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Ruki sagt ...

 

 

 

 

Über den (Un)Sinn Weihnachten

„Ho,ho, ho“ ertönt es alle Jahre wieder in den Wohnzimmern dieser Welt, nur mittlerweile mehrere Monate zu früh, denn bereits kurz nach den Sommerferien kann man Schokonikoläuse, Zimtsterne und Lebkuchen in den Supermärkten entdecken und den Adventskalender kann man bereits Mitte August erwerben. Irgendwie fühlt man sich auch betrogen, wenn man sich einen Adventskranz kauft, dessen Kerzen genauso gut aus dem Discounter stammen könnten und die Tannennadeln bereits bei der erst besten Berührung rieseln wie Schnee.

Die Innenstädte sind meist schon zwei Monate vor Weihnachten nicht mehr begehbar und die Geschäfte nicht mehr betretbar. Am besten versucht man sich zwischenzeitlich durch Hamstereinkäufe das Leben zu erleichtern , damit man wegen Weihnachts-Superschnäppchen nicht an irgendwelchen Ladentüren überrannt wird. Weihnachtswütige Mitmenschen können sich in geifernde Bestien verwandeln, die einen jederzeit anfallen können, sobald die Adventszeit am Rollen ist und man vier Wochen vor Weihnachten "immer noch nicht" alle Geschenke beisammen hat.

 

Weihnachten verkümmert immer mehr zum Kommerzrummel. Die älteren Generationen erzählen noch nostalgisch-wehmütig über schöne idyllische Weihnachtsabende am Kamin oder am Herd, als die Großeltern tiefsinnige Weihnachtsgeschichten vorlasen und die Familie gemeinsam die Mitternachtsmesse besuchte. Der Kirchgang verkommt eher zum Zwangs- oder Gewohnheitsakt und die kleinen Quälgeister motzen und mäkeln, wenn kein neuestes Hightech-Spielzeug neben der Plastikkrippe liegt.

 

Während unser eins verzweifelt auf dem Weihnachtsmarkt einen ganz simplen Bratapfel oder geröstete Maronen sucht und der Versuchung unterliegt, zumindest noch ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, wird man spätestens nachdem man von weihnachtlichen Kitsch regelrecht erschlagen wurde, verdrossen die Flucht ergreifen. Man fühlt sich von künstlichen Sternen erdolcht und durch die Beschallung mit „Engelsstimmen“ durch Ghettoblaster taub und töricht niedergemetzelt. Wo ist sie dahin, die besinnliche Weihnachtsstimmung?
Was ist also Weihnachten überhaupt noch? Viel Kult und Aufwand um einen bärtigen Mann, der angeblich mit einem gefüllten Sack die Kinder beschenken soll? Oder etwa die Tradition  vieler gläubiger Menschen, die die Geburt Jesus feiern wollten? Schaut man sich das heutige Spektakel an, scheint Weihnachten vielmehr zu einer alljährlichen Gewohnheit verkommen zu sein. Da behaupten doch viele der Weihnachtseinkäufer eigentlich ja Atheisten zu sein und an sich mit der Thematik von Weihnachten nichts mehr anfangen zu können.
Weihnachten ist tot, wenn man auf die übertrieben beleuchteten Gebäude und die angrenzenden Nachbarhäuser in der eigenen Straße blickt. In Anbetracht dessen, dass so manch einer offensichtlich bereit ist, seine ganzen Ersparnisse in Stromrechnungen zu investieren, finde ich dass ein solches Gehaben in Zeiten von Hartz IV und steigender Kinderarmut im wahrsten Sinne des Wortes eine „Glanzleistung“ ist, die leuchtend hervorsticht. Der hl. Nikolaus, der ursprünglich irgendwo im türkischen Gefilden in den guten alten Zeiten Gutes für Waisenkinder getan hatte, ist zur  Schokoladenpuppe in buntem Glitzerpapier reduziert worden.
Also lasst uns alle zusammen „Oh du Fröhliche“ singen, dem Ganzen Rummel weniger Priorität einräumen (die Medien und unser soziales Umfeld sorgen ja reichlich dafür), lasst uns uns entspannt zurück lehnen und vielleicht diesmal doch den Sommerurlaub vor verlegen, um dem ganzen Trubel zu entkommen. Willkommen Sonne, Strand und Meer, adieu Weihnachten!

 

 

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