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Ruki sagt ...

 

 

 

 

Richtig bewerben

Jeder von uns war ab einem gewissen Alter schon mal in der Situation, sich für irgendetwas bewerben zu müssen, sei es für ein Praktikum, die Elite-Uni oder für einen neuen Job. Irgendwann steht man vor dem Dilemma, sich an einen PC setzen und sich selbst anpreisen zu müssen, womöglich für die  unbeliebte zwangsläufige, aber nicht unbedingt auserwählte Tätigkeit , auf die man sowieso keine Lust hat.

Da ergibt sich von selbst die Frage, ob man nicht einmal in seinem Leben das dringende Bedürfnis verspürt, in solch einer Bewerbung die Wahrheit sagen zu wollen. Statt den üblichen Floskeln „Hiermit bewerbe ich mich für...“ könnte man doch auch mal alternativ schreiben „Zuerst einmal Danke, dass sie meine Bewerbung überhaupt geöffnet haben, ohne von der Umschlagsfarbe meiner Post her auf meine Intelligenzquotienten zu schließen“ .Nützlich wären auch  beigelegte Antwortkarten für den Fall der Fälle, dass man seine Unterlagen nicht zurück geschickt bekommt, worauf dann der Absender ein Kreuzchen setzen könnte für „Nein , danke. Der Job ist schon vergeben“ oder „Wir würden sie gerne für ein Bewerbungsgespräch einladen“ oder einfach nur „Schicken sie uns ihre ausführlichen Bewerbungsunterlagen zu“.

Stattdessen muss man meist damit rechnen, dass der zukünftige Wunschchef sich wahrscheinlich gar nicht bei einem meldet, egal in welchen Zusammenhang, und man dann vergeblich auf irgendeine Antwort wartet. Falls man dann nach 199 Absagen, doch mal bei der 200 Bewerbung etwas hört, dann bricht so mancher Arbeitsloser in Freudenschreie aus, auch wenn es sich dabei nur um die Tatsache handelt, dass der Big Boss aus dem Anschreiben keinen  Papierflieger gebastelt und es tatsächlich durchgelesen hat. Es muss sich dabei noch nicht einmal um ein konkretes Arbeitsplatzangebot handeln.

Wie gerne würde man da wohl schreiben, dass man außerhalb der ursprünglichen EDV Kenntnisse auch noch fließend das Kochen, Putzen und das aktuelle Nachmittagsprogramm diverser Fernsehkanäle beherrscht, weil man als Hartz4-Empfänger auch unheimlich viel Zeit für Qualifikationen außerhalb der beruflichen Ebene besitzt. Diese könnte man doch wunderbar unter „Soft Skills“ in einem tabellarischen Lebenslauf schreiben. Man müsste sich doch brennend dafür interessieren , ob der neue Mitarbeiter in der Lage ist, nicht nur den Kopierer zu bedienen, sondern ob er oder sie auch Kaffee kochen und Brötchen holen kann.

Wenn dann eine Absage nach der anderen eintrudelt, muss man irgendwann damait Vorlieb nehmen und einen 1-Euro-Job übernehmen, wofür selbst Schüler während Ferienjobs wahrscheinlich besser bezahlt werden. Ich meine, es ist doch bestimmt toll, als Akademiker Äste, Büchsen, Kippen usw.  aufsammeln zu gehen, im Herbst auf irgendwelchen Friedhöfen Unkraut zu jäten, oder als ehemaliger Firmenbesitzer Feldarbeit zu leisten, wofür die polnischen und tschechischen Kollegen deutlich besser bezahlt werden. Das ist sehr motivierend, sich dann noch abends an den Rechner zu setzen und  überhaupt noch Bewerbungen zu schreiben, … wenn man vorher noch ordentlich im Dreck wühlen musste.

Überhaupt macht es sehr viel Spaß, als arbeitsloser Magistrat in Philosophie oder Geschichte, zwischen 19jährigen ohne Schulabschluss sitzen zu müssen, um zum 100. Mal zu lernen, dass man eine Bewerbung immer mit „Hiermit bewerbe ich mich für...“ zu beginnen und mit „Mit freundlichen Grüßen...“ zu beenden hat. Ich meine, nach …zig Hausarbeiten muss man das doch als Akademiker nicht wissen und kann somit seine ohnehin überflüssige Zeit sinnvoll durch diverse Pflichtveranstaltungen der Bundesagentur für Arbeit nutzen. Das macht unheimlich viel Spaß und ist besonders effektiv. Schließlich ist man für jede Form der Ablenkung von den wirklich wichtigen Dingen im Leben sicherlich sehr dankbar.

Zu guter letzt ist Ruki einfach nur dankbar sagen zu können „Ich bin stolz drauf, nicht arbeitslos zu sein.“

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