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Philosophie

von Johannes Mayr

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Teil II.

Die Philosophen des Mittelalters




Überblick

Im Rahmen einer Infopage kann über diesen langen Zeitraum nur eine eingeschränkte Übersicht vermittelt werden. Im wesentlichen werden hier nur die wichtigsten Denker erwähnt, welche einen bedeutenden Einfluss auf die Philosophie und auch auf den Verlauf der Geschichte nahmen, sowie einige für ihre Zeit typischen Vertreter. Es sei hier erwähnt, dass Philosophen einen weit größeren Anteil am Verlauf der Geschichte hatten, als man im allgemeinen vermuten könnte. Große Denker, die an den Schnittstellen der Zeit ihren Anteil einbrachten, waren gleichsam „Weichensteller“ für die weitere Entwicklung der Staatsführung, der Politik und der Wissenschaften. In dieser langen Zeit wurden die unterschiedlichsten philosophischen Systeme entwickelt, welche naturgemäß, jeweils von den in der Zeit ihrer Entstehung vorherrschenden politischen, religiösen und gesellschaftspolitischen Umständen geprägt wurden.

 

Kirchliche Philosophen, Scholastiker und Mystiker


 Augustinus

(354 bis 430 n. Chr.) Religionslehrer und Philosoph. Seine berühmtesten Werke: „Bekenntnisse“ und „Gottesstaat“. Ab 395 Bischof von Hippo Regius. Die zentrale Aussage Augustinus' war, dass man Weisheit allein durch den Glauben erlangen kann. Für ihn waren die Philosophie und der Glaube nur zwei verschiedene Wege auf der Suche nach Wahrheit. Ein Philosoph ohne Glauben kann nach seiner Einschätzung die ultimative Wahrheit niemals finden. Der die Wahrheit suchende Mensch, befindet sich auf einem Weg nach innen, nach seinem eigenen Ich, und damit zu Gott, dem absoluten Urgrund der Wahrheit. Mögliche Irrtümer konnten ihn nicht abschrecken: „Si enim fallor, sum (Wenn ich mich täusche bin ich) Berühmt ist auch seine Analyse der Zeit, auf die hier aber nicht näher eingegangen werden kann. Augustinus legte die Grundlage für eine christliche Philosophie.
(weiterführender Hinweis: Siehe auch die Werke von Boethius 480 bis 524 n. Chr.)

Anselm von Canterbury (1033 bis 1109 n. Chr.) Auch „Vater der Scholastik“ genannt der bedeutendste Theologe des 11. Jahrh, bis zu seinem Tod Erzbischof von Canterbury. Er war der Überzeugung, dass der Glaube mit der Vernunft sehr wohl zusammenhängt. Die nach seiner Anschauung „wahre Vernunft“ führt geradewegs zum Glauben: „Credo, ut intelligam“ (Ich glaube, um zu erkennen). Die Vernunft sollte Glaubensinhalte rational durchleuchten und systematisieren. Wie andere Denker seiner Zeit entwickelte auch er einen Gottesbeweis. Sein berühmtes „ontologische Argument“ soll Gott zwingend beweisen: „Das, worüber hinaus nichts Größeres (Vollkommeneres) gedacht werden kann“ ist Gott. Selbst Ungläubige – so Anselm von Canterbury - erkennen an, dass dieses Denk-Konzept „Gott“ umfasst. Da eine solch vollkommene Existenz gedacht werden kann, muss diese existieren, da es ein Widerspruch wäre anzunehmen, dass Gott einerseits etwas ist, von dem man sich nichts Größeres vorstellen kann, anderseits nicht existiert. Da jedermann an Gott denken kann und sich auch vorstellen könnte dass er existiert, so muss etwas, von dem man sich nichts Größere vorstellen kann, zugleich etwas sein, dass existiert! Seine Argumente wurden durch das ganze Mittelalter hindurch heftig Diskutiert, bis Kant sie in der „Kritik der reinen Vernunft“ widerlegte.


 Thomas von Aquin

(1225 bis 1274 n. Chr.) Der katholischste aller Philosophen und Schüler des Albert Magnus in Köln. Er wird auch heute noch von der katholischen Kirche sehr geschätzt. Er versuchte die Philosophie des Aristoteles mit den christlichen Lehren zu versöhnen. Aristoteles ist bis heute noch berühmt für seine fünf „Gottesbeweise“. Es war der Versuch die Existenz Gottes mittels der Logik zu beweisen. Er argumentierte in seinem ersten Gottesbeweis, dass alle Dinge einer Veränderung unterworfen seien. Da dies jedoch nicht endlos in alle Ewigkeit in die Vergangenheit zurückzuführen ist, muss es etwas geben, was sich selbst nicht verändert, aber diese Veränderung in Bewegung gebracht hat. Das berühmte Argument des „unbewegten Bewegers“. Für Thomas von Aquin war das Gott, der keiner Veränderung unterliegt. Neuzeitliche Philosophen, allen voran Kant, haben diese Schlussfolgerungen verworfen. Weiterführende Begriffe: A priori-Argumente; ontologische und kosmologische Beweisführung; Transzendentalien



Wilhelm von Ockham (1280 bis 1347 n. Chr.) Er wurde um 1280 in der englischen Grafschaft Surrey geboren. Ein für seine Zeit erstaunlich mutiger und kühner Denker. Im Gegensatz zu Thomas von Aquin und Duns Scotus beschritt er einen „neuen Weg“ (via moderna). Er bereitete vor 700 Jahren den Weg zu neuzeitlichem Denken. Er widersprach der Einschätzung des Thomas von Aquin, bezüglich der logischen Beweisbarkeit Gottes. Er vertrat 500 Jahre vor der Säkularisation den Standpunkt der absoluten Unabhängigkeit der politischen von der kirchlichen Macht. Außerdem sollte die Legitimation der weltlichen Herrschaft auf der freien Zustimmung des Bürger beruhen. Für das ausgehende Hochmittelalter geradezu verwegene Ansätze. Es verwundert nicht, dass er der Häresie angeklagt wurde und sich vor einer päpstlichen Untersuchungskommission zu verteidigen hatte. Es kam nie zu einem Urteilsspruch und Ockham konnte nach München fliehen, wo er 1347 vermutlich an der Pest starb. Wilhelm von Ockham war Hauptvertreter des Nominalismus, der besagt, dass Allgemeinbegriffe eigentlich gar nicht existieren, sondern dass es sich dabei um Überbegriffe handelt mit denen eine Ansammlung von Einzelerscheinungen zusammengefasst werden. Im Gegensatz zu Platon sah er die Wirklichkeit in den unabhängig von einander existierenden Einzeldingen, währen Platon die Wirklichkeit jenseits der sichtbaren Dinge sah, nämlich im Reich der Ideen.
Weiterführende Namen und Begriffe: Omnipotenzprinzip; Ockhams Rasiermesser; Universalienstreit; Scholastik.


 Meister Eckhart

(1260 bis 1328 n. Chr.) Deutscher Philosoph, Theologe, Dominikaner und vor allem Mystiker. Gestützt auf Aristoteles, Ibn Ruschd, Augustinus und Albertus Magnus wollte er die Einheit Gottes und des menschlichen Geistes beweisen, insofern als es seiner Anschauung nach möglich war, sich mit Gott zu vereinen. Im Innersten der Seele findet der Mensch sozusagen die Brücke zu Gott – das Seelenfünklein (scintilla animae). Dort kann die Vereinigung mit Gott stattfinden, wenn der Mensch sich seinem Innersten hingibt. Dabei erfährt der Mensch, eine über das Alltägliche hinausgehende, alles übersteigende Erfahrung göttlicher Realität! Die Mystik ist somit das Bestreben durch Gelassenheit, Abkehr von der Welt und durch meditative Praktiken das Transzendente, das Göttliche zu erfahren. In dieser metaphysischen Erfahrung wird die Kluft zwischen Mensch und Gott überwunden und eine Einheit (Unio mystica) hergestellt. Eine Gottesgeburt im Menschen, eine Inkarnation Gottes in uns! Die Seele des Menschen sei dafür immer empfangsbereit, denn sie ist der Ort der Gottesgeburt. Diese, für die damalige Zeit revolutionären Gedanken, führten dazu, dass der Kölner Erzbischof 1326 ein Inquisitionsverfahren gegen ihn eröffnete. Protestierte dagegen und appellierte an den Papst in Rom. Schon bald danach starb Meister Eckhart. Papst Johannes XXII verurteilte seine Thesen als ketzerisch und häretisch. Aus Sicht der Kirche nicht verwunderlich, impliziert doch der Ansatz Eckharts eine enorme Rangerhöhung des Menschen und der daraus folgenden Relativierung der Heilsgeschichte und den dadurch eigentlich fast nicht mehr notwendigen Sakramenten der Kirche. Den Mächtigen in Rom war es auch ein Dorn im Auge, dass er seine Ansichten in der Volkssprache, also in Deutsch, erörterte. Weiter Namen und Stichworte zum Thema Mystik: Orphische Mysterien; Dionysoskulte; Hildegard von Bingen; Ignatius von Loyola; Blaise Pascal; Jakob Böhme


Der Universalienstreit des Mittelalters war ein zentrales Problem der mittelalterlichen Philosophie, welches die Denker (grob) in zwei Lager teilten. Die Hauptfrage war: Kommt nur den Universalien (Allgemeinbegriffe, allgemeine Ideen) eigentliches Sein zu, während die Einzeldinge unselbstständige Abteilungen aus ihnen sind, oder haben nur die konkreten Einzeldinge reales Sein, während die Universalien bloße Namen oder Worte sind, die der Mensch sich einbildet. Für den Nominalisten existieren nur die Einzeldinge real. Für den Universalisten existieren nur die Universalien an sich, die Einzeldinge sind untergeordnet. Die von Platon geprägte Universalisten wurden als der „alte Weg“ (Via antiqua) bezeichnet, während die von Aristoteles geprägten Nominalisten als der „Neue Weg“ (Via moderna) angesehen wurden. Zu beiden philosophischen Systemen gab es jeweils auch gemäßigte Standpunkte. Es wurde auch versucht, zwischen beiden Standpunkten zu vermitteln (z. Bsp. durch Albert Magnus) Auch zu diesem interessante Themenkomplex sei auf die Fachliteratur verwiesen.

 

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