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Mystik


 

Gnosis

Der uns aus dem griechischen überkomme Begriff Gnosis γνώσις (Erkenntnis des Übersinnlichen) steht sozusagen für die Geburt aller philosophisch-esoterischen Spekulation und manifestierte sich in seiner ersten Definition um das 3. Jh. n.Chr. im neupersischen Raum (beeinfluß durch das indische Rigveda [Sanskrit > Wissen], als die „durch die Sinne sichtbar treibende Kraft alles Geschehens“ (Hans Leisegang).Dementsprechend stammten auch die ersten großen Gnostiker ausnahmslos aus dem Osten und vertraten den indo-iranischen (persischen) Dualismus “der Lehre einer Teilung des Weltgrundes in zwei gleichgroße, ursprüngliche Seinsmächte“ (Karl R.H. Frick).

Durch eine starke Beeinflussung der Religion Zoroasters (Zarathustra) und jener des Mani (Manichäismus) entstand eine wegweisende Grundlinie. Die beiden „gleichgroßen Seinsmächte“ wurden zu Grundpfeilern und symbolisierten fortan auf definitiv markierende Weise das “Gut“ und das „Böse“, das männliche wie weibliche Prinzip, das „Oben“ und “Unten“ usw. (Letzteres widersteht dem naturreligiösen Prinzip des „Oben wie Unten“, das in seiner Urform den Dualismus nicht kannte, sondern erst im Lauf seiner Entwicklung als geschaute Religion entwickelte)
Die persische Gnosis erreichte Griechenland um 4-500 herum und verschmolz als ursprünglich orientalische Religion mit der griechisch-hellenistischen Philosophie und Naturkenntnis zu einer eklektischen(*) Lehre: der Lehre vom Kosmos. Die Stoiker um den griechischen Philosophen Heraklit, und mehr oder weniger separat auch Aristoteles dachten sich einen lebendigen Kosmos, der durch seine simplistische Darstellung für alle verständlich war. Er war in überschaubare Stufen eingeteilt:

1. die tote Materie ( die 4 Elemente: Erde, Wasser, Luft und Feuer),

2. darüber die Welt der Organismen(Pflanzen, Tier, Mensch), geordnet nach Form und Zweck, interaktiv wirkend zu Gunsten des höchst entwickelten Wesens, dem Menschen und schließlich

3. das Prinzip der Formgebung und Zwecksetzung: die Seele.

Diese Seele gibt allen Organismen „von innen heraus“ ihr Leben und ihre Form. Als „aktives Prinzip“ macht sie das denkbar Mögliche zum tatsächlich Wirklichen. In der griechischen Gnosis ist die Seele sowohl Ursache als auch Wirkung(Zweck). Sie ist in jedem Organismus vorhanden und das „lebendige Abbild dessen, was er werden soll“ (KRH Frick).

Die Seele(Psyche) - neben ihrer Eigenschaft als Denkende - bildete als formende Kraft den Körper(Physis) in dem sie weiterhin wirkte. Beide zusammen - Physis und Psyche - stellten als Einheit das menschliche Ich, das Selbst(Pneuma) dar. In der Interpretation ergibt dies eine Trinität.
Im Menschen, als höchstentwickelten Wesen, verbindet sich gemäß der griechischen Gnosis die denkende Seele mit der Sprache und der Vernunft: dem Logos – die Fähigkeit in folgerichtigen (logischen) Zusammenhängen zu denken. Von der Seele ist nur der denkende Teil (der Geist) unsterblich. Der formende endet mit dem physischen Tod des Menschen. Der denkende Teil kehrt hingegen nach dem körperlichen Tod des Menschen zu seinem Ursprung zurück > zum kosmischen Organismus, der ebenso wie die geistige (denkende) Seele unendlich ist und doch (wie auch die Seele) einer Geburt und einem Tod unterliegt (Paradoxon). Im Sterben (Verbrennen) lässt der Kosmos einen Keim zurück, aus dem er (wie Phönix aus seiner eigenen Asche) wieder zu neuem Leben gebiert.



In der griechischen Gnosis hat der Kosmos einen Anfang. Dieser Anfang des Kosmos war in einem „Samen“ gegeben, dem Samen des Alls oder dem Urelement: dem Geistfeuer. Es wuchs zum Kosmos aus um dann auf dem Höhepunkt seiner Entfaltung(Daseins) wieder zu verwesen oder zu verbrennen. Der in dem sterbenden Kosmos enthaltene Urkeim gebiert wieder eine neue Welt, usw. Dieser unendliche Kosmos in seinem Werden und Vergehen wird symbolisiert durch den „Ourobouros“. Dieser Vergleich geht auf das griechische Wort Ophis (>Schlange) zurück, eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt - seit altersher das Ursymbol für das Unendliche, das immer Seiende: die Ewigkeit.

Allen gnostischen Gruppen (der heidnisch-griechischen, der christlichen-griechischen und der orientalischen) ist ein determinierender Dualismus gemein: der strenge Gegensatz Gott ><> Demiurg unvollkommen.Durch diesen kosmetisch-gnostischen Zug blieb Gott als unfehlbares anantastbares Geistwesen, als Allgott integer erhalten, derweil das Böse, Unvollkommene personalisiert wurde.Entsprechend der Rolle des Demiurg interpretierten die Gnostiker jener Zeit den Alttestamentarischen Schöpfergott ebenfalls als Demiurg, dem logischerweise ein Allgott noch überstehen würde. Der alttestamentarische Gott entließ die Menschen in Unwissenheit (Paradiesallegorie > sie waren dazu verdammt, sich Wissen anzueigenen, die Erleuchtung). Entsprechend der alten Gnosis war ihr Leben auf Erden eine Knechtschaft, aus der ein Erlöser (der Abgesadte) sie dereinst befreien würde.
Im gnostischen Mythos sieht die Wirkung des Ourobouros so aus: zuerst war die Geburt, dann der Fall in die Mächte der Finsternis(Erde, Leben usw), dann die Verknechtung in dieser Welt, schließlich der befreiende Aufstieg und letztendlich die Erlösung, stellvertretend für das Verbrennen um anschließend aus dem Urkeim wieder aufzuerstehen (Reinkarnation) Der Mensch als Knechtwesen in der Zwangswelt umfasst nichtsdestoweniger als höchstentwickeltes Wesen die ganze Stufenreihe der Natur – die Materie, die Organismen, den Logos und den Geist in einem. Er ist ergo ein Miniaturabbild (Mikrokosmos) des großen Kosmos (Makrokosmos). Gemäß der gnostischen Definition des Menschen als Mikrokosmos weist „der Zweck seines Daseins über ihn selbst und über alle Natur hinaus. Ihm wird durch den Geist das Göttliche im Menschen gegeben“ (KRH Frick).

Aus dieser Sicht wurde u.a. in der zwangsläufig spekulativen Esoterik die Entsprechung zwischen Welt und Mensch angenommen, bzw. übernommen und stand Pate bei fast allen Gründungen der diversen theosophischen Gesellschaften.

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n.b.:
In dieser Gnosis sind u.a. sowohl die Gottes- und die Schöpfungsidee, die Teufelsdefinition und die Erlösung (durch den Abgesandten) schon der sich erst später bildenden christlichen Religion vorgegeben, denn die Ausformung der Messiasgestalt im christlichen Glauben wurde erst später unternommen (+- 400 n.uZ.) und auf den Gottessohn (als Abgesandten) übertragen.

Auch der Aspekt der Trinität ist in der alten persischen Religion, (die als Grundstein der Gnosis gelten kann), wie auch in der naturreligiösen Weltanschauung z.B. der Kelten schon enthalten. Bei der vorzarathustrischen persischen Religion teilte die Welt (als Kosmos) sich auf in Himmel, Atmosphäre und Erde. Dieselben Aspekte findet man in der christlichen Religion als Himmel, Engelswesensphäre(Atmosphäre) und Erde(Zwangsleben > Erlösung). Bei den Kelten wurde die Trinität u.a. durch den Weltenbaum dargestellt, der mit seinen Zweigen den Himmel durch den Stamm mit seinen Wurzeln mit der Erde verband, nach dem metaphysischen Prinzip: oben wie unten. In dieser Trinität liegt auch die Denkweise der neuen Esoterikströmung begründet, die heidnische Symbolik mit griechisch-christlicher Gnostik verbindet.


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(*)eklektisch > Zusammenstellen alter Lehrgebäude und Erkenntnisse in unorigineller Weise, je nach Gebrauch und Zweck, wobei das Überlieferte meistens zweckorientiert verändert wird, sprich: den Bedürfnissen angepasst wird.

(**) Demiurg > besteht aus zwei altgriechischen Begriffen: demos (Volk) und ergos (Tätigkeit) und stand u.a. für Arbeiter, Handwerker, demgemäß auch in der gnostischen Mythologie der "Macher" > Schöpfer.
 

 

 

 

 

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