Märchen und Fabeln

erzählt von: elaOlyn

 

 

 

Anansi

 

 

Es lebte einmal vor langer, langer Zeit eine schlaue Spinne namens Anansi. Die kam eines schönen Tages auf die Idee, weise zu sein, nicht bloß ein bisschen weise, nein sie wollte das weiseste Geschöpf, das es überhaupt gab, sein. Anansi selber wusste, wie wenig er doch im Grunde wusste, deshalb nahm er sich vor alle Weisheit der Welt zu sammeln. Er suchte sich eine besonders schöne Kalebasse heraus, damit er sein Wissen aufbewahren konnte und machte sich auf den Weg.Unterwegs befragte er jeden den so traf nach seinem Wissen. Manchmal musste er dafür bezahlen, aber meistens hatte er es sich ergaunert. Mit der Zeit bekam er das Wissen auch umsonst, da die meisten glaubten, dass eine Spinne mit einem solchen Schatz an gesammelten Wissen um einiges weiser als sie selbst wäre und sie empfanden eine große Hochachtung vor so viel Weisheit.

So wanderte er lange Zeit umher, Monate und Jahre vergingen aber schließlich hatte er nach vielen Mühen die Weisheit der ganzen Welt in seiner Kalebasse. Stolz dachte er bei sich:” Ha, nun bin der Klügste von allen. Ich werde ein Versteck suchen, damit niemand mein Wissen finden kann und ich für den Rest der Zeiten das klügste Wesen bleiben werde.”

Anansi suchte nach einem geeigneten Versteck und fand es im Wipfel des höchsten Baumes. Nur eine Spinne konnte so hoch klettern. Da fand Anansi, dass es das beste Versteck sei, dass er finden konnte. Er band sich von all der gesammelten Weisheit inzwischen sehr schwer gewordenen Kalebasse mit einem Tuch um den Bauch. Mit seinen acht Beinen erklomm er nach und nach den Baum. Aber was für eine Arbeit! Die Kalebasse war schwer und ihm ständig im Weg, er schaffte es bis zur Hälfte des Baumes, dann rutschte er immer wieder ab. Anansi fluchte leise vor sich hin.

Da kam sein kleiner Sohn und beobachtete das seltsame Treiben seines Vaters. Der seinerseits war nun ganz und gar nicht entzückt, ertappt worden zu sein.

Erstaunt fragte sein Sohn: “Warum bindest du dir die Kalebasse nicht einfach auf deinen Rücken, Vater? Dann ist sie dir nämlich nicht im Wege.”

Anansi kratzte sich am Kopf und dachte angestrengt nach, schließlich befand er: “Wenn ich so drüber nachdenke, meine ich, dass es klappen könnte.”

Anansi befolgte den Rat seines Sohnes und erreichte ohne Schwierigkeiten den höchsten Wipfel des Baumes. Aber als er oben war, bemerkte er, dass sein Sohn klüger gewesen war, als er.

“Man kann die ganze Weisheit der Welt nicht in eine Kalebasse stecken!” heulte er und schüttete in einem großen Bogen den ganzen so mühsam gesammelten Inhalt über die Welt.

So geschah es, dass sich das Wissen in der Welt verbreitete. Und hoch oben im Wipfel des Baumes fühlte Anansi was Weisheit bedeutete.


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