„Aller Liebe Laster“ so denkt man wahrscheinlich, wenn man daheim hockt und beim geringsten Ton, den das Handy von sich gibt, aufschreckt und hofft, Nachricht vom Liebsten erhalten zu haben. Hundert Mal am Tag checkt man den Posteingang seiner E-Mails, ob nicht doch ein paar liebe Worte darin erhalten sein könnten. Man wird hibbelig, sobald man DIE Stimme erhört und wenn sich dann auch noch ein Besuch ankündigt, kann man gar nicht mehr still sitzen, … um dann, nach dem Vollrausch der Gefühle und den Purzelbäumen der Hormone, wieder langsam von seinem Liebestrip herunter zu kommen.
Da findet man sich „Im Durcheinanderland der Liebe“ wieder, wie Francois Lelord es in seinem Buch beschreibt und vermisst sein selbst gewähltes Singledasein nicht mehr. Man muss als Frau nicht mehr mutig genug sein, um alleine zu leben und kann sich wieder durchaus seinen inneren, tief im Unterbewusstsein verborgenen Sehnsüchten nach Hochzeit, Kindern und der Sicherheit und Geborgenheit an der Seite des geliebten Mannes hingeben, trotzdem man vernünftig überlegt, vielleicht lieber doch nicht zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen. Wahrscheinlich vermittelt Disney einem wirklich unrealistische Vorstellungen von Liebe und man erhofft sich, irgendwo in dem wortkargen Bürohengst, in den man sich verliebt hat, noch den Prinzen auf dem Schimmel zu finden, der Dornröschen in einem wach küsst und neu erweckt.
Ist der anfängliche Liebestaumel erst einmal verschwunden, dann holt einem die Realität mit vergessenen Geburtstagen und Jahrestagen ein. Plötzlich findet man die anfänglich noch süßen Fehler des Partners nur noch nervtötend. Am liebsten würde man sie wie eine Warze mit dem Fuß zertreten. Man möchte lauthals schreien, wenn mal wieder die Zahnpastatube abhanden gekommen ist oder das teure eigene Duschgel vom Mann aufgebraucht wurde, nur weil ihm seins grad ausgegangen war.
Dennoch fühlt man sich auf irgendeine mysteriöse Art und Weise verbunden, wenn man selbst die nervtötenden Angewohnheiten des Partners als „niedlich“ empfindet und man sich selbst und er Beziehung vertrauen kann, auch wenn man hin und wieder an seinem Gegenüber zweifelt und mal wieder nicht weiß, was er denn von einem will. Spätestens dann weiß man, dass aus dem ursprünglichen Hormonstau langsam Liebe wird...
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