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Jon Land
Helden der Superlative
Seine Protagonisten waren durch die Bank harte, selten unproblematische, in der Regel ganz außergewöhnliche und immer sehr, sehr einsame und selbstlose Kämpfer mit besonderen Fähigkeiten oder Eigenschaften. Es waren in gewisser Weise „beeindruckende“ Figuren, die in der Regel über dem Gesetz standen, bzw. von den respektiven Autoritäten damit beauftragt wurden, Missionen zu erfüllen oder Fälle zu lösen, die offenbar mit legalen und „normalen“ Mitteln nicht zu regeln waren. Es waren unter dem Strich und grob umrissen Männer (und anfangs nur Männer) denen es oblag, so zusagen mit allen noch verbleibenden Mitteln „den Dreck wegzuräumen, an den sich niemand anders mehr herantraute“, ein literarisch gefährliches Pflaster, das allzu schnell in gewisse seichte und äußerst triviale Tiefen abrutschen kann.
Land bewegte sich in seinen Storys für den kritischeren Leser manchmal hart am Rande des Erträglichen und strapazierte das, was man allgemein als Verherrlichung der Gewalt oder übersteigerten Illustration der Brutalität zu bezeichnen pflegt. Liest man seine Romane freilich aus dem Blickwinkel des Lesers von Comicheldenheften, so erscheinen Lands Geschichten – wenngleich noch immer unwirklich – in einem unschuldigeren Licht. Man darf sich freilich fragen, ob Land lediglich eine „Marktlücke“ spitzfindig auszunutzen wusste, oder ob er insgeheim zu dem stand, was er in seinem Texten durchblicken ließ: einen Hauch von Chauvinismus, dem gnadenlose Kritiker vielleicht eine leicht faschistoide Tendenz bescheinigen würden.
Nichtsdestotrotz (oder vielleicht gerade deswegen) wurden Lands Thriller begierig inhaliert und seine Helden mit immer halsbrecherischen Missionen, mit immer größeren Verschwörungen, mit immer tödlicheren Aufträgen konfrontiert. Männer, die solche Aufträge mehr oder weniger glaubhaft erledigen – meist unter Verneinung oder Verachtung der eigenen Gesundheit, des eigenen Lebens – schienen gefragt, denn die Auflagen und die beachtliche Leserschaft sprechen Bände.
Eins muss man Jon Land freilich zugestehen: obwohl seine Verschwörungen ziemlich einfach gestrickt sind, obwohl die Plots an sich sehr dürftig sind, so erwies er sich als ein gewiefter und gewandter Meister in der Erzeugung von Suspens. Die Romane um seine frühen Helden, die „einsamen Kämpfer“, lasen sich am besten ohne Pause, d.h., dass Land sowohl durch sein schreiberisches Können als auch im der Kunst der Spannungssteigerung echte Spitzenleistungen erbrachte. Man war versucht am Ende eines Buches tief aufzuatmen und … gleich nach dem nächsten zu greifen. Der „Ermüdungseffekt“ hingegen setzte – zumindest bei mir – recht schnell ein. Lands Storyentwicklungen schienen mir schon nach dem vierten Band allzu sehr vorhersehbar und verloren durch die kaum variierenden Wiederholungen in der Entwicklung der jeweiligen Geschichten recht schnell an Originalität.
Nach einer Pause von mehreren Jahren las ich wieder einen Land, diesmal einen Roman, indem auch das weibliche Geschlecht in den Vordergrund gespielt wurde – Ben Kamals Mitstreiterin Danielle Barnea – und kam nicht umhin festzustellen, dass der Autor wohl besser bei seinen Superhelden geblieben wäre. Komplizierte Plots scheinen Land nicht zu liegen und dort, wo er in seinen älteren Storys mit einer Fertigkeit fast ohnegleichen im Steigern der Spannung brillierte, verheddert er sich in seinen neueren Werken in Themen, die etwas mehr Glaubwürdigkeit und Logik verlangen, als er es mit seinen hochgestylten Helden, die gegen neuzeitmythologische Superbösewichte kämpften, vielleicht gewohnt war.
Inzwischen hat er mehr als zwanzig Romane veröffentlicht, bei denen es sich meist um, in unregelmäßiger Folge erschienene Serienabenteuer seiner Superhelden im Zusammenhang mit obskuren Geheimdiensten oder Polizeikorps dreht. Von seinen bisherigen Heldenfiguren blieben mir vor allem der am meisten strapazierte Charakter des leicht paranoiden Blaine McCracken und seinem dramatischen indianischen Freund Johnny Eagle, der gelegentlich die Geister befragte, in Erinnerung. McCrackens Wirkungsbereich war am vielschichtigsten und seine Missionen am mörderischsten. Seine Feinde (oder letzten Endes seine Opfer) waren in der Regel beschränkte Militärs und fanatische Organisations- und Sektenführer nebst anderem machthungrigen und gewissenlosem Kroppzeug.
Obwohl meist haarsträubend überdreht, hatten McCracken und sein indianischer Freund irgendwo noch eine wenn auch minimale „menschlichere“ Persönlichkeit als beispielsweise der „Fährmann“ Jared Kimberlain, der sich mit seiner diffusen Vergangenheit auseinander setzen und in zwei Bänden mit extrem gefährlichen und schier unberechenbaren Serienmördern herumschlagen muss, und dies auf Schauplätzen und mit Hilfsmitteln, welche die ohnehin schon gesträubten Haare quasi in ihrer Position fixierten.
Joshua Bane, der „Wintermann“, ist mir eigentlich am wenigsten in Erinnerung. Dieser Held war darauf eingesetzt den Weltfrieden zu erhalten, sprich im Alleingang einen Dritten Weltkrieg zu verhindern und einen gewissenlosen und machtgierigen Organisationschef zu stoppen.
Über diese Protagonisten konnte man trotz der Ernsthaftigkeit, mit der Land seine Thriller anzubieten pflegte, noch schmunzeln und sich für ein paar Stunden jenseits der Realität recht gut unterhalten. Lands neues Heldenpaar hingegen nötigte mir etliche Mühe und Durchhaltevermögen auf, die Kulissen und die weiteren Mitspieler als solche in ihren Rollen zu akzeptieren. Dies mag daran liegen, dass Kamal und Barnea in weniger fiktiven und vom Autor als versuchsweise realistisch denkbar verkauften Missionen agieren – Missionen die auf Plots basieren, die nichtsdestoweniger einer gewissen Logik entbehren und stellenweise regelrecht an den Haaren herbeigezogen, bzw. zusammengeflickt wirken.
Ben Kamal ist von der Detroiter Kriminalpolizei als amerikanischer Staatsbürger zurückgekehrt nach Palästina. Dort soll er mithelfen die palistinänsiche Kriminalpolizei neu aufzubauen. Seine Mitspielerin – Danielle Barnea - ist „Pakad“, die Chefinspektorin der israelischen Polizei. Sie muss mit Kamal zusammenarbeiten und dabei nicht nur ethnische Hürden überwinden. Dass beide in der Regel recht eigensinnig (wenn auch konfus aufgebaut) gegen den Sinn ihrer Vorgesetzten und quer zur Politik der implizierten Staaten agieren, versteht sich fast von selbst.
Die Liebesbeziehung, bzw. die Beziehungskiste der beiden Helden ist dementsprechend neurotisch, schon fast esoterisch, so dass dramatische personelle Verstrickungen der Helden in die Missionshintergründe, wie sie in „Der Tag des Unheils“ beschworen werden, das Lesen und die Akzeptanz der Story nicht gerade erleichtern. Man ist versucht, nach dem alten Haudegen Blaine McCracken zu rufen und sich an einen Land zu erinnern, als er mit seinen Büchern den Leser noch nachhaltig zu packen wusste.
Veröffentlichte Titel (ungeordnet und ohne Gewähr auf Vollständigkeit)
Das Messias- Komplott. Der Alpha- Verrat.
im Bastei-Lübbe Verlag und bei Amazon
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Jon Land hat Ende der Achziger einen neuen Wind in die Abenteuer- und Verschwörungsbelletristik gebracht. Wenn seine Vorgänger wie beispielsweise Ken Follet, Len Deighton, Robert Ludlum und in der Welt der Spionage u.a. Graham Greene, John le Carré und Robert Littell noch auf dem Boden der Realität (obgleich auch Fiktion) mit durchaus realistischen und „menschlichen“ Protagonisten arbeiteten, schuf Land seine Helden aus dem Stoff, aus dem auch Marvel und DC ihre Comichelden kreierten: aus der Superlative.
Über Jon Land selbst gibt es herzlich wenig Informationen und diverse Internetquellen beschränken sich auf lakonische Wiederholungen eines Satzes, nämlich den, dass er offenbar in Providence, Rhode Island lebt.