Astrologie  Paradise Lost (Milton) von Gustave Doré Die Magie als Geheimwissenschaft entwickelte sich ursprünglich aus der nach Jean Gebser so benannten „magischen Bewusstseinsstruktur" der Menschen des Mesolithikums. In der ausschließlich noch linear verstandenen Magie jener Zeiten finden wir schon die ersten Ansätze der Astrologie. Am Beispiel eines mittelafrikanischen Jägers unserer Zeit, der seine „Bannung“ des zu erlegenden Wildes noch vor Sonnenaufgang in den Steppensand zeichnet und darauf wartet, dass die Sonne ihm die Stelle zeigen würde, wo sein Speer oder sein Pfeil die Beute tödlich treffen soll, ist noch ein ursprünglicher archaischer Ritus sichtbar, der schon in sehr frühen Zeiten der menschlichen Bewußtseinswerdung die Himmelskörper als Wegweiser, als Mächte bestimmte. Aus diesen Mächten oder ihren Entsprechungen entwickelten sich gemäß dem Empfinden und den jeweiligen Gemütszuständen der frühen Menschen die ersten Gottheiten, denen sie - je nach ge- und erlebtem Zusammenhang - diese oder jene Eigenschaft (Aspekte) zuschrieben. Wie die Magie kann man die Astrologie in ihrem Ursprung als Grundanschauung betrachten, die a priori ist und ausnahmslos jedem Menschen inne wohnt - eine Weltbetrachtung, Welt-Anschauung die durch Erfahrung und Erkenntnis Form gewinnt und der man im Laufe der menschlichen Entfaltung auch Attributionen zusprach. Diese Grundanschauung ist individuellen, wenn seinerzeit auch noch lediglich eindimensionalen Ursprungs und als schlichte Ursache und Wirkung zu verstehen. Von rückwirkenden und wechselwirkenden Beziehungen, bzw., einer Netzauswirkung wussten die Menschen damals noch nichts. Alles war unilateral hin- und allenfalls zurückgerichtet. Vernetztes Denken setzt ein Raumgefühl und ein gewisses Zeitverständnis voraus, etwas, das den damaligen Menschen sogar im großen Zusammenhang noch abging. Obwohl Babylon oder Assyrien allgemein als die Ursprungsländer der Astrologie gelten, so wird ihr tatsächlicher Ursprung schon vor den ersten Hochkulturen vermutet. Den matriarchalen Kulturen aller Naturvölker dieser Erde war die Sternenbeobachtung gemein und gründete auf der Faszination und den aufkeimenden Fragen. Allenthalben wurden die mütterliche Sonne, der mütterliche Mond, die jungfräuliche Venus nebst anderen sichtbaren und deutbaren Himmelkörpern beobachtet und entsprechend dem Verständnis der damaligen Menschen mit göttlichen Funktionen belegt, sozusagen sektioniert. Mangels besserem Wissen werden wir wohl oder übel glauben müssen, dass die damaligen Menschen doch etwas mehr unternommen hatten, als nur den Sternen ihre Namen zu geben. “ …bestanden bei den verschiedenen Völkergruppen auch verschiedene astrologische Systeme“ (Peuckert)die - wenn erhalten - in den Schriften der entsprechenden Hochkulturen noch einsichtig sind. Allein, wir können nicht davon ausgehen, dass dadurch die Hochkulturen erst die Sternendeutung- oder Forschung betrieben hätten. Die Hochkulturen haben die Forschung wohl gepflegt, ihr Ursprung muss dann aber logischerweise sehr weit vorher liegen, da es sonst kein motivierendes und vergleichswürdiges Studienmaterial gegeben hätte, das es gelohnt hätte, zu vergleichen, zu erforschen und weiter zu entwickeln.  Johannes Kepler (1571-1630) Wer nach den Ursprüngen der Astrologie und auch der Alchimie sucht, trifft unterwegs unweigerlich die Gnosis und begegnet die Denkelite, die sich aus den, aus Ägypten ausgezogenen jüdischen Stämmen, dem Volke Israels herausbildete: die Chaldäer. Abbé Migné schreibt in seinem "Dictionnaire des Sciences Occultes", dass die Chaldäer die Astronomie erfunden hätten. Babylon und Ägypten werden gemeinhin als die Wiege der Astrologie angesehen. Da die Chaldäer sich - aus Ägypten kommend - seinerzeit im Raume des heutigen nördlichen Israel und an den Westgrenzen des Assyrisch-babylonischen Reiches niederließen, scheint Mignés Annahme nicht so sehr weit hergeholt. In den spätantiken magischen und insbesondere den astrologischen Schriften steht der Begriff Chaldäer für Sternenkundige im Sinne der babylonischen Lehre. Ursprünglich bezeichnete der Begriff Chaldäer (Chaldaios) die Bewohner des südlichen Zweistromlandes und etwas später die dort einheimische Priesterkaste, die der babylonischen Sternenkunde kundig waren und deren Gelehrte offenbar einer chadäischen Gruppe angehörten, die aus Persien kamen und medischer Abstammung sein sollen. Auch sollte die Namensbezeichnung Chaldaios eine Unterscheidung der Priester der Astrologie mit jenen der Magie (Magi) darstellen. Später im römischen Reich wurden die Chaldaios als mathematici (Mathematiker) bezeichnet. 
Nikolaus Kopernikus (1473-1543) Das Zweistromland erhebt indes den gleichen Anspruch und die entsprechenden Keilschriftfunde scheinen dem Recht zugeben, denn spätestens seit dem 7. Jh. vuZ wurden in Babylonien schon astrologische Beobachtungen aufgezeichnet. Welchen Anteil nun die Semiten oder die Assyrer auch immer daran gehabt haben, ist nicht mehr genau ersichtlich. Sumerische Wortstellungen in den Aufzeichnungen lassen jedoch auf eine vorsemitische Astrologie schließen, die möglicherweise bis ins 3. Jt. vuZ zurückgeht. Dies würde bedeuten, dass die babylonisch-assyrische Astrologie auf Erfahrungen zurückgreifen konnte, nach Analogien suchte und Schlüsse zog. Dazu brauchten sie vergleichende Daten und Angaben, die wahrscheinlich aus den Zeiten stammten, die noch als durchaus magisch zu bezeichnen sind. Nach den uns überkommenen babylonischen Dokumenten waren sowohl Sonnen- als auch Mondbeobachtungen schon üblich und weiteten sich astrologisch auf die Planeten Mars, Venus, Jupiter und Saturn aus. Diese Siebensternekonstellation (inklusive dem Mond als Planeten, nicht als Trabanten) stammt aus babylonischen Schriften. Die Deutungen, die aus der damaligen Astrologie gezogen wurden, betrafen die Tier-Omina, Traumdeutungen, Weissagungen bezüglich des irdischen Geschehens im Zusammenhang mit den Gottheiten und u.a. Prophezeiungen aus ungewöhnlichen Konstellation bei Geburten. 
Ticho de Brahe (1546-1601) Wie in allen Völkern, die Astrologie betrieben, orientierte sich die Deutung an der Götterwelt und ihren Entsprechungen. In diesem Zusammenhang kann man bei naturreligiös orientierten Völkern sogar von einer Astralmythologie reden, die um vieles älter ist, als die eigentliche Astrologie und natürlich um vieles undurchsichtiger, weil in der Regel keine erklärenden oder deutbaren Dokumente vorhanden sind, und wir nur durch spekulative Rückwärtsdeutungen mehr oder weniger Einblick erhalten können.Die Astralmythologie war wohl noch eng verbunden mit der Magie, wie wir sie aus dem Beispiel des mittelafrikanischen Jägers kennen gelernt haben und noch im Anfangsstadium der Entwicklung einer eindimensional gedachten Verbindung zwischen Mensch und Gestirn(Gottheit). Die Sektionierung der Gottheiten in Verbindung mit Aspekten, die man ihnen von den Sternen ableitend zusprach, bildete sozusagen den Ursprung der Götterwelten, in denen Magie und Astralmythologie zu einer Welt-Anschauung zusammenflossen. Sternendeutung Zusammenfassend können wir annehmen, dass sich die Astrologie, so wie sie uns von den Babyloniern überkommen ist, ursprünglich aus einer archaischen Gestirnsdeutung entwickelte und über den Weg der Implizierung der Götter und im Zusammenhang mit frühen „astronomischen“ Erkenntnissen in einer Geheimwissenschaft mündete, die sich als Astrologie bis ins 20. Jh. retten konnte, wo sie in den Dreißigern noch als Fach an den Universitäten gelehrt wurde. Zu uns kam sie um das 11.-12- Jh. nuZ herum von den Babyloniern über Griechenland, Ägypten und Rom und bezog recht schnell - der Lehre der Entsprechungen folgend - alle Lebensbereiche ein. In einem umfassenden System setzte sie Zahlen, Farben, Metalle, Mineralien (im Zusammenhang mit alchimistischen Spekulationen), Pflanzen, Krankheiten, Gemütszustände, Charakter und Temperamente usw. mit den Sternen in Verbindung. Die römische Kurie verdammte sie als Teufelswerk, denn inzwischen war die Astrologie schon Bestandteil der antiken, auf der persisch-griechisch Gnosis fußenden Religionen geworden und wurde kabbalistisch interpretiert und ausgelegt. Obwohl unter Strafe verboten, kam sie nichtsdestoweniger mit den Arabern über das damals islamische Spanien und über Süditalien zusammen mit der Alchimie, Anfang des 2.Jahrtausends in den Okzident, wo sie schnell Fuß fasste und knapp 3 Jh. später schon ein mystischer Bestandteil ausnahmslos aller Geheimkulte und Geheimgesellschaften wurde. Thomas von Aquin - der die Magie verteufelt hatte - baute die Astrologie nichtsdestoweniger in sein Lehrgebäude ein und beeinflußte damit andere große Kirchenlehrer und auch den Dante Alighieri (1265-1321). Die weltlichen Herrscher stellten Astrologen ein und an den damaligen Universitäten wurden Lehrstühle errichtet. Da nichts unilateral verläuft, fand die Astrologie auch beim Volk einen breiten Anklang, allerdings und verständlicherweise nicht in der geheimwissenschaftlichen Form, sondern in einer vereinfachten Darstellung, wenn auch nicht unbedingt immer missbrauchsfrei.
HoroskopDer damaligen geozentrischen Weltbetrachtung gemäß - in der die Erde als Mittelpunkt gesehen wurde, und um die ergo die Sonne und die anderen Planeten ihre Bahnen zogen - wurden alle sieben Planeten zur Deutung hinzugezogen. Zum Astrologen als Forscher kam die Funktion des Sehers, des „in den Sternen Lesenden“ hinzu. Zu der Erstellung eines Deutungsbildes hatte sich freilich schon bei den Ägyptern in der Priesterkaste eine Funktion des „Stundenschauers“ gebildet. Dies war ein Priester, dessen Aufgaben u.a. darin bestanden, seinem König dessen „günstigen Stunden“ vorauszusagen oder, aufgrund der Konstellationen bei einer Geburt, die Charaktereigenschaften und zukünftigen Schicksalsschläge des Neugeborenen vorab zu schauen und entsprechend zu interpretieren. (Geburtshoroskop)
Die Voraussagen orientierten sich an den Tierkreiszeichen: “Die in 12 gleich große Abschnitte eingeteilte gemeinsame Umlaufbahn der Himmelkörper ? bildet den so genannten Tierkreis (Zodiakus) von 360 Grad. Die je einen Sektor von 30 Grad umfassenden Tierkreiszeichen des Zodiakus heißen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fisch., alles Namen, die allgemein auch heute noch bekannt sind.“ (KRH Frick).
Nicht nur in den oberen Schichten holte man sich seinerzeit einen Astrologen ins Haus, auch das Volk wandte sich vertrauensvoll an seine Sterndeuter. Dies waren nun keine Männer und Frauen von hochwissenschaftlichem Stand, sondern Interessierte, die später als Ketzer oder Hexen im Rundumschlag der hl. Inquisition flammend auf den Scheiterhaufen, mit gebrochenem Genick in den Burggräben oder geschunden und vergewaltigt in den Kerkern jener Institution endeten, die sich in der Person eines Thomas von Aquin nicht schämte, sich derselben Vergehen wie die Verurteilten schuldig gemacht zu haben.
Wie schon bemerkt, entwickelte sich die Astrologie innerhalb der Geheimwissenschaften zu einer Schlüssellehre, die sich bis zur Reformationszeit und darüber hinaus behaupten konnte. Bis ins 17. Jh. blieb sie unangefochten die offizielle Wissenschaft der Sternkunde. Solche bedeutenden Astronomen wie Regiomontanus (Joh. Müller 1436-1476), Nikolaus Kopernikus (1473-1543), Tycho de Brahe (1546-1601), Galileo Galilei (1564-1642) und Johannes Kepler (1571-1630) praktizierten allesamt noch die Astrologie, obgleich bei den meisten von ihnen schon allmählich eine Differenzierung sich entwickelte und die rein wissenschaftliche Astronomie sich ansatzweise abzuzeichnen begann. Es war wohl eine Übergangsphase die - ähnlich wie in der Alchimie - sowohl noch die spekulative Geheimwissenschaft als auch die experimentelle Wissenschaft beinhaltete: beide Varianten in einer funktionellen Einheit.
Diese Aufspaltung erfolgte in einer Zeit, die man als „besonders bezeichnend“ markieren kann. Es war eine Zeit, in der die Sektionierung der Welt und des Menschen begann. Der Ursprung dieser Sektionierung ist wohl bei Leonardo da Vinci zu suchen, der mit seiner „Erfindung“ des dreidimensionalen Sehens (Pyramiden-Theorie) den Menschen den „Raum“ schenkte und dadurch den Übergang von der mythischen Bewußtseinsstufe des Menschen in die mentale einläutete.  Galileo Galilei (1564-1642) 2009 wardas "Jahr der Astronomie". Vor 400 Jahren richtete Galilei sein erstes Teleskop gen Himmel und Kepler veröffentlichte sein Werk "Astronomia Nova". Aus dem, was tausende Jahre vor ihnen von den Chaldäern und den Babyloniern als Sternendeutung entwickelt und als astrologisches Geheimwissen weitergereicht wurde, entwickelte sich die Wissenschaft "Astronomie". Parallel dazu wurde die Astrologie noch bis ins 20. Jh an verschiedenen Hochschulen gelehrt. |
Zeit des Umbruchs Zu Galileis und Keplers Zeiten hatten die römischen Päpste und Kardinäle schon den Einfluß der Wissenschaften auf die Auslegung der heiligen Schrift und die Konsequenzen für das Glaubensimpakt des Christentums erkannt. Ihre bis dahin jedoch ungebrochene Macht ermöglichte es ihnen durch Dekrete und die Mitwirkung der heiligen Inquisition zahlreiche Werke und Schriften, u.a. von Nikolaus Kopernikus, Tycho Brahe, Galileo Galilei, Johannes Kepler und anderen unbequemen Wissenschaftlern entweder auf den Index der verbotenen oder verbannten Bücher zu setzen oder die Autoren durch Intrigen zu diskreditieren. Viele wurden gezwungen, ihre Arbeiten nicht als wissenschaftliche Beweisführungen, sondern als Hypothesen zu bezeichnen. Die Überlegenheit der neuen Wissenschaften war jedoch sogar für Rom offensichtlich. Gleichwohl noch mußten die damals aktiven Wissenschaftler noch zahlreiche Kompromisse eingehen, um ihre Studien und Recherchen - meist verdeckt - überhaupt weiterführen zu dürfen. Die in England, Deutschland und Holland arbeitenden Wissenschaftler wurden von den dortigen Obrigkeiten kaum behelligt. Dieser Fakt trug zu der unliebsamen Erkenntnis der Kirche bei, die Entwicklung nicht mehr aufhalten zu können. Einige weitsichtigere und offenere Geister aus den eigenen Reihen legten dem Papst schließlich nahe, bei der Auslegung der Heiligen Schrift nicht mehr zu sehr darauf zu pochen, daß Gott den Erdkreis als unbeweglich erschaffen habe ... |
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