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Illuminatus Trilogy
von Robert Shea und Robert A. Wilson
Hendrik Lang
jetzt in 3 Bänden in deutscher Sprache
Der Inhalt der Illuminatus! Trilogy lässt sich nicht einfach zusammenfassen, was unter anderem an der sehr fragmentarischen Erzählweise liegt. Der Roman springt nicht nur in der Zeit zu verschiedenen Rückblenden, er wechselt auch die Erzählperspektive. Dies kann sogar mitten in einem Absatz geschehen.
Die Haupthandlung spielt zwischen dem 24. April und 1. Mai eines nicht genannten Jahres, wahrscheinlich aber entweder 1974, spielen sich doch alle Rückblenden davor ab, oder 1976, also zum 200. Jahrestag der Gründung der Illuminaten durch Adam Weishaupt (1. Mai 1776), auf die wiederholt Bezug genommen wird. Die Rückblenden gehen vor allem auf die Ereignisse unmittelbar vor dem 1. April ein, der die geschilderte Handlung einleitet. Andere gehen auf verschiedene Zeitpunkte des 20. Jahrhunderts zurück, vor allem die vorangegangenen sechs oder sieben Jahre, die frühen 60er Jahre (insbesondere den 22. November 1963, den Tag der Ermordung John F. Kennedys) und die 30er Jahre.
Nach einem glimpflich am 1. April geendeten internationalen Konflikt um die vor Afrika gelegene Insel Fernando Poo bringen offene Revolten, angestachelt von einer rechtsgerichteten Gruppe, und Meldungen um einen bei Las Vegas freigewordenen biologischen Kampfstoff „Anthrax-Leprosy Pi“ die US-Regierung in Bedrängnis. Die Geheimgesellschaft der Illuminaten, die diese Vorfälle organisiert hat, hat zu dieser Zeit bereits großen Einfluss auf verschiedene Regierungen und Organisationen. Die Illuminaten beabsichtigen außerdem einen internationalen Konflikt heraufzubeschwören, indem sie ein am Boden eines Sees bei Ingoldstadt liegendes totes Heer aus dem Zweiten Weltkrieg wiederbeleben. Die Anschläge werden durch Hagbard Celine vereitelt, der ein Agent einer alten von den bayrischen Weishaupt missverstandenen Gruppe, den ursprünglichen Illuminaten oder A A ist.
Der Roman beginnt mit den beiden New Yorker Polizisten Barney Muldoon und Saul Goodman, die das Verschwinden von Joe Malik, Herausgeber einer linksliberalen Zeitschrift, und die Explosion in dessen Büroräumen untersuchen. Sie stoßen auf eine größere Menge Memos, die eine Mitarbeiterin Maliks, die ebenfalls seit einiger Zeit verschwunden ist, zusammengetragen hat. Diese Memos bringen die beiden Polizisten auf die Spur einer Weltverschwörung durch eine Illuminaten genannte Geheimgesellschaft. Nachdem beide erst aus Maliks Wohnung entführt werden, versucht man sie einer Gehirnwäsche zu unterziehen, aus der sie von einer den Illuminaten entgegenarbeitenden Gruppe befreit werden (Justified Ancients of Mummu, kurz: JAM), der sich auch Joe Malik angeschlossen hatte. Im Auftrag dieser Gruppe machen sich Muldoon und Goodman auf den Weg nach Las Vegas, um dort nach Carmel zu suchen, einem Zuhälter, der die Krankheit Anthrax-Leprosy Pi überträgt. Carmel hat sich bei einer Prostituierten angesteckt, welche die Krankheit wiederum bei einem Forscher erworben hat, der in der Nähe von Las Vegas in einem Labor für Biowaffen arbeitet. Carmel hat sich in der Wüste versteckt, weil er von der Polizei wegen Mordes gesucht wird. Muldoon und Goodman finden ihn mit der Hilfe eines Zwillingsbruders des Bankräubers John Dillinger und werden zu Nationalhelden gekürt.
Zeitgleich wird beschrieben, wie der Journalist George Dorn, im Auftrag Joe Maliks in Mad Dog, Texas Nachforschungen anstellt, weil Malik dort das Hauptquartier der Illuminaten vermutet hatte. Dorn wird von der örtlichen Polizei wegen Drogenbesitzes verhaftet, im Gefängnis misshandelt und schließlich von der Legion of Dynamic Discord (LDD), einer anderen Gruppe, die gegen die Illuminaten kämpft, befreit. Anführer der LDD ist Hagbard Celine, der auf einem riesenhaften goldenen U-Boot lebt und angibt die Wiedergeburt Leonardo DaVincis zu sein. Dorn erlebt in Celines Begleitung, wie das U-Boot die Plünderung eines Tempels im untergegangenen Atlantis durch die Illuminaten vereitelt. Celine entnimmt dem Tempel selbst vier Statuen. Diese Statuen soll Dorn zum Oberhaupt des organisierten Verbrechens in den USA, Robert Putney Drake bringen, um diesen davon zu überzeugen für die LDD und nicht mehr für die Illuminaten zu arbeiten. Nachdem Dorn Drake überzeugen kann, wird Drakes Villa am Meer allerdings vom Leviathan, einer gigantischen einzelligen hochintelligenten Seekreatur, die im Dienste der Illuminaten steht (gleichzeitig aber von ihnen angebetet wird) zerstört. Während Dorn entkommen kann und wieder zu Celine auf das U-Boot zurückkehrt, stirbt Drake bei dem Angriff.
Dorn und Celine begeben sich schließlich nach Ingoldstadt, wo zum 30. April (Walpurgisnacht) ein Rockfestival stattfinden soll. Joe Malik, der sein eigenes Verschwinden und die Bombenexplosion in seinem Büro inszeniert hatte, stößt hier zu ihnen. Auf diesem Festival spielt unter anderem die Band American Medical Association, deren vier Mitglieder vier der fünf „Illuminati Primi“ sind. Ihre Musik soll die Wiederbelebung eines Wehrmachtsheeres auslösen, das auf dem Grund des an das Festivalgeländes grenzenden Totenkopfsees liegt. Ihr Plan ist es, dass diese Armee die Festivalbesucher töten und mit diesem Menschenopfer die geistige Erleuchtung eines noch lebenden Nazi-Führungskaders auslösen solle. Danach soll die Armee nach Osten ziehen, um einen bewaffneten Konflikt zwischen der Sowjetunion und den USA auszulösen. Es stellt sich heraus, dass Celine selbst der fünfte Illuminatus Primus ist, der aber die Illuminaten unterwandert hatte, um das Projekt zu stoppen.
In der Zwischenzeit sind Unruhen in den USA, ausgelöst durch Gruppen wie die rechtgerichteten God’s Lightning, eskaliert. Der Präsident wird vor laufenden Kameras von Journalisten erschossen und Bomben reißen eine Seite des Pentagons ein. Dabei wird der Dämon Yog-Sothoth frei, der in dem fünfeckigen Gebäude von den Illuminaten gefangen gehalten worden ist. Yog-Sothoth rächt sich an den vier Illuminati Primi für seine Gefangenschaft und tötet zudem den Nazi Kader.
Auf der Rückreise nach Amerika erläutert Celine Dorn und Malik, dass die Illuminaten der Gegenwart, neu begründet von Adam Weishaupt, eine missverstandene Abart eines alten Ordens aus Atlantis sind, der auch mit der Abkürzung A A betitelt wird. Der Roman endet schließlich damit, dass das U-Boot Celines mit einem Großteil der Hauptfiguren im Atlantik dem Leviathan begegnet, der sie angreift. Er kann aber durch den Bordcomputer des Bootes besänftigt werden.
Einen großen Teil der Trilogie machen die zahlreichen Rückblenden aus, in denen unter anderem die Lebensgeschichte Celines, Maliks und Drakes erzählt werden. Neben historischen Figuren aus Politik und Literatur, wie James Joyce, Carl Gustav Jung oder Howard P. Lovecraft werden weitere Figuren behandelt, wie der Bankräuber John Dillinger (und seine vier eineiigen Brüder) oder die Entität Malaclypse der Ältere, einem Unterstützer der JAM, der in verschiedenen Formen auftritt (wie US-Präsident Calvin Coolidge oder dem wiederauferstandenen Jesus) und dem Festival in Ingoldstadt in Gestalt Jean-Paul Sartres beiwohnt.
Bereits die Beschreibung des Inhalts macht deutlich wie weit gefächert und stellenweise absurd (Goerge Dorn unterhält sich mit einem Delphin namens Howard und erfährt, dass dessen Spezies die Psychoanalyse Jahrhunderte vor den Menschen entdeckt hat, Shea/Wilson 1975: 213) die Handlung erscheint und wie die verschiedensten historischen Persönlichkeiten und Gruppen in die vermeintliche Verschwörung der Illuminaten hineingezogen werden. Hinzu kommt, wie bereits erwähnt, die häufig wechselnde Erzählperspektive. Einerseits wechselt die Perspektive vom Ich-Erzähler zum Personalen Erzähler, danach zum Allwissenden Erzähler. Auf Seite 60 wechselt beispielsweise die Erzählweise innerhalb eines Absatzes vom Personalen Erzähler mit Fokus auf die Figur Simon Moons zu Moon als Ich-Erzähler. Außerdem ist der Ich-Erzähler ein immer wieder anderer. Ein Wechsel kündigt sich durch ein verändertes Schriftbild oder durch Kursivdruck und in Klammern gesetzte Zeilen oder Absätze an. Ein Beispiel zu Beginn des Textes findet sich, als Saul Goodman auf seinen Kollegen Barney Muldoon trifft. Zuerst beschreibt Goodman seinen Kollegen aus seiner Sicht. Nach den ersten zwei Absätzen Dialog wird eine Zeile in Kursivdruck und Klammern „Wait: George Dorn is screaming....“, wonach Muldoon der Ich-Erzähler ist und Saul Goodman beschreibt (Shea/Wilson 1975: 11). Derartige Wechsel finden manchmal mehrere Male auf einer Seite statt (ebd.: 223), während an anderen Stellen, insbesondere wenn längere Sachverhalte geklärt werden, für zwanzig Seiten kein Wechsel stattfindet (ebd.: 446ff.).
Die abrupten Wechsel, geschehen durch die zahlreichen Rückblenden nicht nur zwischen verschiedenen Perspektiven von Haupt- und Nebenfiguren sondern auch im Bereich der gesamten ersten drei Viertel des 20. Jahrhunderts (und einigen kurzen Einwürfen aus der Antike) in der Zeit. Sie könnten einer durch Drogen, insbesondere Marihuana hervorgerufenen Bewusstseinserweiterung Rechnung tragen, welche die verschiedenen Figuren regelmäßig erleben. Ein Hinweis darauf könnte der kurze Dialog zwischen Joe Malik und seinem Mentor Simon Moon sein, die sich im Jahr 1969 abspielt:
“[...] I’m getting the flashforwards already,“
“Always happens after a good dirty Black Mass with pot mixed in the incense,” Simon says […] “Does it bother you?“
“A little. I’m used to waking up in the morning with the future ahead of me, not behind me and ahead of me both.”
“You’ll get used to it. You’re beginning to contact what old Weishaupt called ‘die Morgenheutegesternwelt’ – the tomorrow-today-yesterday world.”(Shea/Wilson 1975: 230f.).
Diese Bewusstseinserweiterung ist die Vorstufe zu etwas, das an einer Stelle als Illumination bezeichnet wird und zum Effekt hat, dass man nicht nur in der Zeit, sondern auch in der Person springt, wie Saul Goodman schließlich feststellt, nachdem er der Gehirnwäsche entkommen ist und ausruft: “I’ve got it. I am Saul Goodman, but I am all the other people, too” (ebd.: 291).
Die fragmentarische Erzählweise, durch die das Werk stilistisch mit Joyce verglichen worden ist (Wikipedia 2003 [2]), wird aber durch eine sehr strikte Struktur zusammengehalten. Die gesamte Trilogie ist in zehn Teile geteilt, die „Trip“ genannt werden und die Namen der zehn Sephiroth tragen (siehe Abschnitt 3.2.2). Darüber liegt eine weitere Unterteilung des Romans in fünf Stadien, die nach den Illuminaten wiederkehrende Stadien der menschlichen Entwicklung darstellen: Verwirrung, Zwietracht, Unordnung, Beamtenherrschaft und Grummet (was Nachernte beziehungsweise –lese bedeutet und mit aftermath übersetzt wird, Shea Wilson 1975: 133).
Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Shea und Wilson ihr Werk nicht als ernst zu nehmend verstanden und es eher als eine Satire betrachteten. Beispiele für eine humoristische Tendenz sind unter anderem die im Text verwendeten Akronyme:
Ein weiterer Hinweis auf den dem Roman unterliegenden Humor sind die Namen einiger Charaktere:
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Nkrumah Fubar (ebd.: 8f., 312): Ein Kenianischer Schamane (das umgangssprachliche Akronym FUBAR steht für „Fucked up beyond all reason“)
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Sasparilla und Henry Godzilla (ebd.: 9): Ein Kanadisches Touristenehepaar in Mexiko
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Jim Treponema (ebd.: 70): Führer der KCUF (Treponema ist ein Krankheitserreger)
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Fission Chips (ebd.: 135): Bürgerlicher Name des Agenten 00005
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Stanislaus Oedipuski (ebd.: 235): Ein 1970 erschlagener Bauarbeiter
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Dr. Malignowski (ebd.: 280): Polnischer Psychiater
Der dritte Hinweis ist die eingewobene Selbstkritik. Joe Maliks Redakteur Peter Jackson versucht in Maliks Abwesenheit eine weitere Ausgabe der Zeitschrift Confrontation zusammenzustellen. Ein Teil dieser Ausgabe ist die Kritik eines nicht genannten Buches, dessen Beschreibung allerdings auf die Illuminatus! Trilogy selbst zutreffen könnte:
“[…] The authors are utterly incompetent – no sense of style and structure at all. It starts out as a detective story, switches to science-fiction, then goes off into the supernatural, and is full of the most detailed information of dozens of ghastly boring subjects. And the time sequence is all out of order in a very pretentious imitation of Faulkner and Joyce. Worst yet, it has the most raunchy sex scenes, thrown in just to make it sell, I’m sure, and the authors – whom I’ve never heard of – have the supreme bad taste to introduce real political figures into this mishmash and pretend to be exposing a real conspiracy.“(Shea/Wilson 1975: 238f.)
An anderer Stelle werden weitere Auszüge aus dieser Kritik zitiert, die noch deutlicher machen, dass Shea und Wilson hier auf ihr eigenes Buch anspielen: „[...] it’s absurdly long. Three volumes in fact. Boring as hell.” (Shea/Wilson 1975: 381). Dass der Roman selbst innerhalb seiner eigenen Realität existiert findet seine Steigerung, als gegen Ende des dritten Bandes Joe Malik erkennt, dass er nur eine Figur innerhalb einer Geschichte ist, die von jemandem erdacht und geschrieben wurde (ebd.: 722f.).
Durch all diese eben genannten Faktoren bekommt der Roman eine gewisse dekonstruktivistische Komponente. Er stellt seine eigene Realität und seinen eigenen Sinn in Frage. Er geht sogar so weit, dass er die Fähigkeiten der Autoren als Schriftsteller selbst anzweifelt. Eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse könnte zeigen, ob es sich dementsprechend bei diesem Roman lediglich um den Schabernack zweier humoristischer Autoren handelt, von denen einer mit einem absurden Wahlprogramm in die kalifornischen Gouverneurswahlen 2003 gezogen ist, oder ob es eine genau überlegte Methode in dem Wahnsinn gibt. Dies kann aber an dieser Stelle nicht geleistet werden.
Zielsetzungen der Illuminaten nach Shea/Wilson
Die Illuminaten in der Trilogie lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Die ursprünglichen Illuminaten, welche die Ideale der alten Bruderschaft von Atlantis noch kennen, und diejenigen, die sich in der Neuzeit in ihrem Namen gegründet haben und die alten Ideale falsch interpretiert haben. Beide Gruppen agieren gegeneinander. Um Verwechslungen zu vermeiden wird die erste Gruppe im Folgenden mit dem Namen A A bezeichnet.
Die moderne Inkarnation der Illuminaten wurde von Adam Weishaupt am 1. Mai 1776 gegründet, was so weit mit den historischen Gegebenheiten übereinstimmt. Sie berufen sich aber auf eine weit länger zurückliegende Geschichte, deren wichtigste Stationen ihre Erscheinung als die Assassinen von Alamut aus dem 11. Jahrhundert (Shea/Wilson 1975: 14f. und 40f.), eine Bewegung in Babylon (ebd.: 126) und ihr Ursprung in Atlantis (ebd.: 446ff.) sind. Der Atlantische Ursprung geht auf ein Wesen namens Gruad zurück, welcher von den Illuminaten und den A A unterschiedlich verstanden wird. Diese Geschichte, wie sie sich den Illuminaten darstellt, wird ausführlich auf mehreren Seiten ohne jeden Zeit- oder Perspektivenwechsel als ein Film dargeboten, den man Joe Malik vorführt. Darin ist Gruad ein Außenseiter, welcher der weitgehend ohne Gesetze lebenden Gesellschaft von Atlantis eine Ordnung geben will und sie die Unterschiede zwischen Gut und Böse lehren will. Darin bereits liegt der Ansatz Gruad mit Luzifer und der Schlange aus dem Garten Eden gleichzusetzen. Gruad, unterstützt durch eine große Zahl Anhänger, löst die Zerstörung von Atlantis aus und entkommt, um die frühe Menschheit außerhalb von Atlantis auf den Weg zu schicken, ihr Gesetze und Ordnung zu geben. Diese Gruppe um Gruad war der Ursprung der Illuminaten, die fortan weiterhin bestrebt waren die Menschheit aus dem Hintergrund heraus zu kontrollieren (ebd.: 446ff.).
Die modernen Illuminaten beeinflussen die Gesellschaft, indem sie verschiedene Geheimgesellschaften und andere Organisationen kontrollieren, unter ihnen die Freimaurer und auch die Rosenkreuzer, aber auch die modernen Assassinen, die Zeitschrift Playboy und andere
Obiges Diagramm entstammt im ersten Teil der Trilogie den Memos, welche die Polizisten Muldoon und Goodman in den Trümmern von Joe Maliks zerstörtem Büro vorfinden. Bereits zuvor haben sie entschieden, dass nicht alle in den Memos präsentierten Theorien der Wahrheit entsprechen (Shea/Wilson 1975: 50f, 97), außerdem handelt es sich um eine Beschreibung der Organisation im Jahr 1969, während danach die Posten der Illuminati Primi neu besetzt wurden. Demnach entspricht das Diagramm nicht gänzlich der in der Trilogie dargestellten Organisation der Illuminaten. Es bietet aber an dieser Stelle einen guten Überblick über einige mit ihnen in den Romanen in Verbindung gebrachten Organisationen. Dabei haben die historischen Illuminaten, wie in Abschnitt 4.1.1 dargestellt, tatsächlich großen Einfluss auf die deutschen Freimaurer ihrer Zeit gehabt, standen allerdings den zu dieser Zeit aktiven Gold- und Rosenkreuzern entgegen.
Der Roman spielt an einigen Stellen mit Zahlensymbolik, insbesondere mit der Zahl 23 und ihrer Quersumme 5. So ist laut Roman Adam Weishaupt beispielsweise im Jahr 1723 geboren (tatsächlich allerdings 1748). Auf die Seiten 221 bis 304 des ersten Teils der Trilogie ist ein Brief von Hagbard Celine an Joe Malik verteilt, der das wiederkehrende Erscheinen der Zahl beschreibt. Zur Symbolik der Illuminaten gehört das Fünfeck (Pentagon), das sie im gleichnamigen Sitz des US Verteidigungsministeriums in großer Form errichteten, um den Dämon Yog-Sothoth zu binden (ebd.: 648f.). Ein weiteres Symbol ist die Pyramide (die mit vier Seiten und einer Grundfläche fünf Flächen hat), insbesondere eine Pyramide mit einem Auge an der Spitze, so wie sie als Siegel der Vereinigten Staaten auf der Rückseite des Eindollarscheines erscheint. Der Ursprung dieses Symbols wird im Verlauf des Romans unterschiedlich dargestellt. Einmal kommt es von einer Pyramide, die einst auf Atlantis vom vermeintlichen Gründer der Illuminaten Gruad errichtet worden ist und die Sonne darstellt (ebd.: 455), an anderer Stelle stammt das Symbol von der pyramidischen Form des einäugigen Leviathan (ebd.: 721).
Dafür, dass dieses Symbol tatsächlich von den historischen Illuminaten benutzt worden ist, findet sich in der Literatur kein Beweis, ist aber die Grundlage für viele Vermutungen über die Verschwörung der Illuminaten. Dazu gehört beispielsweise, dass Adam Weishaupt in späteren Jahren den Platz von George Washington eingenommen habe, mit dem er große Ähnlichkeit besitzen soll, und somit die Illuminaten bereits bei der Gründung der USA eine wichtige Rolle spielten (ebd.: 39 und 43).
Am Ende der Bestrebungen der Illuminaten steht eine Zukunft, die ohne die von ihnen einst auf den Weg geschickte Menschheit auskommen muss. Das Ziel wird als „immanentize the Eschaton“ (Shea/Wilson 1975: 470) bezeichnet, was als „das Ende herbeiführen“ beschrieben wird und eine Apokalypse bedeutet. Der Bordcomputer auf Celines U-Boot erklärt dies zum Ende des Abschnittes „Unordnung“ in der Mitte des zweiten Bandes genauer. Demnach setzt der Tod eines Menschen eine gewisse Menge einer consciousness energy („Bewusstseinsenergie“) genannten Kraft frei, die von den Illuminaten dazu genutzt wird einzelne Mitglieder auf eine höhere Existenzebene (immortal energy plane) zu versetzen. Dieser Vorgang, der auch als transcedental illumination bezeichnet wird, ist offenbar vollkommen unterschiedlich von der Illumination, die durch vermehrten Drogenkonsum erreicht werden kann (ebd.: 472).
Die Erweckung einer Armee, die nach dem Massaker an den Besuchern des Rockfestivals in Ingoldstadt nach Osten marschieren und einen internationalen Konflikt auslösen soll, der in einem Weltkrieg endet, hat zur Aufgabe gemeinsam mit der Ausbreitung des Erregers von Anthrax-Leprosy Pi die Menschheit zu vernichten. Die dabei freiwerdende Bewusstseinsenergie ist dafür gedacht, dass alle Illuminaten gleichzeitig diese höhere Existenzebene erreichen können. Das Erreichen dieses Zustandes für alle Illuminaten war, so der Computer, der die Geschehnisse in Ingoldstadt vorausberechnet hat, sei seit je her, also seit den Tagen Gruads, Ziel dieser Gruppe gewesen. Demnach hatten die frühen Illuminaten Gruads die Menschheit nur zu dem einen Zweck gefördert, damit sie sich derart vermehren, um genug Energie bereitzustellen. Sie beeinflussten die Gesellschaft insbesondere dafür, um eine Situation zu schaffen, in der die Menschheit sich selbst vollständig auslöschen würde.
Um dieses Ziel zu erreichen machen sich die Illuminaten ein historisches Grundprinzip zu Nutze, nach dem die menschliche Gesellschaft fünf sich wiederholende Stadien durchläuft. Diese Stadien sollen von Weishaupt bestimmt worden sein und werden daher mit deutschen Namen betitelt: Verwirrung, Zwietracht, Unordnung, Beamtenherrschaft und Grummet. Diese fünf Stadien, werden in den Anhängen des Romans genauer beschrieben (Shea/Wilson 1975: 742ff.), wo auch darauf hingedeutet wird, dass dieses Weltbild natürlich an den Historischen Materialismus des Marxismus erinnert. Außerdem wird eine Anlehnung an Hegels Dialektik genommen, indem die fünf Stadien auch als „Thesis, Antithesis, Synthesis, Parenthesis and Paralysis“ (ebd.: 745).
Den Illuminaten und ihren Plänen stehen besonders drei Gruppen gegenüber, die offenbar alle Teile oder zumindest Fassaden der A A sind. Den Justified Ancients of Mummu (JAM) steht mindestens einer der John Dillinger Fünflinge vor, der Legion of Dynamic Discord (LDD) steht Hagbard Celine vor und die Erisian Liberation Front (ELF) wird von einem nur kurz in Erscheinung tretenden Dealy Lama geführt. Letzterer stellt sich zum Ende des Romans allerdings als Führer der A A heraus, der gleichzeitig identisch ist mit dem mythischen Gruad von Atlantis.
Jede der drei Gruppen präsentiert nach außen hin eine andere Version der Geschichte, die die Ursprünge der Illuminaten betrifft. Diese Geschichten verändern sich im Laufe des Romans und sind in sich nicht immer konsistent. Alle drei Gesellschaften haben gemeinsam, dass sie eine enge Beziehung zu der Griechischen Göttin Eris haben. Diese hatte mit einem goldenen Apfel Zwietracht unter den Göttern gesät, weil dieser Apfel der schönsten Göttin zustand und der Olymp sich uneins war, wem der Apfel zugesprochen werden sollte (Ranke-Graves 1997: 589). Damit stehen sie in der Dialektik der Illuminaten dem zweiten Zeitalter Zwietracht nahe. In diesem Zeitalter erstarkt eine herrschende Klasse, die Macht über einen anderen Teil der Bevölkerung gewinnt. Dies ruft wiederum Neid und Zwietracht hervor (Shea/Wilson 1975: 749f.).
Der Name der Legion of Dynamic Discord insbesondere und ihr Schlachtruf „All hail Discordia!“ deuten auf die enge Verbindung dieser Gruppe zum Konzept der Zwietracht hin, die wiederum einen wichtigen Teil der von A A angestrebten Zukunft andeutet. Diese besteht nicht einfach nur darin die Illuminaten bei ihren Bestrebungen zu behindern. Auch A A beruft sich auf die Figur des Atlantischen Gruad. Dieser ist in den unterschiedlichen Mythen auf andere Weise erschienen, wie als Prometheus, der den Menschen da Feuer gebracht hat, und auch als Luzifer, dessen Name „Lichtbringer“ bedeutet, womit beide als erleuchtende, Illuminierende Gestalten beschrieben werden. Gruad sagt selbst zu seiner Rolle in Atlantis: „I tried to give the light of reason.“ (Shea/Wilson 1975: 726) und ist somit deutlich ein Aufklärer und damit auch durchaus mit den historischen Illuminaten, welche sich vor allem der Aufklärung verschrieben hatten, verbunden. Nach dem Untergang von Atlantis, welcher in dieser Variante der Geschichte eine reine Naturkatastrophe gewesen ist, vor der Gruad gewarnt hatte und ihr mit einem Gefolge entkommen war, wollten die Überlebenden ihn zum König krönen. „That wasn’t our story, so we scattered various false stories and went into hiding.” (ebd.: 725) Diese falschen Geschichten waren es offenbar, welche die späteren Illuminaten als Grundlage für ihre Version der Geschichte nutzten.
Tatsächlich lehnte Gruad und mit ihm A A den Gedanken an Herrschaft vollständig ab. Die von ihnen projektierte Gesellschaft ist eher eine anarchistische, wie Hagbard Cline es formuliert, wenn er sagt: “Do what thou wilt is our law.“ (ebd.: 694) Damit schlägt A A eine weit radikalere aber auch stringentere Richtung ein, als der historische Weishaupt sie mit seiner Forderung nach einer einheitlichen Weltregierung geplant hatte:„All I’m doing – all the higher Order of the A A has ever tried to do- is to communicate with people, in spite of their biases and fears. Not to rule them. And what we’re trying to communicate – the ultimate secret, the philosopher’s stone, the elixir of life – is the power of the word No. We are people who have said Non serviam, and we’re trying to teach others to say it.”(Shea/Wilson 1975: 697)
Es ist also das Ziel der A A das Gedankengut zu verbreiten, dass der Mensch sich nicht beherrschen lassen soll, dass er also aus dem durch das zweite Zeitalter der Illuminaten hervorgerufenen Zustand ausbrechen soll. Dabei wird allerdings die organisierte Aufklärung abgelehnt, weil eine Organisation, eine Struktur und somit eine Form von Hierarchie vorgibt, zumindest dadurch, dass es jemanden gibt, der die Organisation aufstellt und damit wiederum anderen Anweisungen gibt. In dem oben zitierten Abschnitt wird deutlich, dass die von der A A und zumindest von Celine bevorzugte Weg der Aufklärung eine Form von Mundpropaganda ist.
Die einzige Regel, die in der von der A A projektierten Gesellschaft gelten soll und für ihre Mitglieder schon jetzt gilt, ist „As ye give so shall ye get.“ (Shea/Wilson 1975: 689) Demnach ist jeder Mensch frei zu tun was er will, er muss allerdings mit den Konsequenzen für sich selbst leben. Der persönliche Konflikt Celines, den er am Ende mit sich ausficht ist der, dass er, um die anderen Illuminati Primi zu stoppen, Entscheidungen gefällt hat, die für ihn Konsequenzen haben werden, wie sie auch aussehen mögen. Im Rahmen des Kampfes seines U-Boots über den Ruinen von Atlantis hat er sowohl das Leben mehrer mit ihm verbündeter Delphine riskiert als auch die gegnerischen Besatzungen getötet. Solche Aktionen sind normalerweise entgegen der Philosophie des A A , der Gruad zufolge lieber nichts tut statt Aktionen zu unternehmen, die für ihn oder die Organisation negative Konsequenzen haben. Er verlässt sich lieber darauf, dass der einzigen Regel zufolge durch die Konsequenzen, die die Gegner wiederum bei ihren Aktionen in Kauf nehmen müssen, ein Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Celines Konflikt kommt dadurch zustande, dass er sich darauf nicht verlassen wollte, weil die Situation für ihn ohne Aktion aussichtslos erschien (ebd.: 694).
Auch bei der A A haben wir es mit einer Form von Utopia zu tun, bei der es keine herrschende Klasse mehr gibt. Wie aber auch bei den historischen Illuminaten fehlt ein genauer Weg dieses zu erreichen. Ebenso gibt es keine genauen Vorstellungen, zumindest werden keine genannt, wie diese angestrebte Zukunft aussehen soll.
Shea und Wilson bieten in ihrer Trilogie gleich zwei Varianten der Illuminaten mit unterschiedlichen Zukunftsplänen an. Eine von ihnen führt den kosmopolitischen Gedanken Weishaupts weiter und schlägt eine herrschaftslose Welt vor, die andere zielt auf die Vernichtung der Menschheit ab und geht damit eher in die Richtung der in Unterkapitel 4.4. besprochenen Verschwörungstheorien.
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