ANTIQUA Online Magazin

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Mystik


 

Magie

Magie  von Rembrandt 

 

 

 

 

Die Magie als Begriff – wollen wir sie als solche sehen – müssen wir zuerst von ihrem pseudo-esoterischen Ballast befreien. Auf diese Weise kommen wir zu den Ursprüngen. Die sind dort zu finden, wo die erste Bewußtseinsstufe des Menschen oder seines biologischen Vorgängers ansetzt - in der archaischen Zeit der menschlichen Entfaltung, als "alles" noch "magisch" war, was er mit seinen ihm noch unbekannten und untrainierten Sinnen aufnehmen konnte. Er kannte nichts, wußte nichts und hatte nur die biogenetischen Information, die er von seinen Urahnen "geerbt" hatte. Er war sozusagen noch ohne eigene Identität in einer Welt, die er null-dimensional wahrnahm. Er war keine Unität, sondern Bestandteil von allem und zugleich alles. Alles was er erlebte, war Zu-fall, weil alle Erfahrungen und Erkenntnisse ihm zu-fielen.
Obwohl der Mensch schon damals beseelt war, war es eine „noch schlafende Seele“, sozusagen bewußtseinsfern, (J. Gebser) die im und mit dem damaligen Menschen noch nicht wirkte, weil es noch keinen austauschenden Verkehr mit der Umwelt gab. Man kann diesen Bewußtseinsstand mit einem Zitat aus der wohl ältesten chinesischen Überlieferung des Dschuang Dsi illustrieren: „ Die wahrhaften Menschen der früheren Zeiten schliefen traumlos…“.

Träume sind seelische Manifestationsformen, ergo sind Menschen, die traumlos schlafen noch im Zustand einer schlafenden, nicht aktiven Seele. Das Unbewusste (Freud) ist noch nicht existent, da es keine Erinnerungen, keine interpretierten Eindrücke oder sonstige Traumata gibt, die ein vorhandenes Unbewusstes ausmachen würden. Wer keine Identität hat, kein Wissen und keine Differenzierung kennt, dessen Seele (Dschuang Dsi) „ pflegt im Schlaf (keinen) Verkehr“.

Ein weitere Aussage über die Bewusstseinslage der archaischen Struktur findet sich in der Farbensymbolik der frühzeitlichen chinesischen Kultur. „T´sing“ bedeutete sowohl blau als auch grün (Farbe des Himmels wie die der sprossenden Pflanze) so dass es offensichtlich noch keine Differenzierung zwischen dem heutigen blau und grün gab. Die erste Aussage ergibt – untermauert von der zweiten – die damalige Struktur der Gegenüberlosigkeit, des Ungeschiedenseins. Gnostisch könnte man sagen, daß seinerzeit der Mikrokosmos noch in voller Harmonie zum Makrokosmos stand – eine problemlose Identität von Mensch und All. Plato interpretierte es in etwa dahingehend, daß die Seele – weil schlafend – wirkend inexistent war. Erst mit ihrem Erwachen wurde der Himmel blau und somit: „ die Seele ist zugleich mit dem Himmel“.

Nach Jean Gebser folgt auf die archaische Struktur der Identität (null-dimensional) die eindimensionale „magische Struktur“, mit welcher der Mensch in einer gleitenden Entfaltung zur Unität wächst. Der Mensch wird aus dem Einklang herausgelöst, bzw. löst sich selbst heraus, dadurch daß er sich „etwas“ gegenüber sieht. Dieses schemenhafte Gegenüber wird eindimensional erkannt und nach einer langen Entwicklung „gewusst“, ein erstes Wissen, das gleichzeitig den „traumlosen Schlaf“ beendet, da das Unbewußte sich mit ersten Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen zu füllen beginnt. Nunmehr „verkehrt seine Seele im Schlaf mit seinen im Unbewussten gespeicherten Informationen“.

Je mehr ihm seinen Unität „bewusst“ wird, desto schneller klammert er sich von „Allem“ aus und wird umweltsozial zum Einzelgänger um dann in einer Gruppe, einem Clan oder der Sippe mit „Seinesgleichen“ zusammenzufinden.Wir befinden uns in der „magischen Phase“ seiner Entfaltung. Er wird zum Macher. Eine indoeuropäische Sprachwurzel ist „mag(h)“, was soviel wie „machen, Maschine, Mechanik und Macht“ bedeutet. Das Wort „Magie“ seinerseits geht auf das aus dem Griechischen kommende persische Lehnwort „mag“ zurück und Letzteres stammt währscheinlich aus derselben indoeuroüäischen Sprachwurzel. Degleichen gilt für das persische Wort „Magusch“, das „ursprünglich die mit priesterlichen Funktionen betrauten Männer der Medier bei der Ausübung der Kulte der altiranischen Religion und des Zoroastrismus“ (KRH Frick) bezeichnete. Dieses Wort wurde später von Römern übernommen, latinisiert und zum „magus“. In Unkenntnis der ihnen fremd gebliebenen Bräuche und geistig-intuitiven Fähigkeiten der persischen „Magusch“ wurde bei den Römern und Griechen der „Magier“ zum Zauberer und Sternendeuter.
Die Magie (griechisch > μαγεία) wurde bei dem Römern zur „ars magica“, wobei „ars“ als Begriff für Wissenschaften steht, obwohl schon damals Zweifel am wissenschaftlichen Charakter der „Magie“ bestanden. Im Mittelalter waren die magischen Künste als „artes secretae, artes interdictae, artes malae“ u.a. bekannt und behielten ihren Namen bis in die Neuzeit hinein. Spätestens, als der papstkirchliche Teufel – der schon sehr früh als Meister der Zauberei gebrandmarkt worden war – ins Spiel kam, war die dunkle Magie, die „ars daemonis oder diabolica“ geboren und stellte die „schwarze Seite der Magie“ (magica nigra vs. magica alba).

Die Magie wurde von der Anthropologie und der Ethnologie als kulturelles und soziales Phänomen (warum nicht auch ein religiöses ? ) interpretiert und von der Papstkirche verteufelt, ungeachtet dessen, dass beispielsweise in klerikalen Kreisen selbst hohe Würdenträger (Albertus Magnus, Roger Bacon, Paracelsus, Agrippa, Trithemius u.a.), selbst Päpste die Magie übten und sich in Verließen und Kellern heimlich der Alchimie hingaben.
Schauen wir wiedere zurück in archaisch-magischere Zeiten, wo die „ersten magischen Rituale“ – ohne dass die damaligen Praktikanten es „Magie“ genannt hätten – u.a vor der Jagd zelebriert wurden. Höhlen- und Wandmalereien zeigen beispielsweise ziemlich häufig von Pfeilen oder Speeren getroffene Tiere. Solche Aufzeichnungen in Form von Bildern oder später auch Symbolen lassen sich in allen Kulturkreisen zu allen Zeiten feststellen. Dies sind nun keine „Dokumente“ der frühen Menschen, die uns dadurch hinterließen, mit was oder wie sie ihre Jagdbeute erlegten, sondern es sind in der Regel „aufgezeichnete Rituale“, die zuerst wohl in Höhlen auf Wänden und viel später „unter der Sonne“ im Boden gezeichnet wurden und der eigentlichen Jagd als „Bannung“ vorausgingen. Dadurch, dass sie im Laufe der Zeit aus der Höhle heraus in die Sonne kamen, weist auf eine gewisse mythische Macht hin, die die Menschen der Sonne zuschrieben. Vor Sonnenaufgang zeichnen noch heute – wenn auch nur noch recht wenige – eingeborene Jäger in Mittelafrika ihr Beutegut in den Boden oder Sand. Dort wo der erste Sonnenstrahl hinfällt muß der Pfeil oder der Speer die dadurch „gebannte“ Beute treffen. Dadurch wird die „Bannung“ erfüllt und die „Magie“ vollzogen. Gleichzeitig wird die Tötung nicht mehr zum menschlichen Akt, sondern rituell der Sonne (als Gottheit) überantwortet.

Derjenige, der das Ritual der „Bannung“ erfand, war wohl ein Magier, der es in den Augen seiner Mitjäger fertigbrachte, die Sonne zu seinen Diensten zu „machen“. Er hatte sozusagen „Macht“ über die Sonne, wobei wir wieder zu der indoeuropäischen Sprachwurzeln zurückgekommen wären. Aus dem null-dimensionalen Menschen war ein eindimensional aufnehmender und urteilender Mensch geworden, ein Macher, der mit seiner „Macht“ seine Zeitgenossen beeindruckte, ein der magischen Kunst Kundiger (Magusch > Magier) „Der Magier oder Zauberer und mit ihm seine Anhänger, Bewunderer oder „Verzauberten“ glauben an die mögliche Erzeugung übermenschlicher Kräfte, um so mit Hilfe bestimmter Zauberformeln und Riten oder durch Streben nach einer völligen Übereinstimmung des eigenen Willens mit Gott oder den (Elementar-)Geistern ihr gewünschtes Ziel zu erreichen“. (RKH Frick)Aus dieser Denkweise entwickelte sich allmählich eine schon systematisierte, ansatzweise rationale Institutionierung von Mitmenschen, die solche Fähigkeiten beherrschten. Es waren dies besonders „gezeichnete“ und auserwählte Personen, die das System beherrschten: die Magier, oder in jenen Zeiten die Schamanen.

Weiße und schwarze Magie


In der weiteren Entwicklung (wir befinden uns mittlerweile nach Jean Gebser in der mythischen Phase der Bewusstseinswerdung) wurden aus „wirksamen Riten“ symbolische oder sakrale Handlungsabläufe. Analogieschlüsse, Sympathien und Berührungen waren neben der ekstatischen Versenkung zwecks Einigkeit oder Annäherung an die Götter die anerkannten Aufgaben der Schamanen.

Viel später entwickelten sich je nach Sichtweise der Beurteiler zwei „Arten der Magie“. Man unterschied zwischen Schadens- und Segensstiftung und nannte jene, die Schaden zufügte „Schwarzkunst“ und die segenbringende „Weisskunst". W.E. Peuckert unterscheidet neben der „magia illicita“ (der schwarzen, verteufelten Magiekunst) noch zwei weitere Arten (Wege zu den Lichtern) innerhalb der sogenannten weissen Magie: den Weg des „lumen naturale“ (rechter Weg > Theo- und Pansophen - einfach umrissen eine rein geistige Magie, metaphysisch ausgerichtet und Grundprinzip aller geistig ausgerichteten Orden und Bünde) und den der „magia naturalis“ (linker Weg > u.a. Agrippa, Paracelsus <> Gold > Stein der Weisen[Gral] > Annäherung an das Göttliche usw...) In der Forschung wird die Nigromantie (schwarze Magie) mit einer gewissen Bereitwilligkeit gerne unterschlagen oder mit wenigen Worten abgespeist. Guillaume d´Auvergne unterscheidet im Mittealter erstmals eine göttliche magia naturalis von einer destruktiven magia daemonica und Thomas von Aquin lehnt die Magie als solche als unwissenschaftlich und „dämonisch“ ab.
Sie ist - und das verdanken wir u.a. ihrer Negierung bzw. Isolierung - durch den pejorativen Charakter, den man ihr bescheinigt, in den letzten Jahrhunderten paradoxerweise (was verboten ist macht neugierig) zur absoluten Magie geworden. Die sog. weiße Magie, als "guter Lichtbringer", degenerierte zum willfährigen Spielball zahlloser Pseudo-Okkultisten. Als gute Magie wurde sie von prominenten Vordenkern wieder aus der vonAquinschen Verbannung des "ketzerischen" geholt.

Luther über die Sophisten:"...es sind kunstreiche Leute, das sage ich dir fürwahr, es gehet alles hie mit der weiszen kunst zu und nicht mit schlechten kräutern...". Die Neuplatoniker gaben ihr ihren Segen und erklärten sie für göttlich. Die Magia Alba wurde schießlich Bestanteil „der als „Geistkunst“ zu bezeichnenden Theosophie und Pansophie“ (KRH Frick)

Formeln zur Entschlüsselung 

Für unsere Zeit ist die Magie ein Versuch, Formeln zur Entschlüsselung des Metaphysischen zu liefern und erscheint als Machtanspruch des menschlichen Geistes und seines Herrschaftsstrebens. Für den Zuschauer oder den Erlebenden ist sie eine Befriedigung durch die gedankliche Schau des Metaphysischen, ein gnostisches Instrument, das sich noch heute in Form von einzelnen Restaspekten in den Sakramenten (Messe als magisches Ritual) der katholischen Kirche wieder findet. Magie heute, bedeutet im weitesten Sinne, rational Unmögliches mit "magischen Mitteln" zu bewirken.( Zumindest wird sie in ihrer populären Form ungefähr so dargestellt) Da dies gedanklich, psychologisch und metaphysisch meines Erachtens ein Absurdum darstellt, kann die Magie – so wie sie schon fast kommerziell banalisiert wird – gar nicht funktionieren. Daß sie es offenbar doch tut, liegt an einem archetypischen Bestandteil der menschlichen Psyche, den der Mensch als „seinen Anker zur Frühzeit des Menschen“ als Ur-Erinnerung an „magische Zeiten“, in sich trägt: etwas, das ich nicht kenne, verstehe oder nachvollziehen kann ist ein Geheimnis, ein Mysterium, Magie.

Die Konsequenz aus dieser Schlussfolgerung ist in der Regel eine emotionale Reaktion und wiedererweckt u.a. das spätarchaisch- magische Aufkeimen der Ur-Angst vor dem unbekannten, unerklärlichen Phänomen, …. und mündet – da der Mensch sich nicht dagegen wehren kann – in Unterwerfung aus Selbstschutz, sprich: in Glauben und Huldigung, die einzige Erfahrung, die der archaische Mensch umsetzen konnte, nach dem ebenso archaischen Gesetz: friß oder stirb – eine Erfahrung, die – wie die Tiefenpsychologie bewiesen hat – tief in unserem Unbewussten verankert ist.

Die Essenz dieser Verhaltensweise ist unsere archetypische Erbschaft, als emotional abrufbarer Effekt. Dieser Effekt wird jeweils dann abgerufen, wenn der „wissenschaftliche, mentale Mensch“ trotz seines Wissens oder gerade deswegen mit Phänomenen konfrontiert wird, die er sich nicht erklären kann. Das mag wohl daran liegen, dass gestapeltes Wissen nicht gleich Weisheit ist, ergo ist Wissen nichts das man „sein“ könnte, sondern lediglich etwas das man „haben“ kann. Eigentlich verhalten wir uns noch immer wie unsere Urahnen damals. Wir können zwar schon vieles erklären, aber noch nicht alles. Das was noch zu klären bleibt, ist „Magie“. Als Qualitätsbestimmung und Differenzierung sind die Farben der diversen "Magierichtungen" (dabei gibt es nur eine Magie, sie wird lediglich in verschiedene Richtungen gelenkt(gezielt) und zu verschiedenen Zwecken ge(miß)braucht) unerheblich. Sie artikulieren eine Trennung, die durch die Farbgebung die Gegensätzlichkeit symbolisch hervorheben wollte. Den Effekt, der dadurch haften blieb, erlebt man je nach Gefühlszustand und Intellekt, … oder auch nicht. Die Interpretation der Farbe schwarz (einige sind der Auffassung das sei keine Farbe, genau wie weiß) ist zudem älter als die angewandte Magie, geht auf sehr frühe dualistische Erlebnisse(Bestimmungen) zurück und wurde wohl als Definition des Unbekannten, Unheimlichen, Undurchsichtigen (Nacht, Finsternis > Angst, Ungewisses) schon in archaisch-magischen Zeiten als Wert geprägt.(Gegenpol > Licht, hell, übersichtlich, freundlich etc.)

In Bezug auf die „schadenbringende Nigromantie“, genauso wie im Zusammenhang mit der „segenbringenden Magia Alba“, und besonders auf der „wohlfeilen Verballhornungen“ beider Varianten in der heutigen, populären Deformierung, sollten wir relativieren. Es gibt nichts, was unilateral wirkt.

Alles wirkt gestreut
und bewirk unterschiedliche Ergebnisse: Gutes kann sich schlecht auswirken und umgekehrt. Worauf ich hinaus will, ist, daß in der heutigen, populären „okkulten Magie“ u.a. mit Begriffen wie "Dämon" oder "Satan", Engeln oder Helfern gearbeitet wird. Diese Begriffe sind heute in ihrer negativistischen, bzw. positivistischen Belastung schon fast lächerliches Allgemeingut, Anachronismen. Eine Magie, die sich solcher effektheischender Mittel bedient, möchte ich kurzweg als "Täuschung" bezeichnen - als Magie-Abklatsch, der sinnigerweise von der mittelalterlichen "Verteufelung" einer recht agressiven Papstkirche profitiert, um ihrem "Okkultismus" einen passenden „schwarzen“ oder „weissen“ Hintergrund zu geben.
In jener Zeit als Leonardo da Vinci sozusagen die Perspektive (Mehrdimensionalität) erfand und sich diese Erfindung mit überwältigender Macht in allen kulturellen Bereichen wirkungsvoll niederschlug, war ein Nährboden gegeben, der auf „magischen Gebiet“ ungemein fruchtbar war. Aus dem raumlosen Denken und Schauen (siehe darstellende Kunst, Malerei in jener Zeit und davor) wurde perspektivisches Sehen und Raisonnieren. Es war eine Phase der Mutation des menschlichen Bewusstseins.

Die Alchimie erlebte ihren okkulten Höchststand, die Astrologie war mittlerweile fast gesellschaftsfähig und die Kräutermagier und Lichtbringer sammelten sich in Logen und Bruderschaften. In jenen Jahren wurden die "bösen Geschöpfe", welche die frühmittelalterlichen Kirche recht eigenwillig kreiert hatte, paradoxer- oder ironischerweise ausgerechnet durch sogenannte Häretiker in der okkulten Praxis bestätigt, um nicht zu sagen, "negativ gesellschaftsfähig" gemacht.

Die Dämone und Sheitane sind/waren in ihren Ursprüngen jedoch absolut nichts "Dämonisches" oder "Satanisches" in dem Sinne der heute geläufigen Interpretation. Ursprünglich hatten sie eine vergleichsweise wertfreie Definition, jedenfalls nicht die, die ihr durch die Dogmatiker und Kathecheten der frühmittelalterlichen Papstkirche verliehen wurden, um einen zweckorientierten ethischen Dualismus zu illustrieren.

Meine Schlußfolgerung daraus: Okkultismus, der auf falschen Voraussetzungen aufbaut, ist per Definition ein Scheinding, kann ergo nichts wirklich Okkultes bewirken. Als einfaches Beispiel: wenn ich ein altes, ursprünglich blaues Auto nehme und es gelb anstreiche, ändert es dadurch seine Eigenschaften als Gefährt nicht. Es bleibt ein ehedem blaues Auto mit denselben Funktonen und Innereien wie zuvor, lediglich die "Erscheinung" hat sich verändert.
So ähnlich verhält es sich mit u.a. Dämonen und Satan, blättert man ihre etymologische und mythische Geschichte zurück.

Allein dadurch daß ich "etwas" (z.B. Satan oder einen Dämon) mit Eigenschaften belege, wird "es" sie dadurch nicht annehmen, bzw. dadruch seinen Charakter ändern. Ergo kann ich ein ehedem wertfreies "etwas" nicht durch meine Neuinterpretation von heute auf morgen beispielsweise "niederträchtig, hämisch, bösartig usw" werden lassen.

Okkultismus oder Magie, die bewußt auf Dämone oder Satan als definierte negative Werte aufbauen, sind schlicht Scheindinger, weil sie auf falschen Prämissen aufbauen, die ergo in falschen Konklusionen münden. Eine solche Magie führt sich selbst ad absurdum. Aus meiner Sicht und abgeleitet von „der magischen Zeit“ als erste Bewußtseinsstufe des Menschen, ist magisches Denken und Handeln die Konsequenz aus und die Reaktion auf eine(r) Konfrontation mit Unbekanntem. Unser ganzes Streben und unsere Entfaltung ist meines Erachtens eine Suche nach Erklärungen, im Endeffekt noch immer die Suche nach unserer Identität . Da wir, weil wir eine kontinuierliche Entfaltung durchleben, eigentlich nie „unseren letzten Stand der Dinge“ zu Ende analysieren können (die letzte Erkenntnis bewirkt eine neue Erfahrung, die in einer Erkenntnis münden kann usw..) und weil uns immer eine Frage offen bleiben wird, werden wir wohl nie unsere Identität – unser Ich – vollkommen ergründen können. Dies bedingt, daß wir aufgrund dieser Erkenntnis auch nie den Anspruch erheben können, die absolute Wahrheit zu kennen. Deshalb bleibt immer ein Quentchen Magie.
 *

 

 

 

 

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