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 Glücklich ist derjenige, dessen Lebensumstände seinem Temperament angepasst sind; höher noch aber steht derjenige, der sein Temperament allen Lebensumständen anzupassen vermag. (David Hume)

 

Emotionen und Gefühle

 

 Die freudsche Eisbergtheorie, nach der unser Bewusstsein quasi nur die Spitze eines Eisberges darstelle und der Teil unter Wasser unser für uns unerreichbares Unbewusstes sei, hat sich durchgesetzt.
 
Die 10-20% (die Spitze, unser mehr oder weniger bewusstes Leben) werden an sich

·         1)von sinnlich auf uns einströmenden und rational bewerteten Erfahrungen und damit in Zusammenhang stehenden bewussten Gedanken (Verstand) gebildet,

·         2) von "quasi-autonomen motorischen Abläufen" und

·         3) von Impulsen gesteuert. Gleichzeitig werden

·         4) die 10-20% durch Impulse, die in Interaktion zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten stehen, zusätzlich von den verbleibenden 80% Unbewusstem beeinflusst.

·         5)Dabei darf unser kollektives Gedächtnis und seine spezielle Wirkung nicht vergessen werden, sowie

·         6)unsere Triebe, die als solche wert- und emotionsfrei sind und rein existentiell. Wie und in welcher Form(Bedürfnis) sie sich zeigen, hängt von der Wirkung unserer momentanen Verfassung ab, wie wir die Triebsignale empfangen und unsere Psyche sie zu Bedürfnissen formt.


Aus diesem "Gesamtgemisch" bilden sich unsere Gemütszustände, welche ihrerseits (wieder) auf unser laufendes Denken und Handeln einwirken. Dieser "gemischte Zustand oder Ablauf" ist eigentlich ein Dauerzustand und könnte auf den ersten Blick gar nicht von Verstand, Logik und Vernunft penetriert werden. Da wir aber die Fähigkeit haben, sozusagen parallel zu unseren Gemütszuständen mit Vernunft und Logik gedanklich operieren zu können, was man auch noch bildlich als "sich neben sich stellen, beobachten und gegen wirken oder einwirken" erklären kann, sind wir in der Lage unsere Gemütszustände als solche zu erkennen, zu analysieren, in den Griff zu bekommen, zu verändern oder in andere Bahnen zu lenken. 

 

Paralleles Denken


Es heißt, dass wir die Kapazitäten unseres Verstandes inklusive die Begabungen Logik und Vernunft nur zu knapp +-20% (siehe oben) auszunutzen vermögen, weil "wir" nicht auf eine gesteigerte Ausnutzung "trainiert" seien. Meiner Meinung nach ist das nicht allein eine Sache des "Trainings". Wenn wir durch "paralleles Denken" auf unsere Gemütszustände einwirken können, ist es meiner Meinung nach nur eine Frage des Wollens und des konsequenten kontrollierten Versuchens(Training), um auch im günstigsten Fall schon auf die Entstehung unserer Gemütszustände Einfluss zu erhalten, will sagen: die, unseren Verstand und unser bewusstes Denken hemmende oder verfälschende Einflüsse, durch paralleles Denken schon beim Entstehen neutralisieren zu können. Dies hätte langfristig dieselbe Wirkung und denselben Erfolg wie eine Psychoanalyse und brächte den Vorteil, dass in der Konsequenz die gestauten Emotionen und anderen Elemente aufgearbeitet und ggf. aufgelöst werden könnten.


Kurz: wenn wir uns selbst kennen und selbst integral verwalten lernen, wäre unser innerer Schweinehund arbeitslos und der Eisberg würde kopfüber kippen. (bildlich gemeint)

Wir würden unsere Emotionen quasi "in den Griff" bekommen, damit sie gar nicht erst den Verstand oder die Vernunft mit ihrem mächtigen Einfluss überlagern und das Denken behindern, bzw. auf andere, z.B. depressive Bahnen lenken könnten.Im besten Fall wären wir imstande, uns bis zu einem gewissen Grad selbst zu bestimmen, indem wir unsere Emotionen sozusagen kontrollieren. Man mag mir vorhalten, dieses Bestreben ziele eine totale "Entmenschlichung", bzw. strebe die Negierung sämtlicher Gefühle an. Einige Entsetzte würden sagen: was wäre ein Mensch, ohne seine Gefühle, seine Irrtümer, Träume, Fehlschläge, Siege, Erfolge, Enttäuschungen, Glücksgefühle und all, dem, was uns zu dem mache, was wir sind?? 

 

Der kleine Unterschied 

 

Diese Einwürfe sind wohl verständlich, haben sogar vordergründig ihre Berechtigung, sie zielen aber an den Zusammenhängen und dem Funktionieren des Menschen als Ganzem vorbei. Deshalb scheint mir eine genaue Bestimmung dessen notwendig, was allgemein und in der Umgangssprache unter Gefühl und Emotion verstanden wird. 

 

Gefühle 

sind Grundbefindlichkeiten (Angst, Liebe, ...) Sie sind in gewisser Weise "angeboren". Sie sind neben den Trieben (Hunger, Libido, Überleben ...) das, was uns am Leben erhält und unser Wesen entfaltet. Diese Grundbefindlichkeiten können wir zwar bis zu einem bestimmten Grad pervertieren, wir können sie aber nicht aus der Welt schaffen, bzw. aus unserem Wesen verbannen. Wir können sie nicht einmal in den Griff bekommen, weil sie es sind, die uns als das, was und wie wir sind, bestimmen. 

Emotionen

hingegen sind sekundäre "Gefühle" und werden vom Menschen im Lauf seiner Entwicklung "erworben", durch Erziehung und Kultur angelernt, anerzogen und anerfahren. Sie sind in gewisser Weise die "Gefühle", die sich aus Erlebnissen, Erfahrungen und daraus geschlossenen Erkenntnissen für jeden von unsin individueller Dichte ergeben (Furcht, Ekel, Abscheu, Hass, Verachtung, Widerwillen, Neid, Minderwertigkeitsgefühl, egozentrische Trauer, Glücksgefühl, Ent-täuschungschmerz ....) Das alles sind "Gefühle", die wir erst entwickeln. Sie sind nicht "angeboren". Und genau diese Sekundärgefühle sind es, die unseren Verstand dahingehend beeinflussen, dass wir "Sachen tun", die eigentlich unsinnig sind, weil sie "keinen natürlichen Sinn" ergeben und von ihrem Zweck her unlogisch sind. 

 

Beispiel: es ist ein natürlicher "Reflex" (Rest von Instinkt) vor allem Unbekannten zuerst einmal "Angst" zu empfinden. Das ist eine (quasi instinktive) Warnung zur Vorsicht gegenüber Unbekanntem. Nach Prüfung dieses Unbekannten (durch den Verstand oder die Praxis) stellt sich heraus, ob dieses Unbekannte real (existent) und ob es "für uns schädlich" oder gar "nützlich" sein kann. Diese Angst ist von vorneherein "wertfrei", sie bewertet nicht.Die Furcht hingegen ist ein durch erworbenes Wissen oder durch übernommenen Glauben beeinflusstes Angst"gefühl" . Wir fürchten berechtigterweise Krankheiten, weil sie uns in unserem Leben behindern. Dadurch dass wir sie fürchten, wird den Krankheiten aber icht die Wirkung geommen. Wir legen noch eine zweite Wirkung hinzu; nämlich die, aus Furcht vor der Krankheit unsere Reserven zu blockieren, die uns bei der Überwindung der Krankheit helfen könnten.

 

Wir fürchten die Schlange, weil man uns gelehrt hat, dass sie gefährlich (giftig) und "schlecht" sei, obwohl sie es in Wirklichkeit nicht auch zwingend sein muss. Hier spielen uns übermittelte Erfahrungen und schon in ihrem Ansatz induktiv belastete Schlussfolgerungen eine Rolle.Man hat uns gelehrt, dass alle Hunde beißen und gefährlich seien, obwohl auch dies nicht zwingend so sein muss.Man warnt uns vor dem Meer, weil man darin ertrinken kann, was auch nicht zwingend wahr ist usw usf. Irrtümer, Fehlschläge, Enttäuschungen, aber auch Erfolge und Siege sind Gegebenheiten oder damit verbundene oder daraus entstehende Gemütszustände, die sich erst durch den Einfluss unserer im Unbewussten abgespeicherten "Emotionen" in jeden individuell entwickeln und auch entsprechend individuell "empfunden" werden.

 

(Weshalb man bei einem Therapiepatienten unter anderem nicht so einfach und schematisch von einer Emotion auf beispielsweise eine Verhaltensstörung schließen darf. Erst wenn der Auslöser und die Ursache der Emotion zu Tage gefördert wurden, können Schritte zum Erkennen der Zusammenhänge und anschließend zur Genesung unternommen werden. Keine Emotion wirkt allein. Jedwede emotional im Unbewussten gespeicherte, zwangsläufig subjektive Erfahrung ist durch kausale Zusammenhänge mit anderen interaktiv und beeinflusst abrufbar. Träume sind in der Regel psychische Immanationen (Aus- und Rückflüsse) aus dem Unbewussten, die durch kognitive Auslöser aktiviert werden.Introspektion > Rekonstruktion >( Psycho)Analyse > Klärung > evtl. Genesung)  

 

Dieses Zusammenspiel von Kognitivem und Unbewusstem macht uns zu dem, was wir jeden Moment in unserem Leben sind. Und was sind wir ? Sind wir nicht die Abhängigen unserer Emotionen? Lassen wir uns nicht ziemlich willfährig von ihnen bestimmen? Unser ganzes Wesen, unser Denken und Handeln wird von ihnen beeinflusst,... und bei weitem nicht immer "zum Guten". Im Grund sind wir "jetzt" schon fremdgesteuerte Roboter, fremdgesteuert von unseren Vorstellungen und Emotionen, die nicht unserer eigentlichen Natur entsprechen, die wir uns im Laufe unserer Entwicklung sozusagen "herangezüchtet" haben und mit denen wir - weil wir uns im Grunde aus Angst vor dem, was wir werden könnten, "nicht ändern wollen" - zwangsläufig leben müssen. Wir werden nicht von unserem "Geist" gelenkt, sondern von unseren Vorstellungen und Emotionen und den Auswirkungen, die sie auf unser Denken und unser Verhalten haben. 

 

Die Menschlichkeit 

 

Wir werden erst "menschlich", wenn wir diese, uns in unserer Entwicklung störenden Faktoren erkennen und auflösen können. So wie wir jetzt "leben", bewegen wir uns auf einer Zwischenstufe zwischen Mensch und Tier. Nicht mehr und nicht weniger. Wir haben Fähigkeiten, die uns vom Tier abheben, aber wir nützen sie nicht. Wir schöpfen sie nicht aus. Wir nutzen unseren Verstand nur zu annähernd 20%. Dabei ist er die "Waffe", die uns vor Fehlverhalten und daraus erwachsender Unbill und Krankheiten schützen soll. Wir gebrauchen ihn aber nicht in dem Maß, wie wir es könnten, wie wir es sollten, wäre wir die höheren Wesen, als die wir uns nur zu gerne sehen. Wir sind inkonsequent: einerseits möchten wir nicht auf die vermeintlich guten Emotionen verzichten, die uns das Leben schön (relativ) und angenehm (relativ) machen. Andrerseits aber würden wir die schlechten Emotionen am liebsten völlig aus der Welt schaffen, weil sie uns das Leben erschweren.

 

Dabei werden wir uns nicht bewusst, dass beide, die so genannten guten und die schlechten Emotionen dauernd ineinander gleiten (Immanation) und uns als Mensch wie ihre Spielbälle "emotional" hin und her rütteln.Wie "schön" muss das Leben erst sein, wie "menschlich" muss es erst sein, wenn wir unabhängig von unseren Emotionen "unser Leben auch leben könnten, es selbst bestimmen könnten"??

 

Erst in diesem Zustand wäre es sinnvoll und ergiebig über Frieden zu diskutieren. Vorher ist eine solche Diskussion von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Nach meiner Ansicht hat diese "Vision" absolut nichts mit der zwar verständlichen, nichtsdestoweniger aber irrigen Vorstellung zu tun, dass aus dem Menschen sozusagen ein Roboter oder eine Biomaschinen werden würde – bar jeder Gefühle und rein logisch und vernünftig funktionell. Im Gegenteil ! Erst in dem Zustand unserer Befreiung von den uns hemmenden und irreführenden Emotionen kämen unsere Grundbefindlichkeiten wie die natürliche Angst, die natürliche Liebe und unsere Urtriebe zum Tragen und können "vernünftig" und "menschlich" wirken.  

 

Vision: eine Welt ohne Hass, ohne Neid, ohne Furcht, ohne "Unterschiede" im Menschsein,.... ein Wunschtraum? Zweifellos ja! Ein Wunschtraum aber nur insofern und nur solange, wie wir nicht damit beginnen "umzudenken" und unseren Verstand, unsere Vernunft und die Logik dazu zu benutzen, das Leben als solches in der Gemeinschaft "menschlich" zu gestalten!! Das geht freilich nur, wenn wir "etwas mehr" als nur 20% unserer Denkkapazitäten beanspruchen.  


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 Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich gibt, die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten angewendet würde. (Arthur Schopenhauer)

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Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten.
(Wilhelm Busch)