Alkoholismus
(wird noch bearbeitet) Die Alkoholkrankheit oder der Alkoholismus, volkstümlich das Saufen, ist nicht bloß eine von vielen Krankheiten, sondern eine der populärsten, wenn nicht sogar das am häufigsten vorkommende Abhängigkeitssyndrom schlechthin. Eine Gesellschaftskrankheit, deren Behandlung kaum in den Griff zu bekommen ist und in allen sozialen und intellektuellen Bereichen und in allen Altersschichten vor zu finden ist. Abhandlungen, solche die für den Laien verständlich geschrieben und solche die in der medizinischen Fachsprache verfasst wurden, gibt es zahlreiche, sowohl als Literatur als auch als Internettexte. Sie behandeln meist den Alkoholismus als solchen. Weniger gehen sich auf die sozialen und zwischenmenschlichen Aspekte ein, beispielsweise auf die Vernetzungen und Verstrickungen innerhalb eines Paares, in dem einer oder beide von dieser Krankheit betroffen sind. Die Entwicklung einer solchen Beziehung hat in der Regel verheerende Folgen, sowohl für den Einzelnen von beiden als auch für etwaige, aus dieser Beziehung stammende und in ihr lebende Kinder. Was die meisten Betroffenen nicht wissen, ignorieren oder bewusst und teilweise massiv verdrängen – ein Aspekt ihres Zustandes – ist das Zusammenleben eines Alkoholikers und seiner Partnerin/Lebensgefährtin als so genannte Co-Alkoholikerin, oder auch im ungekehrten Verhältnis ebenso gültig. Der Co-Alkoholiker ist kein Mittrinker, sondern im Gegenteil jener, der sich selbst all das verweigert, was den Partner zu Grunde richtet. Er trinkt nicht, er hilft. Er hilft bloß auf die falsche Weise und das tragischerweise im guten Glauben, das einzig Richtige zu tun. Ist es unsere fragwürdige Moral, unsere hoch gepriesene Ethik oder sind es anerzogene Verhaltensmuster, die den Co-Alkoholiker zum Opfer des Alkoholikers machen und ihn tragischerweise in den Kreislauf mit hinein ziehen? Wahrscheinlich sind es alle Aspekte und noch einige mehr, die in dieser Tragödie eine maßgebliche Rolle spielen. Warum erträgt der Co-Alkoholiker die Erniedrigungen und die Entwürdigungen, die ihm für seine humanistischen und sehr aufopfernden, wie es heißt: aus Liebe gegebenen Gesten und seine manchmal selbstlose Hilfe entgegen geworfen werden? Warum bleibt eine Frau bei ihrem alkoholkranken Mann (oder umgekehrt) und kassiert seine Launen, seine Ausbrüche, sein unkontrollierbares Verhalten und ggf. die Schläge und Misshandlungen? Warum pflegt sie ihn wie einen hilflosen Krüppel und liest ihm womöglich jeden Wunsch von den Lippen ab, in der Regel unter Missachtung ihrer eigenen Person und auf die Gefahr hin, selbst seelische und physische Schäden davon zu tragen? Es mutet für einen Außenstehenden manchmal absurd an, mitanzusehen, wie sich in einer solchen Beziehung ein Mensch für einen anderen „entmenschlichen“ kann und sich selbst zum recht- und willenlosen Sklaven macht. In guten, wie in schlechten Zeiten? Ein Slogan, der schon manches Unglück angerichtet hat, nichtsdestoweniger noch immer als moralische Richtlinie und als ethischer Maßstab gilt. Vernünftig und natürlich kann man diesen moralischen Leitsatz angesichts des Unglücks, der Konsequenzen, die aus diesem Spruch erwuchsen, wahrlich nicht bezeichnen. Nicht dass dieser Spruch nicht auch einen realistischen und berechtigten Anspruch hätte, er wird nur all zu oft als unrealistische Richtlinie gebraucht, dann, wenn die Ausweglosigkeit dem Menschen nur diesen Spruch als fatale Konsequenz übrig lässt. Und das Leben eines Co-Alkoholikers, nicht bloß, dass er im Glauben seinem Partner zu helfen, diesen in seinem Niedergang unterstützt, wird zum Märtyrer in einem Reigen, aus dem es mit dieser Konstellation keinen Ausweg mehr gibt. Nicht nur, dass der Co-Alkoholiker den Werdegang der Krankheit seines Partners ungewollt und unbewusst unterstützt, er verteidigt jedwede Kritik, jedweden Hinweis auf eine Alternative mit scheinbar einleuchtenden Argumenten.
Würden Sie ihre Partnerin oder Ihren Partner verlassen, wenn sie oder er Krebs oder Aids hätten? Alkoholismus ist eine Krankheit ! Muss man sich nicht um kranke Menschen, die man liebt, sorgen, ihnen helfen wo man kann? Muss man Menschen mit Fehlern nicht als Aufgabe betrachten, ihre Genesung als ein Werk der Nächstenliebe, der Liebe? Oder sind sie durch ihre Krankheit lediglich ein lästiger Klotz am Bein? Todgeweihte ohne weiteren Anspruch auf Menschlichkeit, auf Liebe? Abfall? Das sind zornige als auch ergreifende Argumente. Sind sie richtig und berechtigt? Sind sie kommentarlos zu akzeptieren und konsequent umzusetzen? Solche Argumente drängen den Kritiker in die Defensive und manch einer gibt mangels besserer Gegenargumente auf und fügt sich auch in das scheinbar Unvermeidliche, Ausweglose. Eine Trennung kommt nicht in Frage, weil sie den altruistischen Werten diametral entgegensteht. Eine Therapie, die schon aus Indignationsgründen nicht so, sondern Kur genannt wird, wird zwar ins Auge gefasst, aber als letzte Chance immer wieder hinausgeschoben. Familienberatung? Man hat kein Familienproblem, die Familie ist ja „intakt“. Was soll man mit einem Alkoholproblem in einer Familienberatung? Wo ist da der Zusammenhang? Der Begriff Alkoholproblem kommt auch etwas leichter über die Lippen, als die Bezeichnung des Betroffenen als Alkoholiker. Morgen, vielleicht erst Übermorgen, bestimmt aber nächste Woche wird es besser werden. Gedanken, Wunschvorstellungen und letzten Endes ein tragischer Selbstbetrug. Es wird nie besser. Im Gegenteil. Alkoholismus ist eine Krankheit, sie wurde als solche aber erst zur Krankheit erklärt, als festgestellt wurde, dass die Alkoholabhängigkeit sich quasi zur Gesellschaftskrankheit entwickelte und man diese Abhängigkeitskrankheit nicht allein über den therapeutischen Weg in den Griff bekommen würde. Die Definition des Alkoholismus und anderer Abhängigkeitssyndrome als offiziell anerkannte Krankheit war eine Bekenntnis der Hilflosigkeit der Öffentlichkeit gegenüber diesem „Phänomen“. Es war ein rein humanitärer, sozialer und letzten Endes auch ein wirtschaftspolitischer Akt. Dass Alkoholismus und andere Abhängigkeitssyndrome krankhafte Zustände sind, ist erwiesen, als Krankheit im Sinn von beispielsweise Krebs, Alzheimer, Parkinson oder AIDS, oder auch noch anderen schwere Leiden, kann man den Alkoholismus freilich nicht sehen, genauso wenig wie weitere Abhängigkeitssyndrome, die Depression, die Psychose oder Adhs. Der Sammelbegriff „Krankheit“ macht sie nicht automatisch zu einer, nicht von einander zu unterscheidenden Einheit. Und wenn, dann allenfalls für die Krankenversicherungen.
Wer sich zwangsläufig, oder auch nur aus Interesse beispielsweise mit Alkoholismus oder Neurosen auseinandersetzen muss oder will, sollte auch die Begriffe, ihre tiefere Bedeutung, die Konsequenzen und - schwer zu akzeptieren - das ebenso zwang- und krankhafte Verhalten des Co-Alkoholikers, bzw. des Co-Neurotikers kennen. Er sollte die Verstrickungen beachten, die diese Verhaltenweisen nach sich ziehen. Co-Alkoholismus ist eine Falle, sowohl für den Kranken als auch für den Partner. Paradoxerweise ist es nicht der Alkoholiker, welcher den Klotz am Bein darstellt, sondern genau umgekehrt. Durch das co-neurotische Verhalten des Partners bekommt der Kranke unter Umständen keine Chance, den blutigen Ernst seiner Lage richtig zu erkennen und günstigstenfalls den eigenständigen Entschluss zu fassen, etwas an sich zu ändern. Eine Trennung klingt nicht nur "brutal", sie sollte auch genau diesen nachhaltigen Effekt bewirken: das Weggehen, das Verlassen, das Allein-lassen, das Aufgeben des Zusammenlebens mit dem Betroffenen.. In geraffter Form ausgedrückt, vergrößert eine bewußt herbei geführte und therapeutisch überwachte Trennung vom Subjekt in vielen Fällen die Chance in der Potenz, dass beide, der Alkoholiker UND der Co-Alkoholiker in Entfernung von einander wieder zu sich selbst zurückfinden. Diese Möglichkeit der Rehabilitation ist für den Co-Alkoholiker in der Regel schwerer, als für den Abhängigen, weil sich der Co-Alkoholiker aus seiner Sicht ja in “einem normalen emotionalen Zustand“ wähnt und selten einsieht, dass er derjenige ist, welcher den Betroffenen in seiner Abhängigkeit - wenn auch verständlicherweise ungewollt, weil unbewusst - durch seinr Verhalten unterstützt,... egal wie aufrichtig seine Liebe sein mag und wie verständnisvoll und „nachsichtig“ sein Verhalten. Falsch interpretiertes Verständnis und falsch angewandte Güte sind in diesem Fall - so drastisch das auch klingen mag - Benzin ins Feuer des Abhängigen. Mit Glaube und Hoffnung ist dem Alkoholismus nicht bei zu kommen, es sei denn, die Abhängigkeit verlagert sich dadurch auf andere Suchtmittel, deren Palette schier unerschöpflich ist. Ideallösungen und "happy endings" gibt es nur in Hollywood. Die Wirklichkeit ist wohl eher als hermetisch geschlossener Teufelskreis zu betrachten, aus dem es ohne readidkalen Bruch mit der Sucht, ohne meist drakonische und dramatische Maßnahmen kein Entrinnen gibt. Eine der Maßnahmen den Teufelskreis zu durchbrechen ist die Trennung aus therapeutischen Gründen und mit ihrer Unterstützung. Niemand hindert beide Partner nach einer „therapeutischen Trennung“ und einer in der Regel nur teilweise gelungenen Genesung wieder zusammen zu kommen, mit der berechtigten Aussicht, das gemeinsame Leben aus einer anderen, bedeutend realistischeren Sicht betrachten zu können und das Zusammensein „aufrichtiger“ zu gestalten. Die Genesung eines fortgeschrittenen Alkoholikers, eines Suchtkranken allgemein, wird erfahrungsgemäß nie vollständig sein und der Betroffene quasi lebenslänglich ein Abhängiger bleiben; ein Suchtkranker, der es gelernt hat, seinem Zwangsverhalten zu widerstehen und es abzulehnen, ein "cleaner Junkie", ein trockener Alkohiliker, der sich bewußt sein muss, fortan das erste Glas immer stehen lassen zu müssen.
Eine Trennung ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Voraussetzung für eine Behandlung zu schaffen, auch wenn es für die Zeit der Rehabilitation für beide mit manchmal höllischen Schmerzen und ebenso teuflischen seelischen Qualen verbunden ist. An diese erinnert man sich wie an ein Trauma, wenn der Rückfall droht. Ein weiteres, zwar sehr hartes aber nicht minder berechtigtes Argument für eine Trennung ist die realistische Abwägung zwischen dem Wert des Opfers, welches der Co-Alkoholiker leistet und dem Erfolg, den seine Leistung - ohne die geringste Gewähr dafür in Aussicht zu stellen - bringen könnte. Die dramatische Frage lautet: zwei Leben opfern und wegwerfen, oder bloß eines aufgeben. Eine echte Gewissensfrage, die sowohl aus rein menschlicher als auch aus moralischer Sicht nicht leicht zu beantworten ist, auch dann nicht, wenn Kindern vorhanden sind und die Ratio gebietet, ihretwillen Verantwortung zu übernehmen und gegebenenfalls eine sehr bittere, und im Nachhinein undankbarerweise meist von den Mitbetroffenen nur sehr schwer nachzuvollziehende und zu akzeptierende Entscheidung zu treffen. Die Verstrickungen des Lebens eines Co-Alkoholikers und eines Abhängigen und die daraus erwachsenden Konsequenzen, haben ihre Ursachen schon vor Beginn der Beziehung bei jedem Einzelnen von beiden und sie enden nicht mit einer erfolgreichen Rehabilitation, oder mit einer aus rationalen und Vernunftgründen vollzogenen Trennung. Das Leben an sich der beiden Menschen folgt seiner kleinen Kausalkette innerhalb der großen und aus jedem Impuls, aus jeder kleinen Ursache entwickeln sich neue Wirkungen, die ihrerseits wieder zur Ursache für weitere Wirkungen werden. Sowohl die Kausalkette als auch die Abhängigkeit hören nie auf ! Sicher gibt es noch andere Möglichkeiten einem Alkoholiker beizustehen, damit er von dem vernichtenden Teil seiner Sucht frei kommt. Es hat sich aber erwiesen, dass die härtesten Methoden auch die wirksamsten und hachhaltigsten sind, zudem impliziert eine verhärtete Krankheit mitunter auch entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen. Der so genannte „kalte Entzug“ – gewiss eine martialische und für einige Gemüter eine „unmenschliche“ Art eine Therapie einzuläuten – hat sich nichtsdestoweniger, je nach physischer Stabilität des Betroffenen, als die nachhaltigste und wirksamste bewährt. Schmerzen, sowohl psychischer als auch physischer Art können zu Erinnerungen werden und zu nachhaltigen Warnungen vor einem erneuten Versagen. Der Mensch ist jedoch nicht immer konsequent und bevorzugt meist den angenehmsten Weg, um zu seinem Ziel zu kommen. Er sieht darin sein Recht und man gesteht es ihm aus diskutablen ethischen Gründen zu. Ob dieses Recht und seine ethische Rechtfertigung zu seiner Genesung wirksam beitragen, zeigt sich erst im Nachhinein, nämlich dann, wenn durch u.a. medikamentöse Behandlung die physische und psychische Erfahrung des Entzugs vergleichsweise zum Spaziergang wird und keinen nachhaltigen Eindruck hinterläßt, ergo keinen wirksamen Lernprozess nach sich gezogen hat. Sanftmut und Nachsicht können in einem solchen Fall vordergründig wirksam sein, aber kaum als nachhaltige Maßnahme gelten. Wobei zu vermerken wäre, dass der Rückfall so oder so immer im Hintergrund lauert und der „geheilte“ Alkoholiker Zeit seines weiteren Lebens immer nur ein „trockener Alkoholiker“, ergo weiterhin ein Alkoholiker bleiben wird. Wenn er in der, auf den Entzug folgenden Therapie keine Erkenntnisse sammelt und keinen Lernprozess vollzieht, wird er über kurz oder lang unweigerlich in sein krankes Verhalten zurückfallen. Der Volksmund sagt: "der Suff holt ihn wieder ein". Der medikamentös unterstützte Entzug, obwohl er dem Abhängigen die Entzugserscheinungen nicht ganz erspart, zeitigt nicht unbedingt die Nachhaltigkeit eines kalten Entzugs, in welchem nicht nur die Psyche, sondern auch der Körper die Konsequenzen einer Genesung dessen erfahren muss, was der Mensch an sich selbst verbrochen hat. Bildlich gesehen, bezahlt er durch einen kalten Entzug seine "Rechnung" direkt und in Bar, während eine sanftere, medikamentös unterstützte Methode einer mit einem Kredit verbundenen Abzahlung in bequemen, kleinen Raten gleichkommt, die man im Geldbeutel kaum wahrnimmt. Sanfte Worte und tiefes Verständnis sind angenehme Formen des Ausdrucks, versagen aber all zu oft, wenn es um existentielle Notwendigkeiten geht. In bestimmten Lebenslagen gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder man ändert etwas mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt und hat berechtigte, zu einem guten Teil auch logisch garantierte Resultate (immer abhängig von der Kooperationsbereitschaft der Betroffenen) , oder man fährt so weiter, wie bisher und weiss insgeheim, das DAS nicht DIE Lösung ist, die einem vorschwebt. Letzteres Verhalten ist fatal. Dass ein solches Verhalten von vorneherein keine gesunde Einstellung ist, dürfte eigentlich jeder wissen. Die Folgeerscheinungen aus einem solchen Verhalten sind Verbitterung, Verhärtung bis hin zur Vereinsamung des Betroffenen in einer Partnerschaft und am Ende auch in der Gesellschaft. Was am Ende bleibt ist wirklich „mies“, besonders wenn man entdeckt, dass all das, was man guten Glaubens und in Überzeugung auf Erfolg investiert hatte, eigentlich nur eine sinn- und zwecklose Vergeudung lebenswichtiger Energie am falschen Objekt war.
Der Alkoholiker lebt in seinem Zustand nur noch für seine Bedürfnisse und dem geübten Beobachter entgehen die Symptome seiner Krankheit und die Spezialität seines Verhaltens und Handelns nur selten. Der Alkoholiker wird durch die „Umstände“ zwangsläufig zum manischen Egoisten, zum Süchtigen, der seinen Stoff braucht, koste es was es wolle. Die Beschaffungsmethoden gehen bis zur Aufgabe der elementarsten Menschenwürde. Er glaubt alle Tricks zu kennen um seine Bedürfnisse zu erfüllen und wähnt sich weiter im Glauben, damit alle Welt täuschen zu können. In Klaren Momenten, die mit wachsender Sucht immer seltener werden, erkennt er seinen Zustand und schämt sich regelrecht vor sich selbst, vor seiner "Erbärmlichkeit", um dann den Teufel mit Belzebuth auszutreiben, sprich: seine Abscheu vor sich selbst mit Alkohol zu verdrängen. Mit jedem Zuschütten oder Besäufnis büßt er unter anderem kontinuierlich Hirnqualitäten ein und erwirkt mit der Zeit deutlich bemerkbare Defizite in seiner Körpermotorik. Je nach Suchtmittel verändert sich seine Mimik, sein Hautbild und der Geruch der Körperausdünstungen. Sein gesamter Phänotypus unterzieht sich einer Verzerrung. Sein Auffassungsvermögen und seine Fähigkeiten „normal“ zu assoziieren und in logischen Zusammenhängen zu denken, schwinden mit der Frequenz, wie schnell und mit was er sich vergiftet. Das kann je nach Physis und mentalem Hintergrund Jahre dauern, oder auch recht schnell gehen, bis die ersten markanten, mentalen und physischen Verfallserscheinungen für jeden offensichtlich werden. Danach geht es rapide bergab. Einem solchen Opfer seiner Selbst kann man nur helfen, indem man ihm DIE Art der Hilfe, die ER fordert, nämlich Unterstützung für seine Krankheit, konsequent verweigert. Auch das ist Liebe, nein sagen zu können, zu Gunsten desjenigen, der in seinem Zustand quasi nur noch unvernünftige, ungesunde und letzten Endes ihn selbst zerstörende Forderungen und Anliegen vorbringen kann.
Im Grunde kann ein Abhängiger nur dann aus eigener Kraft und aus eigenem Willen von seiner Sucht loskommen, wenn er sehr früh, so zusagen noch im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten darauf hingewiesen und in der Abwendung der Krankheit unterstützt wird. Im Zustand des quasi permanenten Rausches ist ihm mit Argumenten nicht bei zu kommen, weil er „die Tatsachen anders sieht“! Tragischerweise kommt danach die letzte Chance erst dann, wenn er schon die Talsohle seines Leidens erreicht hat. Wenn er schlussendlich vor der vagen Erkenntnis steht, entweder elendig dahin zu siechen, zu sterben, oder siegreich über sein destruktives Alter-Ego zu triumphieren. Dann kann es nur noch aufwärts gehen,... oder er bleibt für immer unten. Der Weg bis zur Talsohle dauert mitunter sehr, sehr lang und der Mit-Betroffene, der Co-Alkoholiker erlebt jede Phase der physischen und mentalen Desintegration seines Partners hautnah. Der Co-Alkoholiker geht quasi denselben Weg wie sein Partner. Schlimmer: er geht ihn eigentlich zweimal: einerseits als Partner/Lebensgefährte und andrerseits als wissender Beobachter, „dass es so nicht sein kann“!! Anstatt dem geliebten Menschen auf seinem Kreuzgang das Leiden zu verkürzen; beispielsweise, indem er durch eine (therapeutisch überwachte) Trennung den Weg seines Partners zur Talsohle beschleunigt und somit den restlichen Willen zur Genesung weckt, geht er hilflos und aufopfernd nebenher und verspielt damit zwei Leben: seines und das seines Partners.
In vielen Fällen ist das bewusst und absichtlich getätigte Verlassen eines süchtigen Partners der wirksamste Antrieb zu dessen Rettung. Eine ähnliche Wirkung erzielt mitunter eine Form der Erpressung, nämlich den Betroffenen, der am Arbeitsplatz durch die gesundheitlichen Konsequenzen seiner Sucht untauglich oder zu einer Gefahr für seine Mitarbeiter wird, vor die Entscheidung zu stellen, sich einer Behandlung zu unterziehen oder den Arbeitsplatz zu verlieren. Es bedarf wirklich manchmal drastischer Maßnahmen um einen Suchtkranken zu einer Kehrtwendung zu bewegen. Wenn er noch nicht ganz abgetreten ist, wird er den Verlust des Partners oder die Konsequenz der Arbeitslosigkeit mit all ihren Randerscheinungen noch bewusst wahrnehmen; die Nötigung am Arbeitsplatz als letzte Chance erkennen und realisieren, was ER mit seinem Zustand angerichtet, was es ihm letzten Endes eingebracht und gekostet hat. Er wird wie im Nebel erkennen, dass er menschlich und gesellschaftlich nicht mehr tragbar geworden und seines Partners nicht mehr würdig ist. In diesem Fall sind seine aufkeimenden starken Schuldgefühle mitunter so etwas wie der rettende Antrieb und der Betroffenen wird im günstigen Fall alles daran setzen, um seinen Verlust wieder wett- bzw. rückgängig zu machen. Über den Verstand kommt man nicht mehr an ihn heran, weil der Suchtmechanismus ihm andere Argumente diktiert und der Alkohol seine Spuren hinterlassen hat. Über Schuldgefühle, die weit tiefer in die Substanz greifen als verbale Argumente, bleibt er sehr oft noch erreichbar.
Derjenige der sein Leben als Co-Alkohiliker mit und neben einem solchen Menschen lebt, kommt NIE ungeschoren davon. Im Grunde kennt er die Alternative oder er ahnt sie. Auch wenn sie ihm nicht immer vor Augen steht, wirkt sie doch bohrend im Hintergrund weiter. Als Fazit könnte man sagen, dass der Co-Alkoholiker mindestens genau so krank ist, zumindest genau so "krank" denkt und handelt, wie der Betroffene. Beide leiden jeder auf seine Weise an einer Zwangskrankheit und beide sind abhängig von dem, was sie tun.
Liebe ist lebenswichtig, kann aber, wenn sie falsch verstanden und ergo falsch gegeben wird, auch tödlich sein. Fern
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