abgeben zu müssen, bzw. das Gefühl nicht hinnehmen können, wie ihre männlichen Mitspieler, eine Schwäche zu zeigen. Sie suchen keine Hilfe auf und äußern sich nicht gegenüber Freunden. Die wenigsten suchen einen Therapeuten auf, da sie sich dadurch eingestehen müssten, „es sei etwas nicht in Ordnung“ mit ihnen, ihr „Kopf sei krank, womöglich irre“. Sie haben sich selbst gegenüber eine Art Tabu zu wahren, so paradox das auch klingen mag. Das Tragische an der Depression ist, dass diese Verhaltenweisen - nämlich keine Hilfe zu suchen, sondern zu leiden - sozusagen schon in der depressiven Struktur von Anfang an beinhaltet sind. Ab einem nicht genau definierbaren Moment denkt, fühlt und handelt der Betroffene schon "im Sinne" seiner Depression. Ab einem individuell verzögert auftretenden Abschnitt in der Entwicklung der Depression ist der Depressive ohne fachliche Hilfe seinem Leiden quasi ausgeliefert. Die nächste Etappe ist unweigerlich die Talsohle, auf deren Boden er bildlich gesehen mit ungeheurer Wucht aufschlägt. Dort stehen ihm je nach seiner Prädisposition sozusagen alle "psychopathologischen Möglichkeiten der Weiterentwicklung" offen. In diesem Stadium ist eine stationäre Therapie, wenn möglich in einer entsprechenden Klinik notwendig.
Zwischendurch gibt es freilich eine Möglichkeit, die sich entwickelnde Depression aufzufangen und zu behandeln. Zu diesem Zweck muss man aber das absolute Vertrauen des Betroffenen genießen, ihm nahe- und beistehen und ihn sozusagen "zu einer Mitarbeit manipulieren (hin steuern)". Die Familie ist in diesem Fall nur selten geeignet, da ihre Mitglieder in der Regel in den Rollen der Co-Neurotiker aufgehen und durch ihre Sorge, ihre Abscheu, ihre Unlust, ihre Zweifel oder ihre Ablehnung die Depression paradoxerweise unterstützen. Die Rolle des Helfers kommt entweder einem echten Freund zu (ein seltenes Gut) oder dem Vertrauens(haus)arzt, wobei die Betonung auf "Vertrauen" liegt. Hier können dann die Weichen auf ein anderes Gleis gestellt werden. Nach außen hin wird die Depression ab einem gewissen Stadium für ein geübtes Auge "erkennbar", durch Körpersignale, Körpersprache, durch Verhalten, durch die Art und Weise und den versteckten Inhalt von Äußerungen usw.: "Sein Herz wird schwer und seine Gedanken schwarz". ... "er ist dauernd am Brüten" ... sind gängige, wenn auch oberflächliche Umschreibungen. Bei der sich weiter entwickelnden Depression sinkt der Körper oft in eine nach vorn gebeugte Haltung, der Kopf ist auch leicht gesenkt und bei vielen nimmt eine der Augenbrauen eine dauerhafte Art Krampfkrümmung an, die den ersten Eindruck vermittelt, der Mensch sei sehr nachdenklich oder vielleicht gereizt. Seine Haltung ist verkrampft und der betroffene Mensch sitzt öfters als man es von ihm gewöhnt ist. Beim Sitzen sackt er förmlich zusammen, sowohl körperlich als auch seelisch. Beim Versuch seine Haltung nachzuvollziehen, wird man merken, dass die Atmung schon bei einem durchschnittlich sportlichen Mensch erschwert wird. Der Atem geht schwer und die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn, sowie eine sauerstoffreiche Durchblutung der ganzen Körpers wird vermindert. Beim Verweilen in dieser Sitzposition während längerer Zeit kann sogar ein gesunder Mensch annähernd nachvollziehen, wie sich ein depressiv Kranker fühlen wird, der zudem noch alle seine Symptome mit zu tragen hat. Die Depression (sprichtwörtlich übersetzt: wenn die Luft oder der Saft raus ist) ist meiner Meinung nach schon in der Entstehungsphase psychosomatisch, also etwas, bei dem Körper und Seele sich wechselwirkend beeinflussen. Gedanken und Emotionen wirken sich auf die Körperhaltung aus, diese wiederum auf die Arbeitsweise der Organe und besonders der Drüsen (Hypophyse), die dann ihre Säfte ausscheiden um das, was sie als "Zielkommando" erhielten, zu bestätigen, bzw. zu unterstützen. Eine Drüsenüberproduktion ist zwar nicht gegeben, aber die ausgeschütteten Sekrete wären im Normalfall nicht gebraucht worden, so dass sich ergo trotzdem eine Körperreaktion ergibt, die jener auf eine Drüsenüberproduktion ähnelt. Der Körper und sein "Verhalten" wirken sich rückwirkend wieder auf den Geist (Verstand, Psyche) aus, der entsprechend und in der Regel "negativistisch" reagiert. Es entstehen Blockaden, die ab einem gewissen Entwicklungsstand der (in diesem Fall schon schlimmen) Depression, den Menschen in seinem ganzen Wesen "gesellschaftsuntauglich" machen können.
Entwicklung Eine Depression bleibt im Laufe ihrer Entwicklung selten allein, sondern verbindet sich je nach Prädisposition des Betroffenen oder dem Einfluss und der Wirkung von Außenstehenden mit anderen Konsequenzen: Schlaflosigkeit, Mutlosigkeit, Unternehmensunlust, scheinbar schwindende Körperkraft, bedingte Impotenz oder sexuelle Unlust, scheinbare Unfähigkeit seine Gedanken zu ordnen usw. Viele greifen zur unangebrachten Selbstmedikation und provozieren womöglich zu ihren depressiven Qualen unter Umständen noch organische und neuronale Schäden. Die Gefahr dem Fluchtmittelkonsum zum Opfer zu fallen ist imminent: Fresssucht, Alkohol, Drogen, Medikamente, Sex, Sekten oder hochstilisierte Religiosität sind nur die offensichtlichen Folgen. Selbstzerstörerische Unternehmen wie Suizid oder Selbstverstümmelung oder seelische Konsequenzen, wie diverse Neurosen, Paranoia, Psychosen oder Abrutschen in schizophrenes bis hin zu autistischem Verhalten sind möglich. Von diesen Folgeerscheinungen können einige abhängig von anderen gemeinsam auftreten, immer davon ausgehend, wie es um die "mentale Hygiene" des Kranken und sein soziales Umfeld bestellt ist, bzw. welche erziehungsbedingten Komponenten sozusagen als Prädisposition "schon gegeben" waren. Das Bild, das die Öffentlichkeit von einem psychisch Kranken hat, wie er noch all zu oft gesehen und beurteilt wird, ist noch immer sehr verzerrt und wird auch noch sehr oft von einer inneren Abneigung geprägt, die an sich schon ein neurotisches Verhalten ist. Noch sehr viele Menschen blockieren innerlich gegenüber einem hochdepressiven Kranken, aus Hilflosigkeit, aus Unverständnis, aus Ekel und aus einer meist undefinierbaren Angst.
Der Depressive ist in Lage jederzeit eine "Entschuldigung" für seine Krankheit anführen zu können, da ihm die Depression als solche "verbietet", jedwede Eigenverantwortung oder Eigenbeteiligung am Entstehen der Depression anzuerkennen. Er projeziert, um sich selbst vor Konsequenzen zu schützen, da er nicht die Kraft hat, sich ihnen zu stellen, - eine Art Selbstschutzmechanismus, der freilich auch die Depression wieder unterstützt. Dadurch verschafft er sich Freiraum, um seine Krankheit "besser hegen und pflegen" zu können (ohne Ironie). Würde er andersherum handeln, müsste er erkennen, dass er "etwas daran ändern" kann, weil die Ursachen den Umständen gemäß bei ihm liegen. Für diese Erkenntnis ist er allerdings wieder durch die Depression blockiert. Es ist ein Teufelskreis.
Behandlung Der Therapieerfolg mit Aussicht auf keine nachfolgenden Flashbacks oder erneutes Abrutschen - wohlgemerkt ohne pharmakologische "Unterstützung" - ist innerhalb einer gewissen Altersgrenze zwar nachweisbar, aber die statistischen Werte sind keinesfalls beruhigend oder überzeugend. Bei einer entsprechenden Therapie müssten die mit der Depression einhergehenden Krankheitsbilder wie oben erwähnt, unbedingt mit einbezogen und mittherapiert werden. Eine Behandlung ambulanter Art ist demnach nicht mehr ratsam, sondern nur noch eine stationäre Behandlung von in der Regel mindestens drei bis fünf Monaten in einer Fachklinik, vorzugsweise ohne medikamentöse Hilfstherapie. Mit pharmakologischen Krücken ist die "Heilung" gar nicht bestimmbar, allenfalls die "Funktionsfähigkeit innerhalb der Gesellschaft",da die wirkliche Genesung durch die "künstliche" Unterstützung durch Medikamente verdeckt wird. Psychopharmaka ist allenfalls ein Hilfsmittel zum Überleben, aber kein "Heilmittel". Die Depression ist zwar diskret und subtil und sie macht sich nur leise bemerkbar, dafür schlägt sie aber im Nachhinein umso brutaler zu. In einer Gesellschaft, die den Menschen zur „human ressource“ herabgesetzt hat, in einer Welt, in der der Mensch funktionieren muss, in einer Welt, zu deren Missständen er selbst zeit seines Lebens beigetragen hat, ist er als „nicht voll Funktionsfähiger“ ein Klotz am Bein. Die Depression ist im wahrsten Sinne des Wortes die Rache am Schöpfer, an dem Menschen, der mithalf seine eigene Gesellschaft zu dem zu machen, was sie ist und die ihm das alles mit Krankheiten zurückzahlt, die er durch sein Verhalten provozierte. Das mag bitter und zynisch klingen, aber wer sonst als der Mensch hat die Welt denn so gestaltet, wie sie heute ist ? Die aktuelle Konzeption unserer Gesellschaft, die außer der Verrohung des Einzelnen in gleichen Atemzug auch der Vereinsamung(Isolierung) Vorschub leistet, was sich in hohem Maße schon bei der Jugend und insbesondere in den Studentengemeinschaften, aber auch allgemein unter Mitmenschen zu beweisen scheint, müsste eigentlich als ein Alarmsignal zu verstehen sein. Das latente Bedürfnis nach Geborgenheit in der Gemeinschaft von Seinesgleichen und die brach liegenden und verkümmernden Potentiale des Einzelnen werden vom "Fortschritt der Gesellschaft" diktiert und leider nicht von der "Entfaltung des Menschen". Letztere wird zu einem überwiegenden Teil nur noch dahingehend verstanden, dass der Einzelne sich als "funktionierendes" Mitglied der Gesellschaft zu bewähren hat. Seine individuellen Fähigkeiten und seine persönliche Entfaltung werden dadurch abgedrängt und führen in vielen Fällen zu einer Form von resignierender Unzufriedenheit, zur Agression, zur Isolierung, die allzu oft über einen Umweg über die gärenden Emotionen in einer Depression (mit Folgen) münden. Nachtrag: Allgemein heißt es, dass die Depression sich vornehmlich in sozial schwächeren Familien bemerkbar mache . Sie seien einfach überfordert oder wüssten nicht ihr Leben und ihre Zeit einzuteilen. Das stimmt, … aber auch nur zum Teil. Genau wie die Sucht, macht die Depression keinen Unterschied zwischen Gesellschaftsschichten. Die sozialen Umstände tragen lediglich dazu bei, sie ggf. zu beschleunigen, bzw. zu verschlimmern, oder in den sozial besser gestellten Schichten sie effektiver zu vertuschen oder standesgemäßer (selten effektiver) zu behandeln. Leider ist es so, dass die Kassen in der Regel nur Standarttherapien finanzieren, während der Privatpatient sich entsprechend seiner finanziellen Ressourcen behandeln lassen kann.
Die, wenn auch makabre ausgleichende Gerechtigkeit: die Erfolgsquoten sind sowohl bei den sozial Schwächeren als auch bei den sozial besser Gestellten quasi gleich. Die Nachbehandlung leider nicht. Die Symtome einer Depression können freilich auch trügerisch und harmloser Natur sein. Eine Verstimmung, ein Down oder sogar einfach ein Mangel an ordentlicher Sauerstoffzufuhr bewirkt nicht gleich eine Depression. Die derart Betroffenen können diesem Gemütszustand mit Abwechslung, Kurzweil oder Sport abhelfen. Ein Besäufnis ist vielleicht nicht direkt angebracht, da - falls es sich doch um echte Anzeichen einer echten Depression handeln sollte - der Griff zur Flasche je nach mentaler Stabilität des Einzelnen sehr schnell zum fatalen Verdrängungsmittel.Der kritische Punkt zum Erkennen einer echten Depression liegt im Schwarzbereich und wird vom Betroffenen - falls es sich um echte depressive Symptome handelt - nicht (mehr) richtig wahrgenommen oder nicht erkannt, weil er schon zum Teil in seiner Depression gefangen ist, oder, weil er vielleicht öfters solche Gemütsanwallungen hatte und sie regelmäßig durch Abwechslung verdrängte.
Davon abgesehen erkennen die wenigsten an sich selbst, was sie bedrückt und/oder suchen deswegen keinen Hausarzt, geschweige den einen Therapeuten auf.
Wenn der Betroffene in Behandlung geht, dann in den seltensten Fällen auf Anraten der Familie. Der Rat eines Freundes und immer häufiger der Druck seitens des Arbeitgebers geben den Ausschlag, den Weg der Therapie zu wählen. Daneben werden aber auch Menschen von anderen irgendwo aufgefunden oder von Ordnungskräften aufgegriffen und eingeliefert. Sie wissen nicht, wie sie dorthin gekommen sind, was sie möglicherweise angestellt haben, in den schlimmsten Fällen wissen sie nicht einmal auf Anhieb wer sie sind. Die wenigsten Kranken gehen aus eigenem Antrieb zum Arzt und bitten um die Verschreibung einer Behandlung. Auffallend ist, dass so genannte Kopfmenschen sich emotional nicht so schnell hängen lassen wie andere. Ihr rationaleres Wesen, das sich über das körperliche stellt und das emotionale Befinden zu einem guten Teil unter Kontrolle hält, bewegt sie dazu, eher aus eigenem Antrieb Hilfe aufzusuchen und Remedur zu schaffen. Es zeigte sich nach einer mehr oder weniger erfolgreichen Behandlung auch, dass sie nachher besser mit dem Leben klar kamen. Ihre Schwäche ist, dass sie ihren Ängsten und Gefühlen nicht die Aufmerksamkeit schenken, die diese verdienen und das zeigt sich in anderen Verhaltensweisen und mitunter krankhaften Symptomen, die hier allerdings nicht zur Sprache stehen.
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