ANTIQUA Online Magazin

seit Dezemeber 2008

 
Philosophie

von Johannes Mayr

Copyright 


Teil I
Die Philosophen der Antike




Die Vorsokratiker:

Einer der größten Philosophen von der Antike bis heute war Sokrates (470 bis 399 v. Chr.) Als Vorsokratiker bezeichnet man daher jene Philosophen, die vor ihm lebten bzw. noch nicht von ihm beeinflusst waren. Zwischen 600 und 400 v. Chr. war die Zeit der Naturphilosophen, die nach dem materiellen Ursprung des Kosmos fragten. Bedeutende Vertreter waren Thales (man geht davon aus, dass er der erste Philosoph überhaupt war), Anaximenes, Heraklit, Parmenides, Empedokles, Anaxagoras und Demokrit. Über die Entstehung des Universums und über die Beschaffenheit einer vermuteten Ursubstanz herrschten unterschiedliche Anschauungen vor. In einem Punkt waren sich jedoch die Mehrzahl der Vorsokratiker einig: Seiendes kann nicht aus Nichtseiendem entstehen! Von Empedokles haben wir die Einteilung in die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Einer der auffälligsten Vorsokratiker war der vielseitige und weit gereiste Demokrit (460 bis 370 v. Chr.) von ihm stammt der Begriff des Atoms, als nicht mehr teilbare Einheit der Materie. (wir wissen aus der Physik, dass dies nicht zutrifft)



Sokrates, Platon und Aristoteles (Die klassische Periode)



 Sokrates

(470 bis 399 v. Chr.) gilt als Vorbild der Weisheit schlechthin. Soldat, Politiker und vor allem Philosoph. Verheiratet mit Xanthippe. Wegen Einführung neuer Götter und Verführung der Jugend 399 v. Chr. zum Tode durch Giftbecher verurteilt. Einer der schillerndsten Figuren in der Philosophie. ("Erkenne dich selbst"... gnothi seauton, ein Spruch der aber auch über dem Eingang des Apollon-Tempel in Delphi stand). Er selbst hat keine Schriften hinterlassen. Wir sind auf sekundäre Quellen angewiesen wie von Platon, Xenophon und Antistenes und anderer Schüler. Mit konsequenten, unerbittlichen, raffinierten und auch ironischen Fragen als Methode der Reflexion führte er seine Schüler zur Basis vernünftigen Denkens und zum Aufzeigen von Widersprüchen. Im Gegensatz zu anderen griechischen Philosophen kümmerte er sich weniger um metaphysischen Erwägungen, sondern eher um praktische Fragen des Lebens, oder wie ein rechtschaffenes Leben gestaltet werden soll. Daher wird er auch als der Erfinder der Ethik angesehen. Sokrates war ein Einzelgänger und geriet oft in Konflikte mit den Behörden, da ihm vorgeworfen wurde die Söhne der wohlhabenden Elite zu verwirren oder sie mit unorthodoxen, neuen Gedanke zu verderben. Er wurde jedoch von der aristokratischen Jugend der Stadt geliebt und verehrt und machte sich dadurch viele Feinde. Seine Gegner waren ihm nicht mal annähernd intellektuell und rhetorisch gewachsen, was jene natürlich erst recht in Rage brachte. Wegen „Verführung der Jugend“ und „Gottlosigkeit“ angeklagt, wurde er zum Tode durch den Giftbecher verurteilt. Möglicherweise bot ihm das Gericht die Chance an, seine öffentlichen Verlautbarungen zurückzunehmen und sich vor Gericht als „schuldig“ zu bekennen. Er wäre dadurch einer Strafe entgangen und hätte als Privatmann den Rest seines Lebens in Ruhe verbringen können. Nicht so Sokrates. Er argumentierte, dass Gott von ihm regelrecht verlange, seine Philosophie zu betreiben. Er verspottete das Gericht indem er für sich eine lächerlich geringe Geldstrafe als angemessen verlangte. Seine Verteidigungsrede vor Gericht und sein letzter Dialog, kurz vor dem Tod, sind von Platon aufgezeichnet worden (Apologie, Kriton und Phaidon)


Sokrates geht mit einer gewissen Leichtigkeit auf seine bevorstehenden Tode zu. („...dass es manchmal und für manche Menschen besser ist zu sterben, als zu leben...“)
Er grämt sich nicht über den Tod, weil er überzeugt ist, zu "den Göttern" zu kommen.
Seine Freunde und Schüler melden Wiederspruch an. Sokrates hält dagegen, dass nach dem Tode die Trefflichen (die Guten) es weit besser haben als die Schlechten. Er sagt weiter aus, dass ..."ein Mann, der im Ringen nach Erkenntnis sein ganzes Leben verbracht hat, keine Angst vor dem herannahenden Tode zu haben braucht...er würde in jener anderen Welt eine Fülle von Gütern haben." Ein vom philosophischen Geist erfüllter Mensch brauche den Tod nicht zu fürchten, ja, er sehne ihn sogar herbei, ohne jedoch an Selbstmord zu denken. Sokrates sagt, dass es nicht zum Wesen des Philosophen passt, auf materielle Dinge großen Wert zu legen. (Er selbst lebte fast asketisch, stapfte barfuß und unzureichend bekleidet durch den Schnee) Er (der Philosoph) trennt die Seele möglichst radikal vom Körper und ist dann aus Sicht der breiten Masse, die auf materielle Dinge großen Wert legen, fast tot . Der echte Philosoph wird sich zwar nicht mit Gewalt aller Sinnenfreuden berauben; er wird aber andere (geistige) Dinge im Kopf haben.

 Platon

(427 bis 347 v. Chr.) Schüler des Sokrates. Gründete eine philosophische Akademie in Athen. Begründete mit seiner Lehre von den Ideen die Metaphysik. Er beeinflusste das gesamte abendländische Denken. Seine, in großen Umfang vorhandenen, Aufzeichnungen sind literarische Meisterwerke. In seiner Metaphysik geht Platon von dem Gegensatz zwischen der werdenden, vergehenden und niemals gleichbleibenden Welt der Erscheinungen und dem immer gleich bleibenden, wahrhaften Seienden aus. Das wahrhaft Seiende bestimmt Platon als das, was etwas im reinen, absoluten Sinne ist. Dies ist nur mit der Vernunft erkennbar. Die wirklichen Ursachen aller sinnlich, erfahrbaren Erscheinungen sieht er in Urbildern (Paradeigma) die er auch als Idee (Idea, Eidos) bezeichnet. Nur die Welt der reinen Ideen ist die wirkliche Welt. Er veranschaulicht das in seinem berühmten Höhlengleichnis. Es sitzen Gefangene, gefesselt in einer Höhle. Außerhalb der Höhle brennt ein Feuer, welches Schattenbilder auf die Höhlenwand wirft. Da sich die Gefangenen nicht umdrehen können, nehmen sie an die Schattenbilder seien die Realität – und irren sich! Durch den Übergang der Seele in andere Regionen werden wir gleichsam befreit und von den Fesseln gelöst und ins Sonnenlicht gebracht. Die Seele gelangt in das Reich der Ideen. Aufgabe des Philosophen ist es, die Ideen als Hypothese für jeden Wissensbereich zu ermitteln und auch die Beziehungen der Ideen untereinander zu erkennen.
In seinem staatstheoretischen Hauptwerk „Politeia“ entwirft er in Dialogform einen Idealstaat indem es drei Stände gibt: die der Regierenden, der Krieger und Wächter sowie der Bauern und Handwerker. Er kommt zu dem Schluss, dass der Regierende ein Philosoph sein muss. Möglicherweise hätte er an Marc Aurel seine Freude gehabt (121 bis 180 n. Chr. Römischer Kaiser) jener war Philosoph (Stoiker) und Regierender und . Er rät in seinen dritten Betrachtungen: „Wenn du...etwas Besseres als Gerechtigkeit, Wahrheit, Mäßigkeit...findest, wende dich ihm mit ganzer Kraft zu...“ Der von Platon entworfene Staat erscheint uns heute in vielen Bereichen allerdings eher als Diktatur. (strenge Zensur, uneingeschränkte Herrschaft der Aristokratie, Neugeborene werden den Eltern weggenommen, Eltern kennen ihre Kinder nicht und umgekehrt, staatlich betriebene Eugenik, etc.)
Neben weiteren Theorien sei hier noch kurz die Seelenlehre erwähnt, wonach die immaterielle Seele unsterblich ist. Grundlage ist der berühmte Dialog „Phaidon“ in welchem die letzten Tage des Sokrates geschildert werden. Die zentrale Aussage lautet: Der Philosoph fürchtet den Tod nicht, weil durch die beim Tod eintretende Trennung von Leib und Seele, es nun möglich ist, in das Reich der reinen Ideen zu gelangen. Nun gibt es keine einzige Täuschung mehr und keine trügerische Wahrnehmung der Sinne. Die Seele ist unsterblich und schon immer mit den Ideen verwandt und fühlt sich stets dort hin gezogen.

 Aristoteles

(384 bis 322 v. Chr.) war der Erzieher und Lehrer von Alexander des Großen, lernte in Platons Akademie und gründete später eine eigene Schule, er teilte die Philosophie in verschiedene Disziplinen ein. Aristoteles ging von empirischen Gegebenheiten aus, fragte aber auch nach dem Grund allen Seins. Nach dem Tode Alexanders musste er nach Chalkis fliehen und starb kurz danach.

Aristoteles war ein großer Denker. Es dauerte zweitausend Jahre, bis die Welt einen ihm auch nur annähernd ebenbürtigen Philosophen hervorbrachte. Die Schriften des Aristoteles umfasst die Gebiete der Logik und Erkenntnistheorie, der Naturphilosophie, Metaphysik, Ethik, Politik, Rhetorik und Kunsttheorie. Bahnbrechend war die Ausbildung der formalen Logik und einzelner Methoden, die zur Aufteilung der Philosophie in einzelne Disziplinen führte. Außerdem war er Naturwissenschaftler, Astronom, Staatstheoretiker und Biologe. Als Philosoph unterscheidet er sich von seinen Vorgängern in vielerlei Hinsicht. Er schreibt wie ein Professor, seine Abhandlungen sind systematisch, seine Diskussionen in Kapitel eingeteilt. Er arbeitet kritisch, sorgfältig und trocken. Er ist weder leidenschaftlich noch besonders religiös und wurde später prompt der Gottlosigkeit beschuldigt, wenn auch aus politischen Gründen. Seine Schriften waren nach seinem Tod 200 Jahre verschollen, wurden jedoch glücklicherweise auf Kreta wiedergefunden. Sein Vater war der Leibarzt des Königs von Makedonien, dessen Sohn, Alexander sich später anschickte fast die ganze Welt zu erobern.
Von den zahlreichen Abhandlungen und Theorien sei hier nur kurz auf die Ethik Aristoteles verwiesen, wobei von ihm der berühmte „goldene Mittelweg“ zu erwähnen ist. Jede Tugend ist die Mitte zwischen zwei Extremen, deren jedes ein Laster ist. Mut ist demnach die Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit. Freigebigkeit die Mitte zwischen der Verschwendungssucht und der Knausrigkeit, u.s.w. Entgegen der heutigen Auffassung, wonach alle Menschen die gleichen Rechte haben und Gleichheit als Voraussetzung für Gerechtigkeit gilt, finden wir in der Ethik des Aristoteles anders lautende Vorstellungen. Nach Aristoteles bedingt Gerechtigkeit nicht Gleichheit. Jeder sollte seinem wert entsprechend geliebt werden. Daher ist es bei ungleichen Verhältnissen richtig, dass der Geringere (Sohn, Frau, Sklave) den Höheren (Vater, Ehemann, Herr) mehr liebt als umgekehrt. Ein Sklave wird nur als beseeltes Werkzeug gesehen, als Sklave ist keine Freundschaft mit ihm möglich, wohl aber als Mensch. Der Idealmensch hat „Seelengröße“ und muss sittlich gut sein. Die ausführliche Beschreibung Aristoteles eines solchen „idealen Menschen“ erscheint nach heutiger Sichtweise im höchsten Masse antiquiert und abschreckend. Einen solchen Menschen würde man heute als eingebildet, arrogant und aufgeblasen bezeichnen. Ein großer Teil der Ethik beschäftigt sich mit Freundschaft. Vollkommene Freundschaft ist demnach nur unter guten Menschen möglich. Es ist nicht möglich mit vielen Menschen befreundet zu sein. Mit einer Person, die höher steht als man selber, sollte man nicht befreundet sein.
Insgesamt zieht sich ein roter Faden durch sein Werk: Die Auffassung der Zielgerichtetheit. Alle Dinge haben eine bestimmte Zweckmäßigkeit, ein Ziel (telos), wonach alles strebt, den Menschen eingeschlossen. Mit dem Konzept der Zweckmäßigkeit ließen sich nach seiner Anschauung alle Erscheinungen des Kosmos erklären.
In einer kurzen Abhandlung der Größe eines Aristoteles gerecht zu werden, ist unmöglich. Hinsichtlich seiner Schriften, der Erkenntnislehre, seiner Logik, seiner Wissenschaftstheorie, der Naturphilosophie, der Seelenlehre, der Metaphysik, der Politik und der Rhetorik, sowie seines Einflusses auf andere Philosophen und auf den Verlauf der Geschichte, sei hier auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen. (siehe Anhang)


Die Stoiker


Eine bunte und öffentlich zugängliche Säulenhalle (Stoa poikile), im antiken Athen, gab dieser Philosophenschule den Namen, die etwa um 300 v. Chr. Gegründet wurde. Die Philosophen Zenon und Kition waren die Gründer. Ihr Einfluss reichte bis in die Spätzeit des römischen Reiches vor allem durch und über Cicero. Weitere bedeutende Vertreter waren Seneca, Epiktet und Marc Aurel welcher Kaiser und stoischer Philosoph gleichermaßen war. Daher wird die Geschichte der Stoa in drei Epochen unterteilt: Die alte Stoa, gegründet in Athen, die mittlere Stoa, welche ihren Einzug in Rom fand, und die späte Stoa zur Zeit Senecas und Kaiser Marc Aurel. Rom und die römische Politik wurde somit stark von der Stoa beeinflusst. Die Stoiker gliederten ihre Philosophie in Logik, Physik und Ethik. Die Stoiker gingen von einem kosmischen Determinismus aus. Bis in die kleinsten Einzelheiten war das All darauf abgestellt, einen bestimmten Zweck zu erreichen. Es gibt keinen Zufall. Der kausale und zielgerichtete (teleologische) Lauf der Dinge ist eine festgelegte Ordnung der man nicht entfliehen kann. So schrieb Seneca: „Wer selbst will, den führt das Schicksal, wer nicht, den reißt es fort“ Der Freiraum des Menschen besteht in der Mitwirkung. Das Ziel des Menschen besteht darin „einstimmig“ mit der Natur zu leben. Kein Affekt darf das so gewonnene Glück zerstören. Stoisches Ideal ist die Apathie, also die Freiheit von Affekten. Im Leben des einzelnen Menschen ist die Tugend das einzige wirkliche Gut. Gesundheit, Wohlstand und Vergnügungen sind bedeutungslos. Die Stoa steht im schroffen Gegensatz zu den Hedonikern mit deren Lustprinzip. Die Stoiker vertraten ein pantheistische Theologie, wonach Gott nicht getrennt von der Welt ist, sondern Gott ist die Weltseele und jeder von uns trägt davon einen Teil - das göttliche Feuer - in sich. Aufgrund der beschriebenen Haltung und Lebensanschauung nehmen Stoiker selbst schlimmste Schicksalsschläge gelassen hin. Seneca ertrug seine qualvolle Selbsttötung, nachdem er des Verrates gegen Nero beschuldigt worden war, mit erstaunlicher stoischer Gelassenheit. Bis zu letzt war er bestrebt der Nachwelt das schönste zu hinterlassen, was er hatte: „das Bild seines Lebens“ Er hinterließ uns 124 Moralschriften.
Etliche Prinzipien der Stoa gelangten in die Christenheit und ihre Spuren sind somit heute noch sichtbar.


Der Neuplatonismus



Die letzte, bedeutende Strömung griechischer Philosophie (zwischen 200 und 500 n. Chr.) Eine Weiterbildung der Philosophie Platons in die außerdem noch stoische, aristotelische und mystische Begriffe Eingang fanden. Bedeutende Vertreter waren Ammonius Sakkas (175 bi 242 n. Chr.); Plotin (204 bis 270 n. Chr.) und Proklos (410 bis 485 n. Chr.) Der höchste Begriff ist der über alles erhabene „Eine“ (Gott) aus dem durch Ausstrahlung (Emanation) alle Seinsformen hervorgegangen sind auch die Schönheit. Als erstes ist durch Emanation der Geist (Nus) entstanden. Er ist die Sphäre der Ideen, der ewigen Urbilder. Die Weltseele ist Abbild dieses Geistes. Die Weltseele durchdringt und formt den Kosmos. In ihr enthalten sind die Einzelseelen, die sich mit Materie verbinden. Die Materie ist das Nichtseiende, das hässliche und vom Licht des „Einen“ am weitesten entfernt. Durch den Prozess der Reinigung mittels Kontemplation und schließlich Ekstase ist eine „Versenkung“ in dem „Einen“ möglich. Bezüglich weiterführenden Informationen und Einzelheiten über die verschiedenen Richtungen des Neuplatonismus sowie dessen Auswirkungen auf die frühchristliche Philosophie sei auch hier auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen.
Vom Neuplatonismus ist zunächst die Patristik (2. bis 7. Jahrh. bes. Augustinus) die Scholastik (9. bis 13. Jahrh.) und Mystik des christlichen Mittelalters entscheidend geprägt worden bis hin zur Renaissance. Die Spuren des Neuplatonismus finden sich sogar in philosophischen Systemen der Neuzeit, wie z. Bsp. Im deutschen Idealismus.

 

 

 Bücher zur Philosophie

[nach oben]

 

 

 

H A U P T M E N U

S U C H E

B E S U C H E R

Content View Hits : 138766