Papst - Pontifex Maximus Herrscher des Weltreiches Der verblichene römische Bischof Wojtila hatte – ganz im Gegensatz zu seinem Nachfolger – relativ schnell die Herzen seiner Fans erobert. Dazu mag seine physische Erscheinung beigetragen haben, seine einfache Herkunft und nicht zuletzt seine meist ergreifende, betont demütige Haltung. Sein konservativer Kurs tat dem keinen Abbruch. Er war der Berg, der zum Propheten kam, der seine Schäfchen besuchte und durch seine Erscheinung viele leise Zweifel an der Redlichkeit der Amtskirche in pures Wohlgefallen aufzulösen vermochte. Seine demonstrierte Bescheidenheit und in den letzten Jahren seiner Amtszeit, der vom Alter und Krankheit gebeugte Rücken, sein fast linkisch wirkendes Winken und das warme Lächeln machten aus Wojtila einen populären Schmusepapst. Er bereiste die Welt und die Herzen der einfachen Menschen und es schien, als wolle er die ganze Welt mit dem Vatikan versöhnen. Er trat auf in der demütigen Haltung eines Pilgers, eines Reisenden in Sachen Gott, der seine Botschaft umsonst zu vergeben hatte. Der Papst kommt! Und die Kassen klingelten, die Politiker(innen) machten Männchen und das Volk kam zahlreicher als bei Elvis Presley oder Michael Jackson. Die Erwartungen ließ er offen und die Früchte der von ihm erweckten Hoffnungen trugen keine allzu großen Blüten, doch wen störte das schon. Er verschenkte etwas, was nichts kostete, seine Botschaft des Friedens an gläubige Gläubige, und bescherte insbesondere in den Drittweltländern das gebeutelte Volk mit ein paar weiteren leeren Phrasen, an denen sie sich vielleicht moralisch, aber sicherlich nicht sozial aufrichten konnten. Er war der neue Quetzal Coatl, der weiße Mann von jenseits des Meeres und berührte die Einheimischen tief in ihrem verschütteten kollektiven Gedächtnis, ihren vergrabenen Erinnerungen an die Zeiten der großen Entdeckergötter und verbreitete seinen Charme. Einigen weniger naiven Geistern muss er wie ein Reicher erschienen sein, der es sich leisten kann, unter den Armen den Ärmsten zu spielen. Als heiliger Vater und oberster Vertreter der römischen Kirche wurde er seiner Rolle als Vertreter der einzigen Wahrheit, der einzigen wahren Religion gerecht. Mit Wojtila wurde Demut und Bescheidenheit zur Methode. Er war der Oberhirte, der allerheiligste Vater, der den christlichen Glauben für einige Wochen wieder attraktiv zu machen imstande war. Er war seit langem wieder einmal ein Papst, der „glaubhaft zum Volke rüberkam“. Sein Nachfolger, ehedem der heimliche Stolz Deutschlands, respektierter Rhetoriker, Inquisitor und berechnender Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehren - auch als Opus Dei bekannt – brachte das Sympatiekartenhaus des Wojtila – aufgebaut in langen Jahren der Weltbereisung – mit ein paar Reden zu Fall. Er konnte noch so süß lächeln und sich in der Art des Wojtila leicht nach vorne beugen, das Maliziöse in seinem Antlitz vermochte er nicht zu übertünchen und es reichte auch nicht, den harten Augen einen Hauch von weicher Teilnahme abzuringen. Einige seiner Discourse und das Interview eines verbannten Berufskollegen brachten ihn und sein fragiles Image in arge Bedrängnis und man begann sich allenthalben zu fragen, ob er als Vertreter Gottes wirklich die bessere Wahl gewesen war. Obwohl der Papst als mächtiger Mann in Rom bei weitem nicht mehr den politischen Einfluß genießt, wie noch vor einem knappen Jahrhundert oder noch weniger, so ist er in der Person eines Ratzinger trotzdem noch immer gut um Meinung zu machen und fragile politische Beziehungen mit ein paar (ich unterstelle das mal) wohl gewählten Worten auf die Kippe zu stellen. Das, als was man den Nazarener mitunter darstellte, als Verkünder von Menschlichkeit, Freiheit und Nächstenliebe, als Sohn jenen Wesens, das mangels eines bezeichnenden Substantivs oder Eigennamens mit dem Prädikat Gott benannt wurde, erfährt durch die Nachfolger Petri auf dem Heiligen Stuhl eine dauernde Verballhornung und Vergewaltigung. Als Pontifex Maximus oder als alleiniger, bzw. allwissender Magusch ist der Papst der alleinige und einzigste Verwahrer der einzigsten bestehenden Wahrheit, welche die Institution Kirche durch ihn und mit ihm als Vertreter oder Gleichgestellter Gottes beansprucht. Als oberster Hirte oder Stellvertreter Gottes wurde dem Pontifex in langwierigen Verhandlungen und Händeln, die seit dem Abklingen des großen Chismas, nach mehr als vierhundert Jahren schließlich Anno domini 1870 auf dem ersten Vatikanischen Konzil unter Papst Pius IX. die Unfehlbarkeit zuerkannt. Als Grundlage für die theologisch gerechtfertigte Unfehlbarkeit (Unfehlsamkeit, Irrtumlosigkeit, Fehlerlosigkeit, Perfektion des Denkens und Tuns) gilt nur das Wort Gottes. Er allein kann einem Menschen die Gabe der Unfehlbarkeit verleihen. In diesem Fall wurde sie von Menschen ausgehandelt und in Abwesenheit von glaubwürdigen Zeugen offenbar von Gott gutgeheißen. Es ist schon bezeichnend, dass ausgerechnet die Papst-Kirche, als Verwahrerin eines Dogmas, in dem die freiheitlichen Bestrebungen eines ehedem märchenhaften Christentums den repressiven Maßnahmen weichen mussten, sich eine solche Kirsche auf dem Kuchen der Macht nicht versagen wollte. Machtpolitisch hat das Prädikat „unfehlbar“ quasi Nullwert, aber in einer Institution, die seit ihrer Existenz solche Begriffe wie Macht, Gewalt, Herrschaft, Unterdrückung, Fanatismus, Intoleranz, Verherrlichung, Verdammung, Verdummung, Engstirnigkeit und Rassismus auf ihrer Fahne trägt, war es Synonym für ein müdes Lächeln an all jene, die versuchten die Kirche in ihren Grundmauern zu erschüttern. Sie ist die Aura, die den Heiligen Vater, den Pontifex Maximus, den Summus Pontifex wie eine Käseglocke umgibt, so dass er für irdische und menschliche Belange unantastbar wird und von keinem irdischen, bzw. weltlichen Gericht ggf. zur Rechenschaft gezogen werden kann. Der Titel „Herr,… Allerheiligster Herr“, mit dem der römische Bischof sich kleidet, bedeutet letztlich nicht weniger als die Gleichstellung mit einem Christus, einem Erlöser, sogar dem von Christen geglaubten, personal göttlichen Urprinzip. Die griechische Übersetzung der Bibel kennt den Namen „Kyrios“ als den unübersetzbaren, heiligen und geheimen Namen Gottes: Jahwes. Durch die Applikation der lateinischen Übersetzung dieses Namens auf seine Person, eignet der Papst sich faktisch die Bedeutung Gottes als allerhöchstes Seinswesen an. Diese teils offene, sogar öffentliche aber von der Masse der Gläubigen kaum in ihrer Bedeutung erfassten Identifizierung des Papstes mit dem Absoluten bezweckt die kompakte Verewigung der absolutistischen, antiemanzipatorischen und autoritären Machtstruktur der katholischen Amtskirche. Diese Machtstruktur und ihr Impakt – obwohl politisch heute kaum mehr als ein Papiertiger – vermag nichtsdestoweniger die Massen zu motivieren, im Bestreben der Kirche, das von ihr wieder hergestellte „Weltreich“ zu erhalten und seinen Ausbau zu fördern. Die Stabilisierung des christlichen Weltreiches ist heute mehr denn je das Thema der Stunde, mit einem amtierenden Papst, der die Nachbarreligion und Konkurrent aus alten Zeiten quasi zum Kulturkampf auffordert und den Kinderfickern unter seinen Vertretern nach Möglichkeit eine pädophilen Freifahrtschein erstellt - mit einer Kirche, die ihre theoretische Begründung aus einer nicht mehr zeitgemäßen und nicht mehr aufrecht zu erhaltenden Metaphysik Gottes und einer abgegriffenen mystisch-gnostischen Erlöser- bzw. Abgesandtenformel schöpft - einer Kirche die dazu tendiert, die Tradition eines von Priestern dominierten Reiches wieder einzuführen und mythisch-magisch-sakrale und sanktionierte feudalistische Herrschaftsverhältnisse wieder herzustellen. Dass dieser Gedanke in der Mentalität einer großen Zahl von Menschen schon oder noch immer fest verankert ist, bzw. noch immer unverändert vorherrscht, zeigt sich in der Hochachtung, die dem Pontifex allenthalben bei Auftritten noch immer zuteil wird. Auch wenn sie von einigen Gleichgültigen als touristische Attraktion oder Folklore abgewinkt wird, so wirkt sie ebenso nachhaltig wie die Zelebrierung der Wahltradition oder des Krönungsrituals, wie ein Volksfest bei dem das Bier und die warmen Würstchen aus Gottes unergründlichen Taschen bezahlt werden. DasTragen der Tiara erhebt den Papst zum Ceasar aller Priester. Sein internationaler politischer Status wird ihm durch seine Funktion als Staatschef des Vatikanstaates garantiert. Als Papst oder oberster Hirte, bzw. durch seine Stellung als oberster Autokrat ist er gleichzeitig oberster Richter über alle Menschen, ergo gottgleich. Spricht er „ex cathedra“ , heißt das soviel wie, dass seine Aussage einem absoluten Dekret gleichkommt, ergo endgültig und verbindlich ist. Die Verteilung der göttlichen Gnade ist ausschließlich ihm von Amts wegen überlassen und er kann sie nach Gutdünken vergeben oder in geringem Maße an seine Untergebenen delegieren. Der Papst sitzt nach christlichem Recht und Gesetz unantastbar an der Spitze der Welt, dem Natürlichen und Übernatürlichen, dem Irdischen und Überirdischen, als Vertreter Gottes, als Gott schlechthin, da er dessen Macht ausübt und von dessen Gnaden ist. Letzteres lässt sich genau wie die metaphysische Existenz Gottes weder belegen noch widerlegen, allein, es ist nicht Sache des Zweiflers die Nichtexistenz Gottes zu beweisen, sondern, es ist Sache des Vertreters Gottes, seines Herrn Existenz zu belegen. Papst und Kirche haben sich freilich noch nie zu bemühen brauchen, die Existenz ihres Gottes zu beweisen, da sie den Vorteil der Diktatur auf ihrer Seite hatten und per Dekret jeden Zweifler, bzw. Häretiker mundtot oder richtig tot machen konnten. Wer seinen gläubigen Kindern ein Leben lang den Rosenkranz um die Rippen, den Kathechismus auf die Geschlechtsteile und die Bibel auf den Kopf gehauen hat, braucht sich um tief verwurzelte nachhaltige Angst nicht mehr zu bemühen, sollte sich aber vor eventuellen unvorhersehbaren neurotischen Konsequenzen in Acht nehmen. In der Person des Papstes tritt uns die Kirche als ein in sich geschlossenes, massives, pseudoreligiös gerechtfertigtes Unterdrückungssystem entgegen, ein Anti-Freiheitsmodell par Excellenze, eine seit zweitausend Jahren trotz mannigfaltiger innerer Streitereien und Aufsplitterungen noch immer funktionierende Diktatur. Insofern man die Kirche mit dem Begriff Harmlosigkeit überhaupt in Verbindung bringen kann, so sei erwähnt, dass - wie alle anderen so genannten Weltreligionen auch - die katholische Amtskirche anfangs nicht mehr als nur ein Mitesser, ein Trittbrettfahrer war, der in einem Moment der politisch-religiösen Wirren und Kleinkriegen den richtigen Zug erwischte und mit Ausdauer und Intrigen den Zug samt Insassen zu eroberte. Vor ihr hatten naturalistische und polytheistische Weltbetrachtungen den Boden fruchtbar gehalten und die Menschen geformt und erzogen. Die Menschen hatten selbst darauf hingearbeitet und die Divinitäten und Anderswelten entsprechend ihrer jeweilige Bewusstseinsstufe selbst erfunden um Antworten auf drängende Fragen zu erhalten. Als das Christentum sich vage organisierte war die Kausalkette schon ins Unüberschaubare gewachsen und es oblag den Kirchenvätern sich an eines der Kettenglieder anzuhängen. Da im kausalen Netz nichts nur in eine Richtung wirkt, erklärt sich auch die Vielfalt der Kursänderungen der Kirche in Sachen Dogmatik, die Existenz von mehr als zwanzigtausend Splittergruppen und Sekten und es beweist sich die permanente Abwesenheit des christlichen Gottes. Er ist immer dort, wo er nicht gebraucht wird und wo keiner nach ihm sucht. Die Kirche entwickelte sich wie ausnahmslos alles nach dem Prinzip der Ursache, Wirkung, Rückwirkung und Wechselwirkung und unterlag der diffusen Gesetzmäßigkeit der Umstände und Gegebenheiten. Einen eindeutigen Verschwörungscharakter hinsichtlich der Beherrschung der Massen kann man der Kirche beruhigt absprechen, den Drang die Massen kompromisslos zu beherrschen aber nicht, da liefert die Geschichte eindeutiges Material. Eine Frage bleibt. Nicht die nach Gott, denn die ist unerheblich. Es bleibt die komplexe Frage, ob der Papst und seine zahlreichen Vorgänger als deklarierte Vertreter Gottes wirklich unfehlbare Menschen sind, wo wir doch tagaus tagein das genaue Gegenteil erleben, oder ist der Papst ein Nachfolgeusurpator, der den Thron Gottes an sich riss, oder ist er ein Usurpator, der einen Thron an sich riss, der nie existierte, sondern eigens geschaffen wurde?Und falls dieser Thron nie existierte, sondern für Petri und Nachfolger eingerichtet wurde, wäre dann nicht der Papst mitsamt seiner Kirche nur von eigenen Gnaden? Aus Letzterem ergibt sich die dringende Frage, ob wir diesen erbärmlichen asexuellen Haufen überhaupt brauchen, Er ist so nützlich wie ein Kropf. Quellen:
Reclams Lexikon der Päpste [nach oben]
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Pontifex Maximus 
