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Der intelligente Mensch

Logisches und vernünftiges Denken und Handeln ist nicht gerade eine Stärke der Menschen, dabei würde die daraus entstehende Lebensweise auf Dauer genauso zur „Gewohnheit“ wie analoges oder unlogisches Denken, inkonsequentes Handeln und der Mensch könnte sich die meisten seiner Ent-Täuschungen ersparen.

Logik, Vernunft und Verstand werden offensichtlich von einer Mehrheit der Menschen nicht sinnvoll genutzt. Viel eher werden sie als unwichtig beiseite geschoben, dabei sind sie die wichtigsten geistigen Eigenschaften, Begabungen und Fähigkeiten überhaupt. Ohne sie stünden wir intellektuell auf der Stufe eines beliebigen Säugetiers.Logik, Vernunft und Verstand sind die maßgeblichen Faktoren, die eine Persönlichkeit ausmachen. Aus ihrer Interaktion ergeben sich das Verhalten und das Handeln und  durch ihre Wirkung auf den Phänotyp tragen sie zur Ausstrahlung, bzw. zur Wirkung des Menschen auf andere bei.

Die Vernunft ist eine Eigenschaft (oder eine geistige Tätigkeit) die auf die Werterkenntnis, die Zusammenhänge der Dinge, ihre Interaktion und ihre Zweckmäßigkeit gerichtet ist.

Der Verstand ist mit der Logik und der Vernunft in dauernder Interaktion verbunden. Er liefert die Erkenntnisse unserer Sinne, die von ihm schon aufgrund von festen (empirischen) Erfahrungswerten sozusagen vor-geordnet werden, an die Logik und Vernunft. Diese beurteilen und bringen sie in einen vernunftgerechten, logisch methodischen Zusammenhang und „schicken“ sie wieder an den Verstand zurück, der uns dann eine Handlung oder Maßnahme vorgibt. Das Ganze nennen wir dann den Vorgang oder Ablauf einer „Überlegung“, die in einer Handlung oder einem Verhalten mündet.

 

Alle drei zusammen könnte man als „unsere denkende Seele“ bezeichnen, die uns letzten Endes in unserem ganzen Wesen leitet. Nichts in unserem Organismus geschieht ohne einen Gedanken, bzw. ohne einen, durch Erfahrungswerte vom Verstand anerkannten Impuls. Nur der Reflex kommt ohne den Verstand aus.

Der Verstand „arbeitet“ einerseits mit den von unseren Sinnen aufgenommenen Fakten, andrerseits mit den, aus dem Unbewussten durch Assoziationen aufgerufenen Erfahrungswerten und verdrängten Emotionen und letztendlich mit dem Fundus des kollektiven Gedächtnisses, das in jedem Menschen archetypisch verankert ist.Ohne Verstand, Logik und Vernunft wäre der Mensch quasi ein Weichtier, weil unsere Instinkte im Lauf der menschlichen Evolution bis zu einem verschwindend kleinen Anteil „verkümmert“ sind, bzw. durch die Entwicklung des Geistes (Verstand, Logik und Vernunft) verdrängt wurden.Betrachtet man den Ameisenhaufen Erde und besonders die auf ihm herumwuselnden Menschen, könnte man irrigerweise anzunehmen, dass – wäre auch nur ein klitzeklein wenig mehr Logik und Vernunft, bzw. Verstand in den Köpfen dieser Spezies vorhanden - würde jeder Einzelne irgendwann von allein darauf kommen, dass er sich heute noch kaum anders verhält, als diejenigen, die er als seine hominiden Stammväter bezeichnet. Der Mensch rennt und stampft noch immer rammelnd und keulenschwingend durch seine Geschichte und es sieht so aus, als sei er sich dessen gar nicht bewusst, dass er mittlerweile schon die dritte Bewusstseinsstufe erreicht hat. Sein geistiges Fassungsvermögen liegt aber offensichtlich total brach, weil der Verstand zu Gunsten der Triebe schmählich ignoriert wird.  Der Mensch lügt, betrügt, vergewaltigt, schändet, mordet. Wie es aussieht benutzt er seine Logik, seine Vernunft und seinen Verstand ausschließlich für diese Beschäftigungen. Manchmal scheint es auch, als seien in dem was er seinen Geist nennt, diese Begabungen überhaupt nicht vorhanden.

Und doch. Die Logik ist schon vorhanden, die Vernunft auch, auch der Verstand ist vorhanden. Da aber die absolute Mehrheit aller Menschen diese drei Eigenschaften fast nur noch benutzt um aufs Klo zu gehen oder Kartoffeln zu schälen, haben wir die Riesenscheiße hier auf Erden, die wir nun einmal haben. Seit dreieinhalb Millionen Jahren schlagen sich die Menschen schon die Köpfe ein und leben heute nach wie vor wie (intellektuelle) wilde Tiere. Sie leben nach dem Vendettaprinzip und benutzen nicht ihren „Kopf“, sondern richten sich noch immer nach ihren Urtrieben. Das absolute Minimum, wofür sie ihren Verstand benutzen, beschränkt sich wiederum nach wie vor aufs Überleben und Vermehren und zu einem beträchtlichen Teil auch um Ihresgleichen zu beweisen, dass ihr Knüppel härter und tödlicher ist, als derjenige des Anderen.

Das heißt jetzt nicht, dass sie ihren Verstand gar nicht benutzen würden. Den benutzen sie allerdings, freilich nicht um den ihrer Spezies nicht würdigen, unvernünftigen und unlogischen Wahn-Sinn zu beenden, sondern um ihn mit immer ausgebuffteren Mitteln noch effektiver gestalten und in extenso weiterführen zu können.

Ihr Verhalten ist paradoxerweise manchmal sogar „logisch“ und zwar dann, wenn sie ihre Waffen auf ihre Ziele richten und mit der Vernunft und dem Verstand die wirksamsten „targets“ errechnen - wenn sie in den Kirchen, den Regierungen, den Wirtschafts- und  den Finanzimperien lügen und betrügen und ihre persönliches Egos masturbieren, bis sich die Stahlbalken ihrer Elfenbeintürme biegen – wenn sie sich im Konsumwahn und der Unterhaltung bis zur physischen und geistigen Erschöpfung wie Schweine im Dreck wälzen und dann der Welt beweisen wollen, wie ordentlich, wie kultiviert und moralisch-ethisch korrekt sie ihre Kinder erziehen. Schaut her: wir sind die Krone der Schöpfung. Wir sind das Ebenbild Gottes. Wir sind Menschen.

Ihr gesamtes Denken hat rein gar nichts mit elementarer Vernunft und verstandesmäßigem Handeln zu tun.

 

Es ist ja auch nicht so, dass noch niemand ihnen all das schon einmal wie in einem Spiegel gezeigt, gesagt und erklärt hätte. Denker und Mahner gab es zu allen Zeiten in allen Kulturen. Sie wurden bis zum Absurdum bewundert, aus Angst gemieden, aus Unsicherheit verspottet, bis zum Verstummen geehrt oder auch schlicht eingesperrt oder hingerichtet. Niemand hörte ihnen wirklich zu, geschweige denn, hätte man sich nach ihren Erkenntnisse oder ihren Ratschlägen gerichtet und neue Wege beschritten.  Dabei liegen die Vorschläge, die Erkenntnisse und Lösungen aus dem jahrtausende währenden Schlamassel schon mindestens zweitausend Jahre auf dem Tisch, aber keiner sieht sie, keiner will sie sehen und setzt sie ergo auch nicht um.

 

Trotz seinem Verstand und seiner Vorzüglichkeit im Vergleich zu allen anderen Lebewesen, denkt der Mensch nicht allzu gern. Er jammert und flucht und beklagt sich. Er ruft um Hilfe bei anderen und merkt nicht, dass er der andere ist, der nicht helfen kann, weil er nicht helfen will. Er weiß nicht einmal wie das geht. Er möchte lieber abgelenkt und unterhalten werden. Er möchte „leben“. Er möchte so sein wie er will und nicht wie alle anderen. Er benutzt in seinem Tun am liebsten den schnellsten und kürzesten Weg, auch wenn er dabei über Leichen gehen und sich selbst verleugnen muss. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. DAS Mittel freilich, das ihm zur Verfügung steht, um ohne die anderen Mittel auszukommen, nämlich seinen Verstand, den benutzt er kaum - wie gesagt: nur zum Klogang und zum Kartoffelschälen. Hätte man ihm nicht eingebläut, dass er zur Erledigung seiner Notdurft  unbedingt zum Klo gehen solle, würde er wie eine Kuh im Stehen scheißen.

 

 

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 Den leeren Schlauch bläst der Wind auf, den leeren Kopf der Dünkel

(Mathias Claudius)