Kurzgeschichte:

 

 

Der Begriff Kurzgeschichte wurde dem englischen Begriffs short story entlehnt, ist eine literarische Form der Prosa, deren Hauptmerkmal eben in ihrer Kürze liegt.

Die Gattung der Kurzgeschichte entstand im Bereich der englischsprachigen, insbesondere der amerikanischen Literatur. Edgar Allan Poe darf als Miterfinder der Kurzgeschichte genannt werden. Im deutschsprachigen Raum wurde die Kurzgeschichte erstmals um 1900 aufgegriffen. Hier musste sie sich zunächst gegen andere etablierte Kurzformen (z. B. Novelle, Anekdote, Kalendergeschichte) durchsetzen.

Die „deutsche Kurzgeschichte“ ist vor allem das Produkt des „Kahlschlags“ nach 1945. Dieser Begriff bezeichnete in den Debatten der Zeit den Versuch, einen literarischen Neubeginn zu setzen, eine literarische „Stunde Null“ (Alfred Andersch) zu proklamieren. Indem sie auf die Form der Kurzgeschichte zurückgriffen, bezogen sich die Autoren dieser Zeit nicht nur auf amerikanische Vorbilder – als besonders einflussreich gilt Hemingway –, sondern setzten sich mit kurzen Texten in einer einfachen und sachlichen Sprache bewusst von den umfangreichen, pathetischen und ideologisch aufgeladenen Werken der nationalsozialistischen Literatur ab. Der neue Stil entsprach dem Programm der Gruppe 47, deren Autoren wesentliche Beiträge zur Entwicklung der Gattung leisteten.

Bis in die fünfziger Jahre setzen sich viele Kurzgeschichten kritisch mit der Nachkriegszeit auseinander. Vor allem Wolfgang Borchert thematisiert unmittelbar die Probleme der Kriegsheimkehrer, die Armut Ende der 40er-Jahre,, die Schwierigkeiten der Soldaten, sich im Frieden zurechtzufinden. Kern seiner Kurzprosa ist dabei die grundlegende Ablehnung des Krieges und die Suche nach „Menschlichkeit in den Ruinen“.

Es gibt keine einheitlichen Merkmale, die auf alle Werke zutreffen, die als „Kurzgeschichte“ bzw. „short story“ bezeichnet werden. Nichtsdestoweniger lassen sich einige Merkmale aufzählen, die vor allem für die deutsche Kurzgeschichte kennzeichnend sind:

  • Die Geschichte soll in einem Leseakt gelesen werden können.
  • Die Aussage des Textes soll nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein und sollte vom Leser durch Analyse erschlossen werden.
  • Die Geschichte ist nach Hemingway's Iceberg Theory geschrieben, das bedeutet, dass nur ein kleiner Teil der Informationen direkt im Text stehen, während der größte Teil durch Lesen zwischen den Zeilen und Verknüpfen von Handlungen erschlossen werden muss.

 

 


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