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Rober Ludlum
Meister der Verschwörung
Robert Ludlum (zwei Romane erschienen unter dem Pseudonym Jonathan Ryder, einer untr Michael Shepherd) setzte neue Maßstäbe. Seine Plots hatten meist gigantische Ausmaße, waren selten geringer als eine kontinentale, bzw. weltweite Verschwörung oder eine gewaltige Intrige mit dem Ziel der absoluten Machtübernahme, der totalen Kontrolle, der Ausbeutung, der Vertuschung und und und … und mittendrin in der Regel ein Einzelkämpfer, von dessen Denken und Handeln das Schicksal vieler Millionen Menschen abhing. Freunde oder Helfer hatte der Einzelkämpfer schon ein paar, aber sie waren meist dazu vorgesehen im Lauf der Romanhandlung unerwartet zu sterben, ermordet zu werden: die Opfer, welche der Plot und die Verschwörung forderten.
Ludlums Helden waren zwar oft US-Amerikaner, aber nie Hurrah-Patrioten, sondern im Gegenteil solche, die – was in vielen seiner Romane durchleuchtet – an der Führung ihres Landes einiges auszusetzen hatten, an ihrem Glauben an das Gute manchmal nahezu verzweifelten. Ludlum beherrschte es, auf eine subtile Art die Emotionen zu wecken, denn die Liebe oder diskreter Sex waren jeweils auch mit von der Partie. Die Krönung seiner Mischung von Spannung und Intrige, die Kunst, seine Leser schon ab der ersten Seite zu packen und über hunderte von weiteren Seiten kontinuierlich an die Story zu fesseln, gipfelte in seiner Trilogie über den Agenten Jason Borowsky (im Original Jason Bourne), die zweimal verfilmt wurde. Während die erste Verfilmung sich getreu, wenn auch zwangsläufig gerafft – an die Story von Band 1 der Borowsky-Trilogie hielt, entwickelte die rezentere Verfilmung in drei Teilen weitgehend eine eigene Story, die lediglich von der Idee und einigen wichtigen Motiven her noch an das Orignal von Ludlum erinnerte, nichtsdestoweniger aber als Film-Trilogie ihren eigenen „Charme“ entwickelte.
Die Bourne-Besetzung durch Richard Chamberlain in der ersten Verfilmung wurde der Hauptfigur des Ludlumschen Romans mMn nicht ganz gerecht. Der Film als solcher freilich war sehr nahe am Buch und in den wichtigen Phasen sehr explizit, so dass der Leser sich ohne weiteres hineindenken konnte. In der zweiten Verfilmung erschien mit Matt Damon ein neuer, jüngerer und psychotischerer Bourne auf der Leinwand, fern der Romanvorlage, aber getreu dem aktuellen Image eines Actionhelden mit vielen Ecken und Kanten.
Ludlum baute seine Romane nach seinem Erfolgsschema auf, schuf Charaktere, kreierte Ambiente, Sympathien und Antipathien, teils nach altbewährtem Klischeemuster und teils auf sehr subtile Art. Seine Hauptpersonen waren in der Regel nicht alle von vorneherein schon Helden, sondern entwickelten ihre Qualitäten meist erst im Laufe der Story. Nur in vereinzelten Storys, wie z.B. im „Rheinemanntausch“ schienen die Lager klar umrissen, bis sich Ludlum „äusserte“ und Fronten verwischte. Wer war Freund? Wer war Feind? Er ließ die Spannung langsam ansteigen um dann auf den Höhepunkt seine Helden in der Regel in die äußerste Ecke der Einsamkeit und Verzweiflung zu drängen und ihnen manchmal unmenschliche Konsequenzen und eine definitive Entscheidung abzuverlangen, die nicht immer dem sogenannten "guten Kodex" entsprach. Die Helden blieben am Ende (meistens jedenfalls) siegreich, wenn auch nicht immer ohne physische und psychische Schäden, nie aber im Sinn des amerikanischen Mayflower-Patriotismus.
Robert Ludlum wurde am 25. Mai 1927 in New York geboren. Sein Vater (George Hartford Ludlum, Geschäftsmann) starb 1934 und der Sohn wuchs in Short Hills, New Jersey bei seiner Mutter Margaret Wadsworth auf. Er bekam Privatunterricht und besuchte später die Cheshire Academy in Connecticut.
Ludlum starb am 12. März 2001 in Naples,Florida im Alter von 73 Jahren an einem Herzinfarkt. Alle 22 der zu Lebzeiten veröffentlichten Bücher landeten auf dem 1. Platz der Bestsellerlisten der New York Times. Auch nach seinem Tod wurden noch mehrere Bücher veröffentlicht, von denen dem Verlag fertige Skripte vorlagen. Aufgrund der großen Erfolge der Bourne-Filme wurden danach auch noch von Ghostwritern geschriebene Bücher veröffentlicht. Die Geschichten sind aus Aufzeichnungen Ludlums entstanden und nennen sich Covert- One-Series. Die allermeisten seiner zu Lebzeiten erschienenen Romane waren von einem einheitlichen Schreibstil beherrscht, der – und das sollte betont werden – durch die Übertragung ins Deutsche durch Heinz Nagel wahrscheinlich noch an Intensität gewann.
Veröffentlichungen zu Lebzeiten:
Veröffentlichungen nach seinem Tod:
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Die Thriller und Abenteuerromane von Alistair MacLean, Len Deighton und einigen anderen Bestsellerautoren standen jahrzenntelang auf den Listen der Genreliebhaber. Dies änderte sich, als 1971 der Thriller „Das Scarlatti Erbe“ im englischen Original erschien. Ein neuer Name tauchte auf: Robert Ludlum, und er sollte sobald nicht mehr von den Toplisten verschwinden. Noch heute zehrt seine Lesergemeinde an seiner literarischen Hinterlassenschaft, den unvollendeten Scripts, die nach seinem Tod von Ghostwritern – wenn auch im Schnitt nicht mehr mit derselben Verve – druckreif geschrieben und als Covert-One-Serie veröffentlicht wurden.
Den Thrillern „Das Kastler-Manuskript“ (eine ziemlich gewagte „Theorie“ über den Tod des legendären FBI-Chefs Edgar J. Hoover), die „Matlock-Affäre“ und das „Scarlatti-Erbe“ gab ich die Schuld an manchen schlaflosen Nächten, denn in Bezug auf Robert Ludlum hielten die Romane was die Klappentexte versprachen. Das „Jesus-Papier“ darf man unverhohlen als Vorreiter der neueren, „vatikanisch“ oder sonst wie religiös-esoterisch verbrämten und nach Dan Brownscher Machart verfassten Romane betrachten.