| Philosophen im Porträt von Fern Weirich Copyright
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Friedrich Nietzsche  1844-1900 Jugend Dass Friedrich Nietzsches Abstammung und Erziehung einen „nachhaltigen“ Eindruck auf sein Wesen und seine Weltsicht hinterließen, ist unbestritten. Der Verfasser des Anti-Christ kam am 15. Oktober 1844 in einer Familie zur Welt, deren Väter und Großväter in der fünften Generation lutherische Geistliche waren und in den meisten Fällen auch noch Töchter von Geistlichen geheiratet hatten. Nietzsches Vater Carl Ludwig hatte 1842 die Pfarrei seines Vaters in Röcken bei Leipzig übernommen. 1844 gebar ihm seine Frau Franziska Nietzsche-Oeler den ersten Sohn. Seine Kindheit verbrachte der junge Nietzsche in einer Großfamilie, in welcher auch der Großvater und die Großmutter lebten. Sein jugendlicher Alltag war erfüllt von Frömmigkeit, Gesang von Kirchenliedern, Orgelmusik, Glockengeläut und dem eifrigen Lesen von deutschen Literaten. Seine Familie war tief beeindruckt vom preußischen Regime, was dann auch wohl der Grund gewesen war, weshalb man den Erstgeborenen nach dem regierenden König Friedrich Wilhelm IV, der seinerseits zufällig auch am 15. Oktober geboren war, benannt hatte. Die familiäre Begeisterung für die Preußen übertrug sich auch auf den Sohn, der später allerdings den zweiten Vornamen Wilhelm ablegte. 1846 wurde seine Schwester Elisabeth geboren und 1848 sein Bruder, der jedoch schon 1850 im Alter von knapp 2 Jahren verstarb. 1849 starb Nietzsches Vater an einer Gehirnkrankheit, die seinerzeit noch nicht einwandfrei diagnostiziert und behandelt werden konnte. Der Tod seines Vaters hatte den Sohn stark und nachhaltig markiert. Nietzsche sah darin ein geheimnisvolles Geschehen, das sich seiner Überzeugung nach später an ihm selbst wiederholen würde. Viel später in seinem „Ecce homo“ schreibt Nietzsche unter anderem: „Im gleichen Jahr, wo sein Leben abwärts gieng, gieng auch das meine abwärts: im sechsunddreißigsten Lebensjahre kam ich auf den niedrigsten Punkt meiner Vitalität …“ 1880 rechnete er schon fest mit seinem nahen Tod. Nach dem Tod seines Bruders zog die Mutter mit den beiden Kindern nach Naumburg an der Saale, wo sie auf die Unterstützung der Familie zählen konnte. Nietzsche absolvierte die Primärschule und lernte anschließend einige Jahre am Domgymnasium, bevor er die Landesschule „Zur Pforte“ besuchte. Dort erhielt er eine gründliche Ausbildung, beeindruckte seine Lehrer mit seinem außergewöhnlichen Talent für klassische Sprachen und überzeugte sie mit seinem Wissen über die deutsche Literatur. In der „Pforte“ gründete er zusammen mit seinem Kommilitonen Wilhelm Pinder und Gustav Krug einer lockeren „musischen Zirkel“. Er komponierte, verfasste Gedichte und schrieb seine ersten literarischen Abhandlungen. Mit 18 Jahren (1862) schrieb Nietzsche einen Aufsatz über „Fatum und Geschichte“, „… der sich heute wie eine ahnungsvolle Vorbemerkung zum späteren Denken liest.“ (Volker Gerhard – Friedrich Nietzsche – C.H. Beck Verlag 1992) Studien Nietzsche war eigentlich nie das gewesen, was man gemeinhin einen gesunden und stabilen Kerl nennt. In der „Pforte“ zeigten sich die ersten Symptome einer nicht genauer definierten Krankheit, die der damalige Schularzt, im Hinblick auf das Leiden und den Tod von Nietzsches Vaters, als möglicherweise erblich diagnostizierte. Der Student litt oft unter heftigem Kopfschmerzen und wurde von zeitweiligen Magenreizungen geplagt. Der Arzt stellte einen auffallend stieren Blick fest, den er aber nicht nur mit den Kopfschmerzen, sondern auch mit Nietzsches Kurzsichtigkeit in Verbindung brachte. 1864 bestand Nietzsche sein Abitur mit Auszeichnung und ging gleich darauf nach Bonn, wo er an der Universität das Wintersemester belegte, um Philologie und Theologie zu studieren. Als er nach Abschluss des ersten Semesters seiner Mutter offenbarte, dass er das Theologiestudium am liebsten aufgeben würde, kam es zu einem schweren Konflikt, aber seine Entscheidung stand schon fest. 1865 belegte er in Leipzig sein zweites Wintersemester und lernte u.a. bei Friedrich Wilhelm Ritschl, dem er auch im Januar 1866 seine erste Semesterarbeit ablieferte. Sein Dozent war außergewöhnlich begeistert und voll des Lobes, was Nietzsche definitiv zu einer Universitätslaufbahn motivierte. Im nächsten Semester lieferte der Student weitere philologische Arbeiten ab und wurde für seine Abhandlung über den Philosophiehistoriker Diogenes Laertius mit einem Preis ausgezeichnet, welcher ihm schon sehr früh in Fachkreisen bekannt machte. Auszeichnungen und Anerkennung konnten jedoch nichts daran ändern, dass Nietzsche sich hinsichtlich seiner Bestimmung für die Philologie noch keineswegs sicher war. Er hatte noch Pläne über eine philosophische Dissertation über Immanuel Kant und quälte sich mit der Entscheidung, ob er nicht doch besser in Fach der Chemie wechseln sollte. Zudem war sein Interesse an der griechischen Philosophie noch sehr wach, es sollte aber alles ganz anders kommen, als er es in seiner Hin-und-Hergerissenheit zu planen versuchte. In der Zwischenzeit war er in Leipzig durch die Mithilfe eines Freundes dem Komponisten Richard Wagner, der inkognito in der Stadt weilte, vorgestellt worden. In einemBrief an Erwin Rohde berichtet Nietzsche voller Begeisterung, wie er mit Wagner zusammentraf und mit ihm über Arthur Schopenhauer geredet hatte. „(…) Inzwischen hatte ich ein längeres Gespräch mit ihm über Schopenhauer: ach, und Du begreifst es, welcher Genuß es für mich war, ihn mit ganz unbeschreiblicher Wärme von ihm reden zu hören, was er ihm verdanke, wie er der einzige Philosoph sei, der das Wesen der Musik erkannt habe…(…)“Nietzsche war sowohl von Wagner selbst, dessen ganzem Wesen und dessen Musik hellauf begeistert. Er hatte den Mann kennen gelernt, der in seinem zukünftigen Leben keine unwichtige Rolle spielen sollte. Karriere 1869 teilte sein Lehrer Ritschl ihm mit, dass Nietzsche – im Alter von 24 Jahren – gute Aussichten habe ohne Promovierung und Habilitation als Professor für klassische Philologie an die Universität von Basel berufen zu werden. Ritsch hatte in Basel seinen ganzen Einfluss geltend gemacht und den jungen Nietzsche mit großen Lob empfohlen. Die Baseler Fakultät, sowie das kantonale Erziehungsamt folgten Ritschls Empfehlung und am 13. Februar 1869 ging Nietzsche nach Basel, wo er von den Studenten zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Noch vor seinem ersten Auftritt als Professor der Philologie, unternahm er einen spontanen Besuch bei Wagner, der in Tripschen bei Luzern lebte, eine knappe Zugstunde von Basel entfernt. Es sollte nicht bei diesem symbolischen Antrittsbesuch bleiben. Am 28. Mai gibt Nietzsche seine erste Vorlesung über „Homer und die klassische Philologie“. wird fortgesetzt Bibliographie Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern (1872) Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinn (1872) Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen (1873) Unzeitgemäße Betrachtungen (1873–1876 ) Allzumenschliches – Ein Buch für freie Geister (1878–1880) Morgenröte – Gedanken über die moralischen Vorurteile (1881) Idyllen aus Messina (1882) Die fröhliche Wissenschaft („la gaya scienza“) (1882) Also sprach Zarathustra – Ein Buch für Alle und Keinen (1883–1885) Jenseits von Gut und Böse – Vorspiel einer Philosophie der Zukunft (1886) Zur Genealogie der Moral (1887) Der Fall Wagner (1888) Nietzsche contra Wagner (1895) Dionysos-Dithyramben (1889) Götzendämmerung (1889) Der Antichrist – Fluch auf das Christentum (1895) Ecce Homo (1888) |
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