ANTIQUA Online Magazin

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Mystik


(wird noch bearbeitet)

 

Medizinmann (Schamane) des Shona-Stammes am Zimbabwefluß/Zimbabwe (1989)

(Copyright by Hans Hillewaert - Wiki-Commons)

 

 

Schamanen - Schamanismus  

Schriftlose Religion ohne Dogma und Exegese

In kurzen Worten könnte man sagen, dass der Schamanismus eine Religion von schriftlosen Völkern ist/war. Mit wenigen Ausnahmen, beispielsweise in Nordkorea oder Nordchina, wo die Lehren des regionalen Schamanismus in einer den Menschen eigentümlichen und regional/lokal "einmaligen"  Bildschrift festgehalten wurden, blieb der Schamanismus quasi weltweit eine mündlich überlieferte Religion von Völkern, denen die Schrift als solche unbekannt war/ist.. Ähnlich dem Druidentum, dem auch die schriftlose Überlieferung nachgesagt wird, überträgt sich die schamanische Religion vom Lehrer auf den Schüler, bzw. lebt in den Generationen weiter.

Abgesehen von den wenigen und regional meist unterschiedlichen Bildschriften, gab es keine Methode, welche eine nachweisliche, schriftlich gefestigte Lehre ersetzt hätte. Der Nachteil dieser Form der Überlieferung ist der zwangsläufige Verlust von Details oder Phasen in der Entwicklung, bzw. im Weiterleben dieser Weltbetrachtungen und die, durch die mündliche Weitergabe ebenso zwangsläufigen Erweiterungen, unwillentlichen Verfälschungen oder mangelhaften Übertragung. Ein Vorteil ist ohne Zweifel die Absenz jedweden Dogmas, da diese Religionen nie in katheschetische Regeln gepresst wurden und wegen der nichtschriftlichen Überlieferung ergo auch keine Schriftwerke zur Verfügung standen, die hätten nachinterpretiert werden können: keine Exegese!

Aspekte des urtümlichen Schamanismus, der im Prinzip auf der Person der amtierenden Schamanen aufbaut, findet man noch heute in den Regionen der Arktis, dem sibirischen Raum, im südlichen Altai, in Teilen Afrikas und in den Bergketten im Westen  Südamerikas, in verschwindend kleinem Umfang wahrscheinlich auch noch bei den australischen Ureinwohnern. Diese Weltbetrachtung ist in der Regel nur noch  in sehr wenigen kleinen, absolut minoritären Ethnien oder Stammesverbänden wirksam. Ihre Träger leben - vorwiegend jene im asiatischen Raum - bildlich gesehen, am Rande der jeweiligen Gesellschaft des Landes, in dem sie meist noch stillschweigend geduldet werden -  in winzigen, meist abgelegenen Dorfeinheiten, nicht selten in zwangsläufig inzestuöser Erfolge in Stämmen oder in isolierten Eremitagen. Die allermeisten von ihnen leben autark und sind in den kalten Jahreszeiten mitunter drei bis vier Monate komplett von der Ausssenwelt abgeschnitten. Telefon und sonstige Errungenschaften der modernen Welt "draußen" sind quasi unbekannt, größtenteils unerschwinglich und (vielleicht aus fataler Sicht)  "werden nicht benötigt".

Seit den Fünfzigern des 20. Jh. interessiert sich die Ethnologie in zunehmendem Maß für diese, wortwörtlich am Aussterben begriffene Religion, mit dem Ziel, unter anderem die Überlieferung mit der Hilfe von einheimischen Übersetzern schriftlich fest zu halten und die Wesensart dieser Menschen und ihrer Weltbetrachtung verstehen zu lernen.


Fama und Mythen

Karl Christoph Schmieder schreibt in seiner "Geschichte der Alchimie" über Merlin:

"Er durfte nur einen Magnet vorzeigen und einige Arzneien austeilen, so tat Fama das ihrige und übertrieb seine Leistungen bis ins Ungeheure".

 

Die Fama ist in ihrer Eigenschaft als unverbürgte Nachricht, als Gerücht für so manches Wohl und Übel in der Menschengeschichte ausschlaggebend. Sie ist sozusagen eine menschliche "Gewohnheit", eine gebräuchliche Art der Weiter- und Wiedergabe von Eindrücken, die auf Glauben beruhen und in der Regel nicht hinterfragt wurden und werden, sondern geglaubt und texto, mitunter ausgeschmückt  und erweitert als "angenommene Tatsache", als Mythos irgendwann im Kulturgut aufgehen.

Glaube, Religion, Gott und andere metaphysischen Phänomene basieren ausnahmslos alle auf ihrer Fama, ihrer Überlieferung, in anderen Worten auf einem Entstehungsmythos, die im Lauf der Zeit und der kulturellen und soziologischen Entwicklung ideologisch und traditionalistisch "erklärt, fundiert" und entsprechend den, in den jeweiligen Regionen des Planeten lebenden Menschen, dem jeweiligen Bewusstseins- und Kulturstand der Empfänger angepasst wurden. Sie passten sich so zusagen interaktiv den Bedürfnissen, den Vorstellungen und Weltbetrachtungen des Menschen an. 

Das Gottesphänomen, bzw. die "höchste universelle Macht/Kraft", oder wie immer man "es" be- oder kennzeichnen möchte, ist jeweils Voraussetzung, bzw. der maßgebliche Faktor für die Phänomene, die von der Fama "ins Spiel" gebracht wurden.  

Markante menschliche Repräsentanten sind aus der Praxis der Fama hervorgegangen und haben sich als kulturelle Funktionsträger einen Platz in unserer Gesellschaft "erobert". Für die vorwiegend christlich geprägte abendländische Bevölkerung mag die allgemeine Funktion des Papstes und seiner Akoluthen als Beispiel gelten. In der neuen heidnischen Szene sind es die Abbilder der keltischen Druiden der vorchristlichen Epoche, die Hexen des Spätmittelalters, oder die seit etwas mehr als einem Jahrhundert  über den Weg der stetig  wachsenden Kulturvermischung zu uns gekommene Tradition des Schamanismus. 

Während das Papsttum, sprich: die Kirche als solche(s) die Blase der Fama zugunsten einer staatlich und gesellschaftlich anerkannten Instanz verlassen konnte und mittels der von ihm/ihr postulierten Religion in die Psyche und die Neuronen der Menschen einen quasi unverrückbaren Haken einschlagen konnte, wandeln der Schamanismus (das Schamanentum) und das ihm verbundene Heidentum in unseren Breiten noch auf ihren Pionierepfaden. 

Was das Heidentum an sich heute betrifft, so zerreibt es sich noch immer an den Ansichten derjenigen, die  es – in der Hauptsache im Internet und zum Teil auch nur unter Pseudonym - auf ihre Weise und mit ihren Definition propagieren. Entwicklungsmäßig (und dies sei ohne Sarkasmus gemeint) bewegt sich das derzeitige Heidentum – analog mit der Entwicklung des Christentums, bzw. der seiner Religion(en) – noch irgendwo im 4. Jh. vor dem Konzil von Nicäa, an dem erste und maßgebliche lithurgische und vereinigende Abkommen getroffen wurden. Dementsprechend hat das Heidentum noch etliche Zerreißproben vor sich, denn sollte es denselben Leidensweg wie das Christentum gehen müssen, bzw. den der christlichen Kirche, so werden noch viele Propheten und Apostel vonnöten sein, um es das nächste Jahrtausend am Leben zu halten. Oder sollten die heutigen Heiden ihre Religion lediglich nach dem "nach mir die Sintflut-Prinzip" praktizieren, solange eben, wie sie ihnen und ihrer romantischen Nostalgie von Nutzen ist? Auch diese Auffassung ihrer Religion ist den meisten Christen nicht abzusprechen. 

Die Popularisierung 

Die Frage, was ein Schamane sei, wessen er sich annimmt, was er tut, wie er es tut und wie man Schamane werden kann, sind an sich noch immer unbefriedigend beantwortet worden, manchmal mit dem lapidaren Hinweis auf Berufung oder "angeborene Gabe" und dem vagen Hinweis auf Einflüsse diverser Unter- bzw. Anderswelten. Die Frage, ob ein okzidental geprägter Mensch überhaupt traditionell schamanisch tätig werden und sein kann, wurde hingegen seltener gestellt. Genauso wie die Frage, ob ein kulturell "europäisch" erzogener Mensch mit all seinen erworbenen Ansichten und Eigenschaften, seiner "okzidentalen Art und Weise" zu denken und zu assoziieren, beispielsweise afrikanische oder fernöstliche, religiöse und weltanschauliche Denkweisen nachvollziehen, ergo auch "verstehen" und umsetzen kann? Dass insbesondere fernöstliche Weltanschauungen/Religionen in unseren Breiten von vielen angenommen wurden, setzt keinesfalls voraus, dass die auch verstanden und im Leben umgesetzt werden/wurden. Dieselben Zweifel könnte man logischerweise auch in Bezug auf den, sei es aus Nord- und Südamerika, aus Sibirien oder dem Altairaum oder Afrika "importierten" Schamanismus anwenden.  

Seit der Schamansmus im 18. Jh. erstmals offiziell erkundet wurde, hat er trotz nicht immer schmeichelnden Definitionen der "Forscher" wie z.B.: "Sitte und Gebrauch, überholte Tradition, zauberhafte Folklore,  Religion, Magie u. Zauberei, machthungriges Priestertum, nostalgische Heiligenverehrung, kindische Weisentheorien, Herumhüpferei, Schmarotzerei und Scharlatanerie" kaum an wachsender Popularität eingebüßt. Im Gegenteil wird er nunmehr auch als Möglichkeit einer alternativen Behandlungsmethode in Betracht gezogen. Sie dies nun deswegen, weil es entsprechende Lobbyisten gibt, die sich aus seiner Anerkennung einen Gewinn versprechen, oder aus einer ängstlichen Unzufriedenheit oder wachsenden Skepsis vieler Menschen gegenüber der akkreditierten Medizin. Eines ist jedenfalls sicher, die Fama hat auch hier ihre Spuren hinterlassen.  

Seit "Hair" 1968 am Broadway aufgeführt wurde, geht die Fama des Wassermannzeitlaters um und der Mensch entdeckte – jenseits der Barrikanden, der fliegenden Pflastersteine, der brennenden Autos und der ideologischen Verbannung des Mief aus den Talaren – seinen geheimen Wunsch, sein Bewusstsein zu erweitern, zu einem höheren, einem edleren, einem kosmischen Bewüstsein. Das an Jesus gebundene Zeitalter der Fische war dem des Aquarius gewichen und wie es der Zu-fall wollte, tauchte klammheimlich grünes Denken auf und das Heidentum erlebte seine zweite Renaissance. Gut und Böse wurde revalorisiert und die Divinitäten aus den Mottenkisten geholt und wiederbelebt. 

Im Schlepptau dieser Entwicklung machte der populäre Schamanismus von sich reden. Ein Schamanismus, der jedoch in unseren Breiten so neu nicht war, aber im Zuge der Christianisierung Europas verboten worden war und mit der Zeit verschütt ging.  Was die Nomadenvölker einige zwei- dreitausend Jahre vor der Zeitwende auf ihren Wanderungen über den Nahen Osten und den extremen Norden nach hier importierten und mit neuer Bezeichnung im Druidentum aufging, war dem Vergessen anheim gefallen. Es bedurfte eines zweiten Imports, um ihn wieder in den Gemütern wachzurufen. Die Shambala schien wieder Einfluss auf den okzidentalen Geist nehmen zu wollen. 

Schamanenarbeit 

Das Schamanentum galt lange Zeit sowohl als Religion, als auch als religiöse Technik und war als Tradition, bzw. als Phänomen in seiner regionalen Spezialität zeitlich und räumlich begrenzt. Die verschiedenen "Arten" des Schamanentums entsprachen den Traditionen, den Überlieferungen und Glaubensimpakten der jeweiligen Stämme und Ethnien und waren in der Arktis, Nordeurasien, Australien, Afrika und den nord- und südamerikansichen Ureinwohnern Bestandteil der Kultur, die – ähnlich wie im Keltentum – das Sakrale nicht vom Profanen trennte, ein Aspekt, der heute noch im muslimischen Glaubensraum vorherrscht. 

Schamanismus als Religion, mit dem Schamanen als Funktionsträger, bestimmen im allgemeinen das gesamte Denken und Handeln der Gläubigen, ergo kommt dem Schamanen grundsätzlich - analog zum Christentum – die Rolle/Aufgabe eines Priesters und – analog zum europäisch-keltischen Heidentum – die Rolle/Aufgabe eines Druiden zu. Allen Dreien wird die Fähigkeit des Kontaktes mit den Anderswelten zugeschrieben, Welten, die sie – durch Meditation oder ihre Gabe in Trance geraten zu können – bereisen und dort Stimulation, Hilfe und Rat suchen und/oder erbeten um ihrem Stamm, bzw. ihrem Volk als Vermittler des divinatorischen Willens zu dienen. In seiner Eigenschaft als Vermittler, bzw. als Kontaktperson zu transzendenten Gefilden soll der Schamane Schutz geben und vor bösen Geistern/Einflüssen bewahren können. Er soll verirrte, ruhe- und heimatlose Seelen und verlorene Seelenanteile finden und die Seelen der Verstorbenen ins Totenreich geleiten können. Er würde, je nach Definition, mit dem Totems und Krafttieren seiner Hilfesuchenden in Kontakt treten, die Seelen von Jagdtieren einfangen und deren Eigenschaften je nach Bedarf auf bedürftige Schwache übertragen können.

 

Zu diesen seinen Zwecken tritt er in der Regel in Trance ein, die er mittels diverser und regional eigentümlicher Utensilien und durch seine eigene Kraft herbeiführt. In Trance tritt er eine Reise in andere Sphären an, in überirdische, supranatürliche Welten, die Unter- oder Anderswelt, oder zum Weltenbaum im Zentrum der Welt, wo es besonders Auserwählten gegeben ist, in die göttlichen Gefilde(Himmel) aufsteigen zu können. Mitunter sei es nur die Seele des Schamanen, die auf Reisen geht, sein Körper hingegen fungiere als "Gefäß", das herbeigerufene Ahnengeister oder Götter aufnähme und sie durch seinen Mund sprechen und sich offenbaren ließe. Auf profanerem Terrain soll er Kranke heilen und fungiert in der Regel als Zeremonienmeister. 

 

Dieses vielseitige Amt, oder diese Funktion, wie dem auch sei, (laut Definition der eines Druiden sehr ähnlich) sei eine, dem Träger von den Wesen der Anderswelt auferlegte Verpflichtung, eine Berufung, ähnlich der eines Priesters, und würde Aussagen gemäß meist als schmerzhafte Bürde und schwere Verantwortung geschildert. Die Berufung erfolge schon vor der Geburt durch die Götter und würde beim Jugendlichen im Alter der Pubertät von Eingeweihten bestätigt, so dass der/die Jugendliche seine/ihre Ausbildung bei einem älteren Schamanen antreten könne. 

 

Okkulte Einflüsse und Verballhornungen 

 

Um dem hiesigen,  "modernen" Schamanismus näher zu kommen, dürfen wir die antirationalen und antisäkularen Einflüsse vor allem des New Age, aber auch jene des mehr nostalgisch, denn nützlich wiederbelebten, spätmittelalterlichen Okkultismus und die Sehnsüchten und Wunschvorstellungen  der mitunter märchenhaften Esoterik nicht außer Acht lassen. Zum neuen Schamanismus allgemein gehört mehr. Es umfasst, sei es nun als trendy Strömung oder als mehr oder weniger gelebte Weltbetrachtung/Religion beispielsweise auch Aspekte der in den Siebzigern ins Rampenlicht gerückten Jugendsekten und dem Sektierertum schlechthin. Gleichzeitig streift er den wieder aufgelebten Spiritismus, das noch immer aktuelle Interesse an der steinerschen Anthroposohie und nicht zu übersehen, diverse Elemente dessen, was der christliche Okkultismus als seine Gottes- und Teufelswesen propagierte.

 

Der populäre Schamanismus, wie er im Internet propagiert oder auf diversen Seminaren gelehrt wird, hat im Grund nur noch ansatzweise mit dem Ursprünglichen zu tun und entwickelte eine – wie es heißt – zeitgemäße und den jeweiligen Bedürfnissen angepasste Variante.  

Zu alten und immer wieder aufgegriffenen  Denominierungen für die so genannte universelle Energie (Prana, Chi, Ka, Baraka, Yesod oder Weltäther) gesellen sich moderne Begriffe wie Orgon- oder Bioenergie. Letztere beiden sind der modernen Psychologie entnommen und werden in mystifizierter Abwandlung der alten magischen Idee "einer fließenden, universalen, kosmischen Energie" gleichgestellt.

 Gleichzeitig mit der Formulierung, bzw. Abwandlung neuerer Terminologie werden antike Begriffe wie Geister, Dämonen, diverse Luftwesen usw wieder eingeführt um Abläufe, Umstände und Zusammenhänge zu illustrieren. Mythen und Legenden werden individuell passend gedeutet und Urkulturen und deren Riten mitunter bis zur Unkenntlichkeit mystifiziert.  

Diskretion, bzw. Verschwiegenheit werden jeweils garantiert, was natürlich auch die Praxis und die Sophien des Schamanismus mit einbezieht, so dass der interessierte Laie sich zwangsläufig mit allerhand an den Haaren herbei gezogenen und märchenhaft verbrämten "Erklärungen" zufrieden geben muss. In einer Zeit, in der Transparenz auf allen Gebieten gefragt und gefordert wird, erscheint die mangelhafte Information über den Schamanimus und den Schamanen als solchen als Geheimniskrämerei nach der Tradition der vorreformatorischen Geheimbünde. Dass diese Taktik der Glaubwürdigkeit des Schamanentums an sich, dem ich keinesfalls redliche Absichten absprechen will, allenfalls eine Verschlimmbesserung und dem Image des modernen Schamanismus nicht unbedingt zuträglich ist, scheinen die meisten Vertreter dieser Kunst noch nicht erfasst zu haben.  

Dabei könnte der Schamane, der in sich offenbar die Qualitäten eines Seelsorgers, eines Psychotherapeuten, eines Philosophen, eines Visionärs, eines Heilers, eines Lehrers usw. vereint, oder zu vereinen vorgibt, durchaus der Avantgardereiter zu einer aperspektivischen Bewusstseinerweiterung beim Menschen sein. Dieses Ziel  wird er aber kaum mit, in marketing-orientierten Internetshops oder Trendboutiquen erstandenen Trommeln, Rasseln, tinguisischer oder amazonischer Verkleidung, dem offenbar obligaten Joint vom Dealer unten an der Straßenecke und unqualifiziertem Gelaber auf diversen Internetseiten erreichen, sondern mit der höchstwahrscheinlich schmerzhaften Erfahrung eines einsamen Rufers in der Wüste, dessen Worte und Taten man erst – in Anlehnung an Nietzsche – übermorgen verstehen wird.  

Da von den neuen, derzeitigen Schamanen im Grunde kein(e)r auf "eigene Wurzeln", bzw. die Kenntnis einer exakten Lehre oder auf eine urtümliche, archaische und schriftlose, zwangsläufig aber durch die Zeit verschlimmbesserte und ihm persönlich von einem Altschamanen vermittelte Einweisung zurückgreifen kann, wird er/sie ergo nur ein vages Abbild dessen praktizieren können, was gemeinhin als Schamanismus herumgereicht wird.

Ungnädigerweise hat er also die Verantwortung, das zu sein, was er vorgibt zu sein, bzw, sich bei sich selbst zu seinen tatsächlichen Fähigkeiten zu bekennen und diese so einzusetzen, dass sie seiner Selbstdarstellung entsprechen. Wenn er ehrlich und redlich ist, kann ihm nichts passieren, das er als Mensch nicht verantworten könnte.

Zur Zeit verschwinden die herzlich wenigen, möglichen, redlichen und  ernst zu nehmenden  Schamanen noch kaum wahrnehmbar hinter einer dichten und äußerst lästigen Staubwolke von selbsternannten, phantasiearmen und klischeehaften Trittbrettfahrern einer falsch verstandenen, willkürlich interpretierten und individuell aufgemotzten Ur-Tradition, … um des narzistischen Egos, der eigenen Gnaden und nicht zuletzt um des eigenen Portemonnaies wegen. 

Fern 

p.s.:

Der Lesbarkeit halber ist hier nur von Schamanen die Rede, womit freilich sowohl die weiblichen als auch die männlichen Vertreter gemeint sind.

 


 

Auszug aus der AGB eines Magieanbieters im Internet. 

 

Kommentar überflüssig 

 

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