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Teil III. Philosophen der Renaissance
Überblick
Die Philosophie des Mittelalters war geprägt durch die Macht der Kirche. Philosophisches Denken fand – auch im übertragenen Sinne – nur hinter hohen Klostermauern statt. Philosophische Systeme, die sich völlig außerhalb der kirchlichen Lehrmeinung befanden, waren nicht schlicht vorstellbar. Dies änderte sich erst durch das Vorandrängen der empirischen Wissenschaften (Kopernikus, Galilei, Newton) und der Neuplatzierung der Philosophie, beginnend mit Descartes, Bacon, Spinoza, Leibnitz und vielen anderen. Der Mensch als erkennendes Wesen stand nun im Mittelpunkt, nicht mehr eine starre, verkrustete kirchliche Lehrmeinung. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich immer wieder neue philosophische Ansätze und Ideen. Einige seien hier erwähnt: Die Rationalisten, die Empiristen, die Idealisten, die Materialisten und die Existenzialisten. Auch hier können nur die wichtigsten Denker und philosophischen Systeme erwähnt werden.
Der Machiavellismus
Niccolò Machiavelli (1469 bis 1527) Würde man eine Liste derjenigen Denker erstellen, welche die Zeit nach ihnen am stärksten beeinflusst haben, dann stünde sein Name ganz weit oben. In seiner Schrift „Il principe“ (Der Fürst) überlegt Machiavelli wie ein politischer Führer am besten seine Ziele erreicht. Dabei trennt er die seit der Antike übliche Zusammengehörigkeit von Ethik und Politik durch einen erstaunlich geradlinigen Pragmatismus. Ausgangspunkt für die Erreichung gewünschter politischer Ziele ist nicht ein fernes, anzustrebende Ideal, sondern die Analyse dessen, was wirklich ist. Ein dauerhaft geordnetes Staatswesen, sowie die fortdauernde Stabilität einer Regierung hängt von der Tüchtigkeit und vor allem vom Machtwillen des Herrschers ab. Welche Eigenschaften muss so ein Herrscher haben? Machiavelli antwortet: „Der Herrscher muss im Notfall auch bereit sein, Böses zu tun. Im Interesse der Machtentfaltung ist es nicht dienlich gut zu sein, wohl aber gut zu scheinen, um beim Volk geachtet zu sein... Es darf einen Fürsten um den Namen des Grausamen nicht kümmern, wenn er seine Untertanen einig und treu erhalten will; denn, mit Statuierung weniger Exempel, wird er gütiger sein als jene, die aus zu großer Milde die Unordnung einreißen lassen, aus denen Mord und Raub entspringt...“Man kann es auch mit einem Satz zusammenfassen: „Der Zweck heiligt die Mittel“ Unser Bild über Machiavelli wäre allerdings falsch, würde man in ihm nur den perfiden Ideengeber ruchlose Despoten sehen. In den „Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio“ (Betrachtungen über die ersten zehn Bücher des Livius) zieht er eine republikanische Verfassung dem Prinzipat vor, da diese eher dem Gemeinwohl diene. In seinen „Discorsi“ entwickelt er das Ideal einer Verfassung, einer von Fürsten geleiteten Republik, in der auch Adelige und einfache Bürger Einfluss auf die Politik nehmen können. Dies führe nach der Einschätzung Machiavellis zu einem stabilen, freien und wohlhabenden Gemeinwesen. Das Werk „Il principe“ wurde später von Papst Klemens VIII verboten.
Die Rationalisten
Was geschieht, wenn man alles anzweifelt, also auch Gott, die Kirche und jeglichen Glauben bis hin zur eigenen Existenz? Was bleibt übrig? Wenn man sich ruckartig aus den geistigen Fesseln des Mittelalters befreien möchte, sind dies ebenso radikale, wie notwendige Fragen! Welcher sichere Anker bleibt aber dann noch erhalten, von welchen aus eine neue Philosophie aufgebaut werden kann? Der französische Philosoph Rene Descartes macht sich darüber Gedanken und kam zu dem Schluss, dass er alles anzweifeln kann, nur nicht sein eigenes Denken. Daher der berühmte Ausspruch: Cogito ergo sum (Ich denke, also bin ich) Die Rationalisten gingen davon aus, dass es allein mit dem Prinzip des Denkens möglich sein solle, die Wirklichkeit zu erfassen. Die logische Ordnung der Welt ist demnach deduktiv zu erfassen. Herausragende Rationalisten waren Descartes(Bild) (1596 bis 1650), Spinoza (1632 bis 1677), Arnauld (1612 bis 1694), Malebranche (1638 bis 1715) und Leibnitz (1646 bis 1716)
Die Empiristen
Der Empirismus leitet alle Erkenntnisse aus der Wahrnehmung der Sinne ab. (empirisch, auf Erfahrung beruhend) Alles was wir wissen oder wissen können, muss und kann nur aus dem Urgrund der Sinnes-Erfahrung stammen. Der richtige Vernunftgebrauch kann diese ordnen und durch induktive Schlüsse das Wissen erweitern, allerdings nur im Rahmen unserer Wahrnehmung. Alles was nicht durch Erfahrung vermittelt wird, ist Einbildung oder gar Erfindung. Dazu zählt auch die Verneinung der Existenz Gottes, weil wir seine Existenz nicht sinnlich-empirisch Wahrnehmen können. Alles was den Anschein hat, nicht empirisch bewiesen zu sein, muss radikal über Bord geworfen werden. Selbst das Ich ist eine Illusion, jedenfalls nach der Anschauung des englischen Philosophen David Hume (1711 bis 1776) Kausalität und Ursache/Wirkung sind demnach nur menschliche Erwartungen, die auf die Natur übertragen werden und somit nichts weiter als die regelmäßige Abfolge von gleichen Ereignissen. Eine Wirkung erfolgt nicht zwanghaft auf eine Ursache, selbst wenn wir das nicht anders beobachten! Der Empirismus muss im Zusammenhang mit den gleichzeitig entstehenden Naturwissenschaften zu sehen sein, aber auch im Zusammenhang mit neuen Ansätzen und Ideen in der Rechts- und Staatsphilosophie, welche durch Namen wie Isaac Newton, Robert Boyle, Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus, Thomas Hobbes, Francisco Suarez und nicht zuletzt durch Niccolo Macchiavelli geprägt wurden. In gleicher Weise besteht eine enge Verbindung zur Aufklärung. Bekannte Empiristen waren Thomas Hobbes (1588 bis 1679) John Locke (1632 bis 1704) George Berkeley (1685 bis 1753) und David Hume(Bild) (1711 bis 1776)
Die „kopernikanische Wende“ durch Immanuel Kant
Immanuel Kant (1724 bis 1804) wird von vielen als der größte Philosoph nach Aristoteles angesehen. Er führte im ostpreußischen Königsberg ein unspektakuläres Leben. Mit seinem Hauptwerk „Kritik der reinen Vernunft“ wollte er nach eigener Aussage eine „kopernikanische Wende“ in der Philosophie herbeiführen. Er arbeitete mit größter preußischer Disziplin 12 Jahre daran, um sie anschließend in wenigen Monaten nieder zu schreiben. Sein Angriffspunkt war der, nach seiner Meinung, naive Glaube der Rationalisten und Empiristen an die vermeintliche Objektivität unserer Erkenntniswahrnehmung. Seine Transzendentalphilosophie befasst sich nicht mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart der Gegenstände. Die Wirklichkeit („das Ding an sich“) ist unserer Erkenntnis nicht so zugänglich, wie sie an sich sein mag, sondern so, wie sie aufgrund der Anlage unseres Erkenntnisvermögen erscheint. Die „Dinge an sich“ stehen nicht innerhalb von Zeit und Raum, sind keine Substanzen und lassen sich auch nicht durch allgemein gültige Begriffe beschreiben. Raum und Zeit sind keine äußeren Gegebenheiten, sondern a priorische „Formen der Anschauung“ die das Erkenntnissubjekt den sinnlichen Eindrücken aufprägt und gehören zu unserem Wahrnehmungsvermögen, mit deren Hilfe wir die Eindrücke ordnen. Wir haben sozusagen immer eine „Raumbrille“ auf und sehen alles räumlich. Kausalität ist nicht in der Wirklichkeit fundiert, sondern ist eine begriffliche Ordnungsleistung des Verstandes. Unsere Erkenntnis kann somit nie über unsere Erfahrung hinausgehen. Die letzten Urgründe und Fundamente der Wirklichkeit sind für uns also nur insofern erfassbar, als sie innerhalb der Grenzen unserer maximalen Wirklichkeitserkenntnis möglich sind. Die wissenschaftliche Erkenntnis erfassen die Wirklichkeit auch nicht so, wie sie sein mag, sondern nur so wie sie uns aufgrund der Beschaffenheit unseres Erkenntnisvermögens erscheint. In diesem Sinne kann die Metaphysik und besonders die spezielle Metaphysik nicht Teil der Wissenschaft sein, weil metaphysischen Begriffe (Gott, Engel, Glaube etc.) den Bereich möglicher Erfahrungen überschreiten. Unserer Erfahrung sind quasi bestimmende und begrenzende Orientierungsmittel vorgeschaltet, welche die Rede von Gott, Welt oder Seele nicht mehr zulassen. Trotzdem besteht a priori Erkenntnis, welche nicht von Erfahrungen abgeleitet ist. Der a priorische Teil unserer Erkenntnis umfasst auch die Fähigkeit Urteile zu erfassen. Er unterscheidet vier verschiedene Urteile.
1. Ein analytisches Urteil. Es liegt vor, wenn das Prädikat im Subjekt enthalten ist. Bsp. „Ein grüner Baum ist ein Baum“. Solche Urteile ergeben sich aus dem Satz des Widerspruches, da die Behauptung ein ein grüner Baum sei kein Baum sich selbst widersprechen würde.
2. Ein synthetisches Urteil. Es liegt vor, wenn es nur auf der Erfahrung beruht.
3. Ein empirisches Urteil liegt vor, wenn wir es mit Hilfe der sinnlichen Wahrnehmung zu Stande kommt, entweder aus eigener sinnlichen Erfahrung, oder aus der sinnlichen Erfahrung anderer, sofern wir die Aussage der anderen anerkennen.
4. Ein Urteil a priori. Es liegt vor, wenn es nicht aus Erfahrung stammt, kann aber durch Erfahrung hervorgerufen werden. Zum Bsp. benötigen wir als Kinder noch die Finger um zu zählen, wieviel 2+3 ist. Später „wissen“ wir wie viel das ist, ohne nachzurechnen oder die Finger zu Hilfe zu nehmen. Wir wissen, dass das Ergebnis dieser mathematischen Operation a priori. Alle mathematischen Sätze sind a priorisch.
Die Hauptaufgabe der Erkenntnistheorie besteht nun darin, die Möglichkeit von synthetischen Sätzen a priori zu ergründen. Solche Sätze sind nach Kants Auffassung möglich. Sie müssen erfahrungsunabhängig sein und dürfen durch Erfahrung auch nicht widerlegt werden.
In welcher Weise erfassen wir nun die Welt? Das „Ding an sich“ (Kant nennt es auch „noumena“) können wir also nicht erfassen, dies ist lediglich die tiefere Ursache für unsere Empfindungen. Was uns in der Wahrnehmung erscheint ist quasi gefiltert durch 12„Kategorien“. Dank unserer geistigen Veranlagung können wir durch sie alles was wir erfahren systematisieren und einordnen. Die, aus den Formen des Syllogismus abgeleiteten, Kategorien lauten:
1. Kategorie der Quantität: Einheit, Vielheit, Allheit 2. Kategorie der Qualität: Realität, Negation, Limitation 3. Kategorie der Relation: Inhärenz, Subsistenz, Ursache/wirkung 4. Kategorie der Modalität: Möglichkeit, Dasein, Notwendigkeit
Raum und Zeit zählen, wie bereits erwähnt, als „Formen der Anschauung“ auch dazu, ebenso die Kausalität, als „begriffliche Ordnungsleistung“ des Verstandes.
Einen sehr großer Teil der „Kritik der reinen Vernunft“ beschäftigt sich damit, die Trugschlüsse aufzuzeigen, welche entstehen, wenn Raum und Zeit oder die 12 Kategorien auf Dinge angewandt werden, die außerhalb der Erfahrung liegen. Dies würde zu Antinomien führen, also Widersprüchen zwischen zwei scheinbar beweisbaren Sätzen. Kant führt vier solcher Antinomien an. Hegel wird später viele dieser Antinomien in sein philosophisches System einbauen und darauf seine Dialektik gründen.Außerhalb der so definierten Grenzen unseres Erfahrungsvermögens befinden sich Begriffe, die nicht Gegenstand der Wissenschaft sein können. Dazu zählen besonders Begriffe der speziellen Metaphysik, weil diese den Bereich möglicher Erfahrungen übersteigen. Unter diesen klaren Vorgaben wendet sich Kant den so genannten Gottesbeweisen zu, und wird in dieser Hinsicht zum „Alleszertrümmerer“ indem er mit unerbittlicher Logik nachweist, dass man Gott gar nicht formal-logisch beweisen kann. Der ontologische Gottesbeweis beschreibt Gott als das höchste Wesen, als das Subjekt aller Prädikate, welches auch das Prädikat der Existenz besitzen müsse. Kant folgert präzise und genial, dass „Existenz“ kein Prädikat sei, und somit der Beweis keine Gültigkeit habe. Der kosmologische Gottesbeweis geht von der Notwendigkeit eines höheren Wesens aus zur Erklärung irgendeines Daseins. Nach Kant ist dies m Prinzip die gleiche Schlussfolgerung, wie beim ontologischen Gottesbeweis, und somit widerlegt. Der physiko-theologische Gottesbeweis, der von der Zweckmäßigkeit und von der Ordnung des Universums unmittelbar auf die Existenz Gottes schließt, wird von Kant mit der nüchternen Feststellung konfrontiert, dass dies bestenfalls auf einen Weltbaumeister schließen lasse, aber nicht auf einen Weltschöpfer. Bei allen Gottesbeweisen – so Kant – werden in unzulässiger Weise die Ursachen der Empfindungen („Ding an sich“ oder noumena) und unser Erfassen davon, miteinander vermischt. Unsere 12 Kategorien des Verstandes lassen sich nicht auf „das Ding an sich“ anwenden. Kants Moralsystem ist von großer historischer Bedeutung. Er war davon überzeugt, dass mit der Vernunft eindeutige sittliche Entscheidungen getroffen werden. Er legt sich nicht religiös fest, sondern versucht für den Gläubigen, für den Atheisten und für den Agnostiker gleichermaßen, eine Basis zu finden. Er nennt es Sittengesetz, oder das praktische Gesetz. Man könnte es als „Pflichtethik“ bezeichnen, wenn er es in seinem berühmten kategorischen Imperativ auf den Punkt bringt: „Handle nur nach derjenigen Maxime durch die du gleichzeitig wollen kannst, dass sie eine allgemeines Gesetz werde“ Es ist zu beachten, dass das Wort „Pflicht“ zur Zeit Kants einen anderen Stellenwert hatte, als dies heute der Fall ist. Kant stellt fest, dass es bei der Tugend nicht in erster Linie auf das beabsichtigte Ergebnis ankommt, sondern nur auf das Prinzip, dessen Resultat die Handlung ist. Kants Ethik wurde in vielen Punkten kritisiert, aber bis heute nicht wirklich widerlegt. Einen wesentliche Teil der „Kritik der reinen Vernunft“ ist die Lehre von Raum und Zeit, welche für ihn „Formen der Anschauung“ sind. Raum und Zeit sind unserem Verstand inhärent und müssen allen unseren Anschauungen schon vorab zugrunde liegen, damit wir etwas außer uns, und verschieden von uns, als solches wahrnehmen können. Die Vorstellung eines Raumes ist a priori notwendig. Kant führt dazu vier Sätze an:
1. Der Raum ist nicht empirischen Ursprungs. Raum wird vorausgesetzt, damit Empfindungen auf etwas äußeres bezogen werden können. 2. Der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori, die allen Anschauungen zugrunde liegt. Man kann sich niemals vorstellen, dass es keinen Raum gibt, wohl aber dass der Raum völlig leer ist. 3. Der Raum ist kein allgemeiner Begriff, da man sich nur einen Raum vorstellen kann. 4. Der Raum wird als eine unendliche Größe dargestellt, in welchem alle Teile des Raumes enthalten sind.
In der Zeit sind unsere Vorstellungen geordnet. Zeit und Raum haben empirische Realität, eine „objektive Gültigkeit in Ansehung aller Gegenstände, die jemals unseren Sinnen gegeben wurden“ Zeit und Raum haben ebenfalls eine transzendentale Identität, da sie als Bedingung unserer Anschauung existieren. Die transzendentale Erörterung des Raumes leitet Kant von der euklidischen Geometrie ab, deren grundlegenden Erkenntnisse nach Kant nicht auf Erfahrung beruhen, sondern a priori gewusst werden.
Die neuen philosophischen Ansätze Kants blieben in der Folge natürlich nicht unwidersprochen. Seine unmittelbaren Nachfolger Fichte (1762 bis 1814) und Schelling (1775 bis 1854) ergänzten und erweiterten sein System. Von Bedeutung war jedoch der Ausbau des kantschen Systems durch Hegel (1770 bis 1831)
Der Idealismus
Der irische Philosoph und Bischof George Berkeley (1685 bis 1783) ist als der Vater des philosophischen Idealismus bekannt. Er kritisierte Lockes Kausaltheorie der Wahrnehmung indem er auf eine logische Lücke in seiner Argumentation hinwies. Nach seiner geradezu radikalen Theorie der Wahrnehmung, stellt sich alles was wir wahrzunehmen glauben als Produkt unserer Vorstellung heraus. Wenn etwas nicht in unserer Vorstellung ist, dann existiert es überhaupt nicht! Das zog natürlich die folgerichtige Kritik nach sich, dass wenn es hinter unseren Ideen und Vorstellungen keine materiellen Entsprechungen gibt, diese Dinge nicht existieren würden, wenn wir sie nicht beobachten, was wiederum sehr unwahrscheinlich ist. Der Idealismus fand seine besondere Ausprägung in Deutschland, als der „deutsche Idealismus“ Unter dem deutschen Idealismus versteht man eine philosophische Strömung, die in der Zeit zwischen 1780 und 1830 in Deutschland ihren Höhepunkt hatte und vor allem durch die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1771 bis 1831) Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775 bis 1854) Johann Gottlieb Fichte (1762 bis 1814) Artur Schopenhauer (1788 bis 1860) vertreten wurde.
Man kann den Idealismus folgendermaßen zusammenfassen: Für den Idealismus steht der Geist im Mittelpunkt, im Gegensatz zum Materialismus. Das Bewusstsein oder der Geist ist als das Primäre der Welt anzusehen. Es können drei verschiedene Strömungen genannt werden:
Der objektive Idealismus: Eine von den Menschen unabhängige, geistige Kraft (Gott, Idee) ist die Ursache der materiellen Welt, wie wir sie wahrnehmen. Diese Strömung greift also zurück bis zu den christlichen Philosophen und sogar bis Platon
Der subjektive Idealismus: Der menschliche, subjektive Geist schafft und begreift die Welt ohne die Hilfe Gottes. Der konsequentester Vertreter hierfür ist Johann Gottlieb Fichte (1762 bis 1814). Der absolute Idealismus: Danach ist der objektive Geist und der subjektive Geist identisch „Der Mensch weiß von Gott in dem Sinne, dass Gott im Menschen von sich selber weiß." (Hegel) Nach dieser pantheistischen Auffassung ist der Mensch und die Welt einerseits Gott und andererseits eine vorübergehende Verkörperung bzw. Entwicklungsphase Gottes. Der Mensch war schon immer ein Teil Gottes und wird auch immer ein Teil Gottes bleiben. Demnach ist der Mensch sterblich und unsterblich gleichzeitig. Es gibt keine von der Erfahrung unabhängige Außenwelt. Da es viele menschliche und auch tierische Erfahrungen gibt, muss die Welt die Gesamtheit all dieser Erfahrungen sein, welches als das Absolute bezeichnet wird. Der absolute Idealismus, welcher von Hegel so bezeichnet und begründet wurde, wurde später bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem im englischsprachigen Raum weiterentwickelt, als man sich in Deutschland bereits wieder davon abgewandt hatte.
Der Existenzialismus
Nach dem Tode Hegels (1831) formierten sich seine Anhänger und Schüler in zwei Richtungen. Die „Rechtshegelianer“ vertraten einen monarchischen, nationalliberalen Standpunkt und versuchten die hegelsche Religionsphilosophie mit christlichen Anschauungen zu vereinen. Viele der Althegelianern – also seine unmittelbaren Schüler – zählten dazu. Die „Linkshegelianer“ vertraten dagegen demokratische oder sozialistische Ansichten. Sie führten die Religionsphilosophie hin zum Pantheismus oder zum Atheismus (Ludwig Feuerbach Bild) Zu diesem Kreis zählten auch die Junghegelianer, welche Hegel nicht mehr persönlich erlebten. Zu ihnen zählte u. a. auch Karl Marx und Friedrich Engels, die Hegels dialektische Methode übernahmen. Man kann also in der Tat von einer außerordentlichen Wirksamkeit der Werke Hegels sprechen. So gelangte die radikale Deutung der Linkshegelianer zu Wladimir Iljitsch Lenin mit den uns bekannten Folgen, die das gesamte 20. Jahrhundert prägen sollten.
Doch es entstand auch Kritik an Hegels Philosophie unter anderem und im besonderen durch den eigenwilligen dänischen Philosophen Sören Kirkegaard (1813 bis 1855). Ausgehend von der Frage, wie ein Mensch, als existierendes Objekt, in ein Verhältnis zu Gott kommen kann, erschien es ihm von entscheidender Bedeutung zunächst die konkreten Existenzbedingungen des Einzelnen zu begreifen, d. h. ich muss „mich selbst erst als in Existenz verstehen.“ Anstelle von Hegels großartigem – aber nicht haltbaren – weltgeschichtlichen Ausblick, setzt Kirkegaard den Einzelnen. Der Einzelne ist das existierende Individuum. Seine Kritik an Hegel und dem deutschen Idealismus bestand nun darin, einen „abstrakten Denker“ erschaffen zu haben, welcher den Bezug zu seiner eigenen, zeitlich begrenzten, Existenzlichkeit verloren hat. Sören Kirkegaard drückte das so aus: „Eben weil das abstrakte Denken „subspecie aeterni (unter dem Blickpunkt der Ewigkeit) ist, sieht es (die Philosophie Hegels) ab von dem Konkreten, von der Zeitlichkeit, vom Werden der Existenz, von der Not der Existierenden...“ Ein „abstrakter Denker“ der diesen Umstand ignoriert oder übersieht, wird nach Kirkegaard zur „komischen Figur“, weil er die Grundlage seines Daseins und Denkens nicht eingestehen will. Die „einzige Wirklichkeit, ist die Wirklichkeit der eigenen Existenz“ und ist somit von „absolutem Interesse“. Die Notwendigkeit existenziell zu denken, resultiert aus der Tatsache, dass wir rückwärts verstehen und vorwärts leben. Unser Leben ist in der gegebenen Zeitlichkeit niemals verständlich, weil kein Augenblick der Ruhe eintritt. Die zwanghafte Bindung an die pure Existenz und die daraus resultierende begrenzte Reichweite der intellektuellen Kräfte sowie die Ohnmacht die letzten großen Fragen zu lösen, ist der Grundansatz existenzialistischen Denkens. Demnach ist der Mensch eine Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit, von Zeitlichen und von Ewigen, von Freiheit und Notwendigkeit. Der Mensch ist somit eine Synthese von Gegensätzen. Durch diesen Ansatz wurde Kirkegaard der Vater der existenzialistischen Philosophie.
Welche Freiheiten haben wir als existierende Wesen? Nach Kirkegaard ist Freiheit nicht philosophisch begründbar, da ja jede Begründung eine logische Notwendigkeit voraussetzt, welche wiederum das Gegenteil von Freiheit wäre. Dennoch haben wir die Wahl, welche aus der „Angst“ resultiert. Angst nicht im Sinne von Panik, sondern als eine innere Angelegenheit und eines Gefühles, das den Menschen befällt, wenn er sich selbst inmitten des Daseins entdeckt, umgeben von Naturmächten außerhalb seiner selbst – und in ihm selbst. Diese „Angst“ ist eine Schnittstelle „zweier Welten, der Äußeren, naturbestimmten Welt, und einer die von Gott bestimmt wird“. (aus „Stadien auf dem Weg des Lebens“ erschienen 1845) Aufgrund des axiomatischen Ansatzes, nach der der Mensch eine Synthese aus Notwendigkeit und Freiheit ist, obliegt es ihm sich mittels der Freiheit zu entscheiden ob er in der Naturwelt verbleiben will, oder den Ruf des Geistes folgen möchte. Nach Kirkegaard haben wir drei Möglichkeiten, bzw. drei „Stadien“: 1. Das Stadium des ästhetischen, d.h. das Stadium des Lebensgenusses. 2. Das Stadium des ethischen, d.h. das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen und das Leben in Übereinstimmung mit den gesellschaftlichen Erwartungen, und schließlich 3. das Stadium des religiösen. Was die Ausdeutungen dieser verschiedenen Möglichkeiten betrifft, sei auch hier auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen. Natürlich wurde auch die Philosophie Kirkegaards kritisiert. Stellvertretend sei hier ein Zitat von Albert Camus angeführt: „Kirkegaard verlässt durch seine Transzendenz den logischen Weg der Gewissheit und Wahrscheinlichkeit. Der „Sprung“ in das religiöse Stadium ist philosophischer Selbstmord!“ (aus: „Der Mythos von Sisiphos Ein Versuch über das Absurde“)
Kirkegaards Philosophie wurde im 20. Jahrhundert von den bekannten Existenzialisten weiterentwickelt: Friedrich Nietzsche(Bild) (1844 bis 1900) Edmund Husserl (1858 bis 193 Martin Heidegger (1889 bis 1976) Jean-Paul Sartre (1905 bis 1980) Albert Camus (1913 bis 1960) und Simone de Beauvoir (1908 bis 1986) Karl Jaspers (1883 bis 1969) und Gabriel Marcel (1889 bis 1973)
Literatur:
Copyrights für Teil I, II und III: Johannes Mayr. Jegliche Veröffentlichungen, egal in welchen Medien und in welcher Form, bedürfen der ausdrücklichen Zustimmung des Verfassers. Alle meine Texte dürfen zum privaten Gebrauch kopiert, aber nicht in veränderter oder unveränderter Form weiterverbreitet werden! |
Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft (1781 / 1787) Herausgegeben von Wilhelm Weischedel; Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft (ISBN 3-518-09327-4)
Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785 / 1786) Herausgegeben von Wilhelm Weischedel; Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft (ISBN 3-518-09327-4)
Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft (1790 / 1793 / 1799) Herausgegeben von Wilhelm Weischedel; Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft (ISBN 3-518-09327-4)
Albert Camus: Der Mythos von Sisiphos Ein Versuch über das Absurde Erschienen im Rowolt-Verlag Herausgegeben von Ernesto Grassi
Sören Kirkegaard In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, dargestellt von Peter P. Rohde, erschienen im Rowolt-Verlag Herausgegeben von Kurt Kusenberg
Bertrand Russel; Philosophie des Abendlandes. Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwcklung. Europaverlag, Ausgabe von 1983 (ISBN 3-203-50539-8 )
Der Brockhaus; Philosophie, Ideen, Denker und Begriffe. Herausgegeben von der Lexikonredaktion des Verlages F.A. Brockhaus, Mannheim 2004 (ISBN 3-7653-0571-5)
dtv-Atlas Philosophie. Erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag. 11., aktualisierte Auflage Dezember 2003. (ISBN 3-423-03229-4)
Philosophen – 100 große Denker und ihre Ideen von der Antike bis heute. Erschienen im Gondrom-Verlag im Jahre 2004 (ISBN 3-8112-2214-7)
Marc Aurel; Selbstbetrachtungen. Erschienen im Insel Verlag im Jahre 2003. Insel Taschenbuch 2976 (ISBN 3-458-34676-7)
Plato – Sokrates im Gespräch, vier Dialoge. Erschienen Fischer Bücheri Frankfurt / M mit einem Nachwort und Anmerkungen von Bruno Snell
Descartes von Tom Sorell erschienen im Herderverlag, deutsche Erstausgabe Verlag Herder, Freiburg im Breisgau (ISBN 3-926642-40-8 )
Sokrates von C.C.W. Tayler erschienen im Herderverlag, deutsche Erstausgabe Verlag Herder, Freiburg im Breisgau (ISBN 3-926642-39-4)
Karl Jasper; Was ist der Mensch? Philosophisches Denken für alle; Piper – Verlag München Zürich 2000 (ISBN 3-492-04166-3)
und: http://www.philosophenlexikon.de/index.htm
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